Bierofka: "Wir sind gefühlt der FC Bayern der Regionalliga"

Löwen-Trainer Daniel Bierofka hat in der TV-Sendung Sky90 mit dem Thema Absturz von Traditionsvereinen über den Niedergang des TSV 1860 gesprochen. "Wir waren quasi tot", sagte Bierofka - und ist "ein bisschen stolz" auf ein zartes Pflänzchen Hoffnung.
| Matthias Eicher / Sport
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Äußerte sich direkt und deutlich zur Lage der Löwen: TSV-Trainer Daniel Bierofka im Fußball-Talk "Sky90".
sampics/Augenklick/Youtube-Screenshot/AZ Äußerte sich direkt und deutlich zur Lage der Löwen: TSV-Trainer Daniel Bierofka im Fußball-Talk "Sky90".

Löwen-Trainer Daniel Bierofka hat in der TV-Sendung "Sky90" mit dem Thema Absturz von Traditionsvereinen über den Niedergang des TSV 1860 gesprochen. "Wir waren quasi tot", sagte Bierofka – und ist "ein bisschen stolz" auf ein zartes Pflänzchen Hoffnung.

München - Er ist eine der letzten verbleibenden Vereinsikonen des TSV 1860 und nach dem Absturz der Löwen in die Regionalliga der Achitekt des Wiederaufbaus: Trainer Daniel Bierofka war am Montagabend in der TV-Sendung "Sky90" zu Gast, unter anderem mit dem ehemaligen Sechzig-Coach Ewald Lienen. Bierofka sprach dabei über ...

... den Absturz von 1860: "Wir sind innerhalb von drei Tagen zweimal abgestiegen. Wir waren quasi tot, waren total am Boden und hatten keine Mannschaft, keine handelnden Personen mehr. Wenn man sieht, was ist jetzt daraus geworden ist, können wir aber ein bisschen stolz sein."

Bierofka über den Abstieg: "Da war nichts mehr zu kitten"

... den Abstieg: "Ich war ja Co-Trainer von Vitor Pereira. Ich habe gehofft, dass wir es am letzten Spieltag gegen Heidenheim schaffen. Dann kam die Relegation gegen Jahn Regensburg. Ich habe versucht zu helfen und mit den Jungs geredet, aber da war nichts mehr zu kitten. Die Angst vor dem Abstieg war zu groß. Danach ist eine Welt zusammengebrochen."

... die Rückkehr in den Profifußball: "Die einen wollen schon wieder, dass wir irgendwann in die Dritte oder Zweite Liga kommen – größere Klubs, größere Stadien... aber es gibt auch die anderen, die das Bodenständige ogenießen: Die gehen vorher in eine Kneipe, trinken ein Bierchen und danach ins Stadion. Gegen wen wir spielen, ist da gar nicht so entscheidend. Nach dem Spiel gehen sie wieder in die Kneipe, diskutieren ein bisschen und gehen danach zufrieden nach Hause. Das ist wie in England."

... die hohe Erwartungshaltung beim Traditionsverein 1860: "Man muss sich der Realität stellen. Mit der Erwartungshaltung wächst der Druck. Ich hätte mir auch gewünscht, dass der ein oder andere Funktionär länger geblieben wäre. Man ist da einfach umgefallen und hat den einfacheren Weg gewählt. Ich hätte mir mal gewünscht, dass man sich in den Wind stellt. Ich hoffe, dass wir jetzt einen anderen Weg einschlagen."

Existenzkampf neben Welt-Klub FC Bayern München

... Sechzig und die Stadionfrage: "Wenn du neben Bayern München in dieser Stadt existieren willst, brauchst du eine eigene Identität. Es wäre damals vielleicht besser gewesen, statt der Allianz Arena ein eigenes Stadion zu bauen. Sechzig braucht ein Alleinstellungsmerkmal. Das Grünwalder Stadion ist drittligatauglich, danach ist einfach Schluss. Die Stadt hat ganz kare Richtlinien: Man kann nicht einfach 20.000, 25.000 oder 30.000 Zuschauer reinpacken, die Stadt sagt, das ist fast nicht möglich. Wenn man mal wieder in die Bereiche kommt, in denen es sportlich interessant wird, wird man nicht drumherumkommen, sich ein eigenes Stadion zu bauen."

... Fannähe in der Regionalliga: "Ich bin jetzt seit vier Jahren Trainer in der Regionalliga. Das ist teilweise schon extrem. Da stehen die Fans manchmal so nahe hinter dir, dass sie dir auf die Schulter klopfen können. Da wirst du auch manchmal angegangen, zumindest verbal –  wenn dich jemand nicht so toll findet, hörst du es auch ..."

... sein zartes Pflänzchen der neuen Mannschaft: "Ich habe vom ersten Tag an gesagt: Wir brauchen Fingerspitzengefühl. Am Anfang hatten meine Spieler Welpenschutz, dann hatten sie eine Riesen-Erfolgsserie – und jetzt haben sie zweimal ein Derby verloren. Jetzt merken sie zum ersten Mal, was es heißt, bei 1860 ein Derby zu verlieren, oder vielleicht zwei."

TSV 1860 – zwischen Regionalliga und Champions League

... die große Aufmerksamkeit: "Wir spielen zwar in der Regionalliga, aber haben eine Aufmerksamkeit wie in der Champions League. Für mich ist es als Trainer dahingehend anstrengend, weil wir gefühlt der FC Bayern der Regionalliga sind. Auswärts herrscht immer Volksfeststimmung, jeder will sich gegen uns beweisen und sagt sich: 'Jetzt zeigen wir es den Sechzgern' – das macht es für uns schwer."

... Sechzig in den Medien: "Wir haben vier Tageszeitungen, in jeder steht eine ganze Seite über 1860. Das ist eine Riesenherausforderung für mich, mit den Jungs den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Ich respektiere die Medien, sie gehen absolut korrekt mit uns und den jungen Spielern um."

... seine Arbeitseinstellung als Trainer: "An oberster Stelle steht der Verein. Keiner soll sich da zu wichtig nehmen, das mache ich auch nicht. Ich habe zu meinen Spieler gesagt: Wir müssen für den Verein das Maximale herausholen. Es waren vor mir Trainer da, es werden auch nach mir Trainer da sein. Wir sind alle nur temporäre Erscheinungen. Ich würde unglaublich gerne aufsteigen für den Verein."

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