Blaues Bangen bis Dienstag: Diese 1860-Talente drohen noch zu gehen
Beim TSV 1860 herrscht derzeit im Umfeld Freiheits-Hochstimmung. Zu beobachten auch ringsum den zurückliegenden Pokalsamstag, in Giesings Kneipen, auf den Straßen sowie vor und im ausverkauften Stadion. Doch das bedeutet nicht, dass bei Sechzig alles eitel Sonnenschein ist. Es stehen herausfordernde Tage vor den Löwen, das hat einerseits in wirtschaftlich-organisatorischer Hinsicht mit dem nahenden 31. August und der Insolvenzeröffnung der KGaA zu tun, aber andererseits auch mit der Sommer-Transferperiode, die sich ihrem Ende nähert.
Mittelfeldspieler Loris Husic war am Montag der erste Youngster, der die Blauen verlassen hat, während sich das Wechselfenster langsam schließt. Die Frage aber bleibt: Wie viele folgen ihm noch bis zum Anfang der nächsten Woche? Der 18 Jahre alte Österreicher ist schließlich nicht der einzige talentierte Jungprofi gewesen, der zuletzt auf sich aufmerksam gemacht hat.
Hofmann besorgt: "Hoffentlich werden die drei Superspieler nicht noch verkauft"
Gegangen sind vor Husic bereits Sean Dulic (Hoffenheim), Clemens Lippmann (Paderborn), Samuel Althaus (Preußen Münster) und Xaver Kiefersauer (1. FC Nürnberg, ausgeliehen an Würzburg). Interesse vom VfB Stuttgart soll es nach AZ-Infos an Lance Fiedler geben, zudem hat Offensivtalent Emre Erdogan offenbar Begehrlichkeiten geweckt und auch die herausragende Leistung von Lasse Faßmann im DFB-Pokal gegen Holstein Kiel (0:2) dürfte manchem aufgefallen sein. Auch Stürmer Fabio Wagner hatte sich am Samstag exzellent präsentiert.

Löwen-Legende Michael Hofmann beobachtet die Lage mit eben der Sorge, dass der TSV noch an Substanz verliert. "Hoffentlich werden die drei Superspieler nicht noch verkauft", sagte der 53 Jahre alte frühere Torhüter dem BR in der Sendung "Blickpunkt Sport" und meinte in Bezug auf das Spiel gegen Kiel: "Lasse Faßmann und Emre Erdogan haben ein sensationelles Spiel abgeliefert – das ist die Gefahr."
Die 1860-Krux mit den KGaA-Verträgen und klammen Kassen
Und das Interesse, die KGaA vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens so werthaltig wie möglich aufzustellen, dürfte bei Transferentscheidungen auch eine Rolle spielen. Jedenfalls fließt die dem Vernehmen nach niedrig-sechsstellige Ablöse des FC Augsburg für Husic ebenso in die Vorinsolvenzmasse, wie es die Ausgleichszahlung von Münster für Althaus und jene von Nürnberg für Kiefersauer tat. Genauso wäre es für den Fall, dass Erdogan, Faßmann und/oder Fiedler sich noch umorientieren würden.

Die möglichen Lücken im Kader von Trainer Alper Kayabunar müssten dann wohl andere Junglöwen füllen, denn das GmbH-Budget gibt nach AZ-Infos kaum noch Spielraum für Zugänge mehr her. Immerhin scheint die Gefahr gebannt, dass auch Joker-Entdeckung Arian Calderon abwandert. Der Stoßstürmer hat bei der GmbH einen Vertrag bis 2028 unterschrieben, wie die AZ erfuhr, eine offizielle Bestätigung dieser Personalentscheidung steht allerdings noch aus.
"Wie wir das alle im Moment meistern, ist mehr als ordentlich"
Viel los also weiterhin an der Grünwalder Straße 114. "Bei 1860 ist immer Bewegung drin, das wissen wir ja", sagte Tunay Deniz schmunzelnd dazu. Er fügte hinzu: "Ich bin seit 14 Jahren in dem Geschäft, da gehört es einfach dazu. Jeder soll seinen Weg gehen, den er in seiner Entwicklungsphase einschlagen möchte, und wir wünschen natürlich jedem, dass er auf seinem Weg maximal erfolgreich ist."
Dennoch stellt die Lage nicht nur Trainer Kayabunar, sondern auch das Team weiter vor Herausforderungen. "In Schweinfurt stand der Kader das erste Mal, natürlich ist jetzt noch Rotation", schilderte Torwart Vitus Eicher und hob den Umgang mit all den Turbulenzen der letzten Wochen und Monate positiv hervor: "Wie wir das alle im Moment meistern, ist mehr als ordentlich. Gerade die Jungen machen es sehr gut, und wir wachsen auch als Mannschaft zusammen."
Das wird bei all den Unwägbarkeiten, die noch kommen dürften, gewiss helfen.

