Beleidigtes Nachtreten vom 1860-Boss? Klausel spielt Rolle bei Lippmann-Aus

Spieler kommen, Spieler gehen. Fußball-Profis ziehen auf dem Weg in höhere Ligen mehr oder weniger gerne oder schweren Herzens weiter, manchmal scheinen sie dagegen fast zu flüchten.
Vereine trauern ihnen manchmal mehr oder weniger hinterher, doch zumeist ist man in der Öffentlichkeit bemüht, eine einvernehmliche oder zumindest ordentliche Trennung hinzukriegen. Im Falle von Junglöwe Clemens Lippmann und dem TSV 1860 verhält es sich, sagen wir, speziell.
Paula über Lippmann: "Nie so diese Beziehung, diese Affinität zum Verein aufgebaut"
"Clemens Lippmann ist ein Spieler, der erst in der U19 zu uns kam und hat da einen guten Weg gemacht", erklärte Manfred Paula, Geschäftsführer des TSV 1860, am Rande des 0:0-Remis am Samstag im Auswärtsspiel beim 1. FC Saarbrücken bei Magentasport über den Abgang des 19-jährigen, der sich nach AZ-Informationen seit der Winterpause herauskristallisiert hatte.
Und dann tätigte Paula eine ungewöhnliche Aussage über das 1860-Aus Lippmanns, die überrascht und dem gebürtigen Münchner wohl auch nicht gerecht wird: " Wir hatten das Gefühl, dass er in den zweieinhalb Jahren allerdings nie so diese Beziehung, diese Affinität zum Verein aufgebaut", so Paula: "Er hat sich mit seinen Beratern jetzt entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Deswegen sind wir in den Gesprächen nicht zueinander gekommen. Wir wünschen ihm alles Gute." San mia da etwa beleidigt, Herr Paula?
Vertragsverlängerung scheiterte auch an gewünschter Ausstiegsklausel
Fakt ist, dass die Sechzger den jungen Mann, der im Sommer 2023 aus der U19 des FC Deisenhofen und damit ein Jahr vor seinem jüngeren Bruder Xaver Lippmann (17) vom selben Verein an die Grünwalder Straße gewechselt ist, weiter an sich binden wollten – und von Spieler und Beraterseite einen Korb bekommen haben. Zum Nachteil von 1860, aber auch nicht außergewöhnlich in diesem Geschäft. War der Löwe zu spät dran?

Dumm für die Blauen ist an dieser vermaledeiten Angelegenheit aber eine ganze Reihe von Begleitumständen: Nach AZ-Infos war in der Winterpause noch eine Vertragsverlängerung möglich, soll aber unter anderem an einer von der Spielerseite gewünschten Ausstiegsklausel gescheitert sein. Daher geht Lippmann, dessen Vertrag Ende Juni ausläuft, ablösefrei und wird wohl bei Zweitligist SC Paderborn landen, der gute Aufstiegschancen in die Bundesliga hat. Ex-Löwe Marius Wörl lässt grüßen.
1860 bekommt für Lippmann lediglich eine Ausbildungsentschädigung
Ein Ärgernis für Paula und Vereinspräsident Gernot Mang ist der Lippmann-Verlust auch, weil man sich einem neuen Weg der verstärkten Nachwuchsförderung verschrieben hat. Ein Weg, der sich neben einer erhöhten Produktion von talentierten Jungprofis auch in höheren Einnahmen widerspiegeln soll – und zwar nicht nur im DFB-Nachwuchsfördertopf, den auch Lippmann durch insgesamt 24 Saison-Einsätze fleißig befüllen durfte, sondern auch durch Ablösesummen. Für Lippmann wird nun lediglich eine Ausbildungsentschädigung fließen, eine Summe im mittleren fünfstelligen Bereich.
Dahinter steckt auch, dass Mang und Paula nach dem einmal mehr zerplatzten Aufstiegstraum gute Nachrichten brauchen auf Giesings Höhen, um der Enttäuschung entgegenzuwirken, die sich nach der enormen Euphorie um die Rückkehr von Kevin Volland und Florian Niederlechner breit machte. Der Fall Lippmann taugt dazu sicher nicht.
Dessen Abgang zeigt vielmehr: Manche Mechanismen des Profifußballs lassen sich nicht ausschalten – und gewiss nicht der nachvollziehbare Traum eines jungen Spielers, einen (ganz persönlichen) Aufstieg hinzulegen.