Beer: "Keiner weiß, was der Investor eigentlich will"

Roman Beer, Chef der „Freunde des Sechz’ger Stadions”, arbeitet nun auch für Pro1860. Das hält er von Boss Schneider und Ismaik, darum geht er nicht mehr in die Arena
| Interview: Marco Plein
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Roman Beer, der Autor des Buchs "Kultstätte an der Grünwalder Straße", ist jetzt auch im Vorstand von Pro 1860 aktiv
Sofianos Wagner Roman Beer, der Autor des Buchs "Kultstätte an der Grünwalder Straße", ist jetzt auch im Vorstand von Pro 1860 aktiv

Roman Beer, der Chef der „Freunde des Sechz’ger Stadions”, arbeitet nun auch für Pro 1860. Hier erklärt er, was er von Boss Schneider und Ismaik hält – und warum er nicht mehr in die Arena geht

AZ: Roman Beer, nach vielen Jahren als Vorsitzender der „Freunde des Sechz’ger Stadions” sind Sie seit kurzem auch im Vorstand der Löwen-Faninitiative Pro1860 aktiv. Wie kam’s zu dem Schritt?

ROMAN BEER: Erstens wollte ich mal damit aufräumen, dass mein Name oft nur in Verbindung mit der Stadionfrage steht, die sich für mich nach den Entwicklungen dieses Jahres nicht mehr stellt. Ich habe mich zudem schon lange mit anderen Themen bezüglich 1860 auseinandergesetzt, saß zum Beispiel zwei Jahre in der Satzungskommission des Vereins. Jetzt hatte sich ein Umbruch bei Pro1860 ergeben. Einige waren etwas amtsmüde, nachdem das Engagement der letzten Jahre selten entsprechend gewürdigt wurde und ja auch nicht immer von Erfolg gekrönt war.

Was genau haben Sie denn vor?

Seit einem halben Jahr ist es etwas ruhig um Pro1860 geworden, seitdem der Investor da ist, ist man in einer Art Findungsphase. Zu allem, was mit der KGaA zu tun hat, hat man sich kaum noch geäußert. Das hat damit zu tun, dass immer noch keiner so richtig weiß, was der Investor eigentlich will. Es gibt ja im Grunde nur drei mögliche Beweggründe: Erstens den klassischen Mäzen, so wie Dietmar Hopp einer ist. Dann denjenigen, der tatsächlich Geld verdienen will. Das wäre aber bei 1860 mehr als nur blauäugig. Und drittens den, der über Fußball Zugang zu anderen Bereichen bekommen will, beispielsweise Kontakte knüpfen möchte. Doch niemand weiß, was Herrn Ismaik wirklich antreibt.

Sie wollen im Sinne von Pro1860 also offene Fragen beantworten?

Ja, es geht darum, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen. Die Leute gieren nach Kenntnis über die Situation, kaum einer weiß, was er noch denken oder glauben soll. Das sollte sich dringend ändern. Sonst bekommen wir immer größere Identifikationsprobleme. Es gibt doch jetzt schon so viele Leute, die sagen: Das ist nicht mehr mein Verein, da fehlt jeglicher positiver Ansatz zur Unterstützung.

Was haben Sie sich neben dieser Aufklärerrolle noch vorgenommen?

Mir geht’s auch um eine dringend benötigte Demokratisierung des Vereins. Ich kann mich noch gut an ein Zitat von OB Ude erinnern, der mal sagte, sobald Karl-Heinz Wildmoser nicht mehr das Sagen bei den Löwen hat, muss die Satzung endlich wieder demokratische Strukturen bekommen. Passiert ist aber gar nichts. Zum Beispiel ist es heute immer noch möglich, dass sich Gremien in bestimmten Wahlprozessen über zwei Ecken selbst wählen. Nun bestimmt auch noch ein Investor maßgeblich mit. Da fragt man sich doch schnell, was hat man als Mitglied heute überhaupt noch zu melden?

Aktuell werden diverse Meinungsverschiedenheiten zwischen Präsident Dieter Schneider und dem Investor diskutiert. Wie stehen Sie dem gegenüber?

Generell, und das kann ich in diesem Fall stellvertretend für Pro1860 sagen, bin ich an einem starken Verein interessiert. Ich habe den Einstieg des Investors von Anfang an sehr kritisch betrachtet. Doch die Mehrheit der Fans hat dies begrüßt und ich akzeptiere diese Meinung. Aber das heißt nicht, dass ich heute anders darüber denke. Ich persönlich hätte eine große Chance in einer Insolvenz gesehen. Am Beispiel von Rot-Weiß Essen sieht man, welch positive Folgen solch ein Schritt haben kann. Die sind jetzt schuldenfrei und bauen nach dem Neustart ein neues Stadion. Wie sehr die Leute auch bei uns nach ehrlichem Fußball lechzen, sieht man ja auch daran, dass schon jetzt um die 300 Leute zu den neuen, unter dem Dach des e.V. angesiedelten Amateurmannschaften 1860 III und IV kommen. Da wächst eine Fanszene, ich bin selbst gerne vor Ort. In der Arena war ich in der Hinrunde kein einziges Mal, ich sehe darin einfach keinen Anreiz mehr. Im Vorstand von Pro 1860 bilden wir allerdings die gesamte Bandbreite der Fanszene ab, der neue 1. Vorsitzende Herbert Bergmaier ist beispielsweise bei fast jedem Spiel in der Arena.

Bei 1860 soll nun investiert werden. Nur weiß man nicht genau wie. Präsident Schneider will den Verein auf keinen Fall neu verschulden.

Das ist auch gut so. Die ganze Investorengeschichte hat er sich wohl anders und leichter vorgestellt. Er ist ein Mann der alten Schule, er dachte, ein Handschlag gilt. Aber in einer globalisierten Welt gelten andere Gesetze. Er ist sicher nicht unschuldig an dem Dilemma, aber gleichzeitig der Leidtragende. Daher darf er nicht jammern. Ich bewundere ihn aber und finde gut, wie er das durchhält. Andere wären unter dem Druck der Gegenseite längst eingeknickt.

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