Blauer Rauch

Der Besuch von Isamik gerät zum Friedensgipfel mit Wasserpfeifen-Termin: Schneider bleibt, der Jordanier zahlt dennoch – eine neue Task Force plant nun den Aufstieg.
| Filippo Cataldo
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Löwen-Präsident Schneider und Investor Ismaik beim Rauchen einer arabischen Wasser-Friedenspfeife. Tempi passati! Zuletzt herrschte Funkstille zwischen den beiden.
AZ Löwen-Präsident Schneider und Investor Ismaik beim Rauchen einer arabischen Wasser-Friedenspfeife. Tempi passati! Zuletzt herrschte Funkstille zwischen den beiden.

Der Besuch von 1860-Investor Hasan Isamik gerät zum Friedensgipfel mit Wasserpfeifen-Termin: Boss Schneider bleibt, der Jordanier zahlt dennoch – und eine neue Task Force plant nun den Aufstieg.

MÜNCHEN Irgendwann, es muss so zwischen dem letzten Bissen am wagenradgroßen Burger und dem ersten Löffel Eiscreme gewesen sein, raunte Hasan Ismaik. „Ich schau’ ja gerne türkische Soaps im Fernsehen.”

Die zunächst noch wie ein Märchen aus 1001 Nacht anmutende Friedensankündigung vor dem Plastik-Löwen am Trainingsgelände am frühen Abend, das wahrhaft kitschige Bild später, als die 1860-Verantwortlichen geschlossen hinter Geschäftsführer Robert Schäfer standen und ihm aufmunternd zunickten, als der von der neuen Eintracht beim Löwen schwadronierte – und schließlich die fröhliche Männerrunde im Cafe Saha. Ins Restaurant von Ismaiks Berater Hamada Iraki hatten die Herrschaften im Überschwang der Harmonie sogar die Reporter mitgenommen. Besser hätten auch die talentiertesten Regisseure des Morgenlandes diesen wundersamen Kurz-Besuch des Löwen-Investors in München nicht inszenieren können.

Doch je älter die Nacht wurde, umso mehr verflogen im blauen Rauch der Wasserpfeifen – irgendwann rauchten sogar die ehemaligen Ober-Streithansel Dieter Schneider und Ismaik eine arabische Friedenspfeife – auch die letzten Zweifel: Die Löwen-Bosse haben sich an diesem Abend des 26. März 2012 tatsächlich zusammengerauft. Die Herren sprachen – und aßen und tranken und rauchten – endlich miteinander.

Schneider, von dessen Ablösung Ismaik bis zuletzt jeden weiteren Geldfluss abhängig gemacht hatte, bleibt Präsident – mit ausdrücklicher Zustimmung des Investors. Ismaik hatte zwar noch am Sonntag der AZ über Iraki mitteilen lassen, dass er seine Meinung bezüglich Schneiders Zukunft nicht geändert hätte, meinte dann aber Montagabend: „Mein Engagement hier ist unabhängig von den handelnden Personen. Ich habe kein Problem mit Schneider.” Sogar den am Montag von einem 1860-Vereins-Funktionär vorgebrachte und als Kompromissvorschlag gedachte Hinweis, dass Schneiders Amtszeit ohnehin im Mai 2013 ende und dann ein Wechsel ohne Gesichtsverlust für beide Seiten möglich sei, soll Ismaik gut gelaunt beiseite gewischt haben. Er wolle sich nicht in Personalangelegenheiten des Vereins einmischen.

Nachdem sich Ismaik gegen Mitternacht per Handschlag von allen verabschiedet hatte, erfuhr die AZ schließlich noch, dass sich sich vor allem Sportchef Florian Hinterberger und Trainer Reiner Maurer über die überraschende Wendung im monatelangem Streit freuen dürfen. Statt mit dem bisher kalkulierten Mini-Etat von 6,4 Millionen Euro auskommen zu müssen, dürfen sie kommende Saison höchstwahrscheinlich etwas mehr als neun Millionen Euro für die Mannschaft ausgeben. Eine Summe, die Hinterberger zuletzt als ideal bezeichnet hatte.

Eine neu gegründete Task-Force, bestehend aus Präsident Schneider, seinen Vizes Franz Maget und Wolfgang Hauner, Schäfer, Iraki und Vereins-Aufsichtsratschef Otto Steiner, soll einen Dreijahresplan erarbeiten und dem Investor mitteilien, wie viel Geld die Löwen benötigen, um 2013 oder 2014 aufzusteigen, in der Bundesliga die Klasse halten zu können, und mit welchem Defizit aus dem laufenden Geschäftsbetrieb gerechnet werden muss. In rund 14 Tagen möchte Ismaik dann wieder nach München kommen – und, sollten sich bis dahin alle vertragen, dem blauen Angriffsplan auch zustimmen. „Ich muss mir den Businessplan ansehen und wir müssen einige Dinge klären. Aber mir ist klar, dass ich investieren muss. Die Löwen sind auch mein Verein”, hatte Ismaik bereits vor Beginn der Friedensgespräche an der Grünwalder Straße übersetzen lassen. Am Dienstag bestätigte Präsident Schneider: „Wir werden jetzt sehr zeitnah an einem Masterplan arbeiten, sportlich und kaufmännisch und den so schnell wie möglich zusammenstellen – und dann mit Herrn Ismaik darüber sprechen".

Rechnen muss der neue Freund nach AZ-Informationen,abhängig vom sportlichen Erfolg, mit einem Investitionsvolumen von 20 bis 30 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre, davon rund fünf Millionen Euro für die kommende Saison – drei Millionen für die Mannschaft, zwei Millionen zum Ausgleich des Defizits.

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