Comeback-Pläne schon vor OP: In diesem Spiel will Deniz für 1860 wieder auf dem Platz stehen
Ohne ein vorerst letztes aufregendes Stadionerlebnis wollte sich Tunay Deniz offenkundig nicht in Richtung Operationssaal und die monatelange Reha verabschieden.
Mit weißen Schuhen, dunkler Kleidung und heller Kappe auf dem Kopf schritt der große Pechvogel des TSV 1860 nach dem ebenso hart erkämpften wie emotionalen 2:1 gegen Bayreuth im Giesinger Dienstagabend-Regen über den Rasen des Grünwalders und saugte die Ovationen der Löwenfans in der Westkurve auf. "Tunay Deniz", skandierten die Anhänger, während der 32-Jährige ihnen inmitten seiner Mannschaftskollegen applaudierte. Und noch ehe überhaupt der Kreuzbandriss im rechten Knie in der Klinik versorgt und den Weg zurück begonnen hat, schmiedete der Filigrantechniker bereits große Comebackpläne. "Er hat geschrieben, zu den Relegationsspielen ist er wieder da", berichtete Michael Eberwein, der den Taktgeber im Mittelfeld ersetzte, von einem kämpferischen Deniz-Eintrag in der Team-Whatsapp-Gruppe.
Kämpferische Comeback-Pläne trotz Kreuzbandrisses
Überhaupt zeigten Eindrücke vom Dienstag den Routinier so frohgemut, etwa mit dem ebenfalls türkisch-stämmigen Youngster Emre Erdogan, dass man sich kneifen muss, ob das wirklich dieser Profi ist, der kurz zuvor zum wiederholten Mal in seiner Karriere die Schock-Diagnose Kreuzbandriss erhalten hat."Er ist wahnsinnig positiv damit. Es ist Wahnsinn, wie er damit umgeht", befand auch Eberwein, der nicht nur Deniz‘ Rolle, sondern mit dem 1:0 (24.) auch einen Teil der Last des Toreschießens übernahm.
Eberwein beschrieb weiter: "Vor uns wirkt er sehr stark und ist sehr motiviert. Wir versuchen, ihn so gut es geht, zu unterstützen." Aber nicht nur Eberwein, sondern auch Eric Uhlmann hatte seinen Deniz-Moment – beim Siegtreffer. Per Freistoß, sonst Deniz‘ unangetastete Domäne, schlenzte, ja streichelte der 23-Jährige den Ball zum 2:1 (80.) ins Tor. "Das habe ich mir bei Tunay abgeguckt", sagte er prompt grinsend. "Das Tor hat sehr an Tunays Qualität erinnert", bekräftigte Trainer Alper Kayabunar.
Freistoßtor als Hommage an den verletzten Regisseur
Deniz hier, Deniz da, Deniz überall. Es war ein Abend, der sich vorwiegend um den schwer verletzten Löwen drehte und der ihm quasi ein zusätzliches Motivationspräsent mit auf die nächste harte Phase seiner Karriere gab. "Der Sieg ist für uns alle cool, ich hoffe, dass er auch ihn ein bisschen tröstet", sagte Eberwein noch, denn so optimistisch sich Deniz präsentierte, es werden ihm gewiss nicht nur sonnige Tage bevorstehen. "Es ist schwer für ihn, logisch. Aber wenn einer da durchkommt, dann er", ergänzte Uhlmann nach einem Gespräch mit Deniz im Stadion: "Ich wünsche ihm beste Genesung."

Mannschaftsrückhalt in schwieriger Karrierephase
Einstweilen aber muss es ohne ihn gehen, das Regionalliga-Rad dreht sich weiter und Sechzig sollte Schritt halten, wenn Deniz‘ Relegationsagenda nicht nur ein aufbauendes Gedankenspiel bleiben, sondern bis Ende Mai 2027 eine faktische Grundlage bekommen soll. "So in der Art können wir ihn bestimmt nicht ersetzen. Trotzdem haben wir genügend andere gute Jungs, die es auf andere Art und Weise versuchen", blickte Eberwein erst mal auf die Wochen bis zur Winterpause ab dem 5. Dezember voraus. Danach kann der TSV eine Zwischenbilanz ziehen und bewerten, ob es personell auch ohne Deniz funktioniert oder nach einer Verstärkung gefahndet werden sollte.
Wie der TSV 1860 die Lücke im Mittelfeld schließen will
Nimmt man das Bayreuth-Spiel als Grundlage, dann jedenfalls wird sich der Löwe künftig nicht um einen Schönheitspreis bewerben, sondern muss im Blaumann erscheinen. "Wir haben uns aufgerafft und alles reingehauen heute, das war geil", sagte Eberwein und Kayabunar unterstrich, weil ja auch noch Fabio Wagner krank passen musste: "Wir haben gezeigt, was wir für eine Mannschaft sind. Es war eine harte Woche, Respekt, was die Mannschaft abgeliefert hat. Wir haben Rückschläge einstecken müssen, aber wir sind auf dem richtigen Weg."
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