"Damit der Wind unser Mitspieler ist": Faßmann verrät stürmischen 1860-Trick in Eichstätt

Auf dem engsten Platz der Liga ringt der TSV 1860 das heimstärkste Team der Regionalliga nieder – auch dank des Wetters. Trainer Kayabunar verspürt "große Erleichterung und Stolz auf die Truppe".
von  Matthias Eicher
Die Freude und die Erleichterung bei Lasse Fassmann, Fabio Wagner und Julian Bell (v.l.) über den Löwen-Sieg in Eichstätt ist groß.
Die Freude und die Erleichterung bei Lasse Fassmann, Fabio Wagner und Julian Bell (v.l.) über den Löwen-Sieg in Eichstätt ist groß. © sampics

Kann sich 1860 nach der 2:4-Pleite gegen den FC Bayern II mit einer gewaltigen Portion Wut im Bauch im nächsten Regionalliga-Duell rehabilitieren? So lautete die drängendste von zwei spannenden Fragen im Vorfeld. "Es tut schon noch sehr weh", sagte Emre Erdogan im AZ-Interview und gab die Marschroute vor: "Wir wollen das Derby unbedingt wieder gutmachen."

Ein Plan, den die Giesinger in die Tat umsetzten – mit gnädiger Unterstützung des Wetters.

Ein dreckiger, nass-windiger und glücklicher 2:0-Arbeitssieg beim zuvor besten Heim-Team der Liga, beim VfB Eichstätt, beschert Sechzig in der katholischen Universitätsstadt zumindest ein bisserl Wiedergutmachung. Und: Durch den Sieg bleiben die Blauen oben dran.

1860-Trainer Kayabunar: "Große Erleichterung und Stolz auf die Truppe"

"Große Erleichterung und Stolz auf die Truppe", verspüre er, sagte 1860-Trainer Alper Kayabunar nach der Partie im BR: "In der zweiten Halbzeit haben wir das richtig gut gemacht, den Kampf angenommen."

Eine Ecke von Kapitän Dennis Dressel war es, die unweigerlich den Weg ins Tor fand, getragen von einer Sturmböe. Joker Arian Calderon verwertete einen von ganz wenigen zielführenden Angriffen mit dem Schlusspfiff. Es war kein Giesinger Wirbelsturm, aber immerhin ein blaues Lüftchen zur rechten Zeit.

Erlösung im Herbststurm kurz nach der Pause: Lasse Faßmann, Lance Fiedler, Damjan Dordan, Cristian Leone, Christian Eberwein und Felix Weber (v.l.) drehen jubelnd ab. Verantwortlich für Sechzigs Führungstreffer ist allerdings Eichstätts Bastian Bösl (nicht im Bild) per Eigentor.
Erlösung im Herbststurm kurz nach der Pause: Lasse Faßmann, Lance Fiedler, Damjan Dordan, Cristian Leone, Christian Eberwein und Felix Weber (v.l.) drehen jubelnd ab. Verantwortlich für Sechzigs Führungstreffer ist allerdings Eichstätts Bastian Bösl (nicht im Bild) per Eigentor. © sampics

Die zweite Frage, die sich vor Anpfiff speziell im Hirsch-Sportpark stellte: Wer hat den Kleinsten? Es ist Eichstätt, das den kürzesten Fußballplatz der Regionalliga hat. "Gerade so wie sie Fußball spielen, liegt Eichstätt natürlich der kurze Platz, der enge Platz und mit der Art und Weise sind sie dann anscheinend auch sehr erfolgreich", sagte Kayabunar über den zweikampfstarken, mit langen Bällen und überfallartigem Nachrücken operierenden VfB. Die Löwen schwitzten trotz dieses Wissens.

"Wir haben tatsächlich den Trainingsplatz die Woche mal verändert"

Da half auch kaum, dass der TSV die veränderten Rasenbedingungen laut Kayabunar simuliert habe: "Wir haben tatsächlich den Trainingsplatz die Woche mal verändert, auf einem anderen Trainingsplatz trainiert und auf die eine oder andere Situation haben wir uns vorbereitet." Dennoch hatte Eichstätt die Löwen mehrfach dort, wo VfB-Trainer Markus Mattes sie haben wollte – die Hausherren waren aber ähnlich schludrig mit der Chancenverwertung wie 1860 zuletzt gegen Bayern.

Chefcoach Kayabunar, der wieder auf die Dienste Dressels zählen konnte und Abwehrspieler Benedikt Hoppe (25) nach der schweren Knieverletzung von Stamm-Rechtsverteidiger Mark Gevorgyan zum Startelfdebüt verhalf, konnte mit einer zwar engagierten, aber offensivschwachen ersten Hälfte im verregneten Altmühltal nicht zufrieden sein.

Auch sein Boss war es nicht: "Ich weiß nicht, ob wir hier eine Reaktion auf das letzte Spiel zeigen müssen, sondern wir müssen versuchen, alles dafür zu tun, dieses Spiel zu gewinnen aufs Neue wieder", sagte Sportchef Manfred Paula im BR: "Enger Platz, kurzer Platz, das wussten wir, das muss man vielleicht noch ein bisschen mehr annehmen und dann aber auch mit Nachdruck unsere Torchancen nutzen. Das ist ja unser Manko, das wir in den letzten Wochen immer wieder auch hatten."

Kapitän Dennis Dressel (l.) und Trainer Alper Kayabunar feiern mit den Löwen-Fans den wichtigen Dreier im Altmühltal.
Kapitän Dennis Dressel (l.) und Trainer Alper Kayabunar feiern mit den Löwen-Fans den wichtigen Dreier im Altmühltal. © sampics

Wenn es aus dem Spiel heraus nicht läuft – und der einsetzende Starkregen mit Windböen auch noch eine Steilvorlage dazu liefert – muss eben ein außergewöhnlicher Standard herhalten: Ecke Dressel, extreme Flugkurve Richtung Tor und Bösl als Unglücksrabe, der unhaltbar abfälschte.

Lasse Faßmann dazu: "Der Wind hat uns in die Karten gespielt. Wir haben dann den Schützen gewechselt, damit Dennis als Linksfuß den Ball zum Tor schlägt und der Wind unser Mitspieler ist – das hat gut geklappt."

Ob 1860 mit diesem Dusel-Sieg gut gerüstet ist für das Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten TSV Buchbach? Die Auflösung gibt's am Freitag ab 19 Uhr auf Giesings Höhen.

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