Boykott, Sportchef, Trainer: Wo es brennt bei Sechzig

Die Löwen sperren die Presse aus, Sportdirektor Thomas Eichin ist wohl bald weg – und Armin Veh mag nicht als Trainer an die Grünwalder Straße kommen.
| Matthias Eicher
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Völlig außer Kontrolle: Hasan Ismaik, Investor beim TSV 1860 München.
dpa Völlig außer Kontrolle: Hasan Ismaik, Investor beim TSV 1860 München.

München, Braunschweig - Konstanz versus Chaos: Das galt beim Vergleich zwischen den Löwen von Eintracht Braunschweig und denen des TSV 1860 nicht nur auf dem Platz. Vor dem 2:1-Sieg des Tabellenführers, machte eine Grafik die Runde, die kurz und bündig die gewaltigen Unterschiede beider Teams aufzeigt: Braunschweig hatte seit der Saison 2008/09 je einen einzigen Trainer, Sportdirektor und Präsidenten. Und Sechzig? 15 Coaches, sieben Sportchefs, sechs Oberlöwen.

Als hätten die Löwen durch die sportliche Talfahrt nicht Probleme genug, erschüttern regelmäßig Skandale die Grünwalder Straße. Inmitten der nächsten personellen Umbesetzung folgt jetzt ein riesiger Eklat, heraufbeschworen durch einen wildgewordenen Investor Hasan Ismaik, der die Schuld am chronischen Scheitern der Sechzger überall sucht, nur nicht dort, wo sie herrührt.

Die AZ zeigt, wo es aktuell brennt auf Giesings Höhen

Medienboykott und Hausverbot:

Pressefreiheit wird derzeit nicht groß geschrieben bei 1860. „Sämtliche Repräsentanten der Löwen sowie die 1860-Lizenzmannschaft stehen bis auf Weiteres nicht für Interviews und Gesprächsanfragen aller Medien zur Verfügung“, schrieb der Klub am Freitagabend – auf Anweisung Ismaiks. Es ist die (gelinde gesagt fragwürdige) Reaktion auf das Medienecho nach der Entlassung von Ex-Trainer Kosta Runjaic. Dazu verhängte der TSV ein Hausverbot an alle Reporter – so scheint man das Chaos eindämmen zu wollen. Michael Busch, Vorsitzender des Bayerischen Journalisten-Verbands, fordert die Löwen auf: „Nehmen Sie die Maßnahmen eines Redeverbots für Repräsentanten und Lizenzspielermannschaft sowie das Hausverbot – auch im eigenen Interesse – sofort zurück!“ Sechzig reagierte bisher nicht.

Wie die „Bild“ berichtet, soll die DFL Ermittlungen bezüglich der Wirksamkeit der 50+1-Regel aufgenommen haben. Die Pressekonferenz am Dienstag nach dem Aus des 45-Jährigen hatte den Eindruck erweckt, als habe nur noch Ismaik allein das Sagen.

Eichins Abschied:

Ismaik polterte nicht nur gegen die Presse. Auch Thomas Eichin bekam sein Fett weg, wurde zum Sportdirektor degradiert. Der Streit zwischen Ismaiks Sechzig und Eichin droht zu eskalieren: Nach AZ-Informationen geht es nur noch um die Höhe der Abfindung, dann ist der 50-Jährige Geschichte. Fraglich, ob er die stillose Demission als Geschäftsführer hinnehmen oder rechtlich prüfen lassen wird. Wahrscheinlicher ist Zweiteres.

Trainersuche:

Trotz alledem stellt sich bei den Sechzgern weiter die (sportliche) Frage: Wer wird neuer Chefcoach? Mehreren Medienberichten zufolge hieß es zunächst Armin Veh sei der Top-Kandidat und soll mit Ex-Löwe Horst Heldt als Sportchef ein neues, kongeniales Duo bilden. Beide hatten (mit Spieler Daniel Bierofka) 2006 mit dem VfB Stuttgart den Meistertitel geholt. Veh erklärte der „Süddeutschen Zeitung“ allerdings: „Ich möchte diese Saison Pause machen, und dabei bleibt es.“

Kingt nach einer weisen Entscheidung.

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