"Das gibt es nur bei uns"

Generationen von Löwen feiern (sich) in Giesing. Und ein bisschen leiden sie auch - Der Heimatabend der Sechzger im Grünwalder Stadion.
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Die Meisterlöwen von 1966 machen in Giesing die Welle.
Augenklick Die Meisterlöwen von 1966 machen in Giesing die Welle.

MÜNCHEN - Generationen von Löwen feiern (sich) in Giesing. Und ein bisschen leiden sie auch - Der Heimatabend der Sechzger im Grünwalder Stadion.

Es ist ein Treffen der Generationen. Vor der Westkurve, der Heimat der Löwen-Fans, vor der legendären, von Hand bedienten Anzeigetafel, haben sie sich aufgebaut. Alle sind sie da. Die Meisterlöwen von 1966 um Torwart-Legende Petar Radenkovic, die Aufstiegshelden von 1994 mit Thomas Miller; und die Eurofighter von 2008: Der Löwen größter Stolz, das U19-Europameister-Quartett mit den Bender-Zwillingen Lars und Sven, Timo Gebhart und Florian Jungwirth. Um sie herum haben sich die 1860-Legenden aufgestellt – und lassen sich feiern. Sie recken die 42 Jahre alte Meisterschale hoch, ein Duplikat natürlich. Aber bis heute das Symbol für die erfolgreichste Zeit, die der Klub erlebt hat.

Jeder darf mal ran. Und einer will sie offenbar gar nicht mehr hergeben: Zeljko Perusic, der frühere Mittelfeldspieler, würde sie am liebsten à la Bayern-Star Franck Ribéry schnappen und eine Ehrenrunde allein damit drehen. Eine Runde durch die Arena in Giesing, die die Fans so laut besingen: das „Grüüünwaaalder Staaadion“.

9300 sind gekommen zum Heimatabend des TSV 1860, darunter Kabarettist Dieter Hildebrandt. Und die braven Gegner vom 1. FC Kaiserslautern, der den Löwen den 1:0-Sieg per Eigentor schenkt. „Die Arena ist unser Zuhause, das Grünwalder unsere Heimat“, sagt 1860-Präsident Rainer Beeck.

Und hier, zurück an der Erfolgsstätte von 1966, fühlen sich die Fans der Blauen offenbar besonders wohl; sie feiern sich selbst mit La Ola. Und das Stadion natürlich auch: „Raus aus der Arena“ grölen einige nach der Melodie des neuesten Stadionhits „Seven Nation Army“ von „The White Stripes“.

Hier oben auf Giesings Höhen haben die Löwen-Profis zuletzt 2004/2005 nach dem Abstieg aus der Bundesliga gespielt. Eine Rückkehr aus Verbundenheit, um trotz sportlicher Misere keine Anhänger zu verlieren. Jetzt, drei Jahre später, recken die Anwohner wieder die Köpfe aus den Fenstern. An den Fenstersimsen der Mietshäuser in der Nachbarschaft hängen 1860-Flaggen, in den Kneipen ringsum haben sich die Fans eingestimmt. Wie früher. „Hier ballt sich alles“, ruft Achim Kobahn über die Theke des A1-Bistros. Kobahn, der Wirt und Inhaber: „Das ist extrem. Aber der Stress macht Spaß.“

Stress hat am Heimatabend der Löwen auch ein anderer: Karl Auer eilt ins A1, liefert Wurst – und verschwindet wieder. So leise fast, wie er 2006 als Löwen-Präsident abgetreten ist. Auer schwitzt und sagt nur: „Keine Zeit, es pressiert!“ Er will zum Spiel. Nur wenige Meter weiter steht Rainer Beeck, der neue Präsident, genau dort, wo Auer nie gerne gestanden hat: im Mittelpunkt. „Das macht Spaß“, sagt er, „das treibt uns voran. So bringen wir das Löwengefühl rüber.“ Beeck hat jedem einzelnen der drei Löwen-Generationen auf dem Rasen die Hand geschüttelt. „Dieser Generationenfunke, der da überspringt – das gibt es nur bei uns, nur beim TSV 1860“, sagt Beeck: „Die Altmeister wissen heute noch, wie sich die Jungen fühlen.“

Manfred Wagner, der Meisterlöwe von 1966, nickt: „Ich habe ja schon viel hier im Grünwalder erlebt. Aber so gekribbelt wie heute hat es noch nie.“ Das sagt ein 69-Jähriger. Schade irgendwie, dass das Spiel selbst dann doch nicht zur fußballerischen Erfüllung wird. Die Löwen von heute sind eben keine, die um die Deutsche Meisterschaft mitkicken können. So wie früher. Kabarettist Hildebrandt sagt: „Wenn ich in die Gesichter der Meisterlöwen sehe – sie leiden wie ich. Alle leiden.“ Weil eben auch die Spiele im Grünwalder in der Erinnerung viel schöner sind als in der Gegenwart.

T. Klein, R. Franke

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