Beendet der neue Oberlöwe den Komödienstadl?

Nach der Wahl von Gerhard Mayrhofer: Die AZ hat sich im Lager der Befürworter und Gegner des Löwen-Bosses umgehört.
| Marc Merten
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Hoff auf ein Ende des Komödienstadels: 1860-Präsident Mayrhofer.
Rauchensteiner/Augenklick Hoff auf ein Ende des Komödienstadels: 1860-Präsident Mayrhofer.

München - Die eine Seite spricht von einem „Schlussstrich“, die andere Seite sagt, „die Zeit des Raushaltens ist vorbei“: Beim TSV 1860 geht auch nach der Wahl von Gerhard Mayrhofer zum Präsidenten das Schmierentheater munter weiter.

Mitnichten scheint sich Mayrhofers Wunsch zu erfüllen, durch die Beschlüsse der Delegiertenversammlung in Taufkirchen Ruhe in den Verein zu bekommen. Zwar wird der Verein noch diese Woche das Protokoll der Sitzung von einem Notar beglaubigen lassen und an das zuständige Amtsgericht weiterleiten. Eine Eintragung des neuen Präsidiums und der neuen Satzung ins Vereinsregister wollen der klagefreudige Helmut Kirmaier und dessen Anwalt Heinz Veauthier aber verhindern. Und auch Ex-Vizepräsident Erich Meidert hat noch lange nicht genug – im Gegenteil.

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Die Pro-Mayrhofer-Fraktion setzt auf geschaffene Tatsachen, die Contra-Mayrhofer-Fraktion auf markige Worte. Die AZ hat sich in beiden Lagern umgehört und fasst die Aussagen zusammen:

Siegfried Schneider ist qua Amt ein Mayrhofer-Unterstützer. Der Verwaltungsrats-Vorsitzende sprach am Tag nach der Wahl vom „Willen der Delegierten, einen Schlussstrich unter das Thema zu setzen“. Das Präsidium sei nun „bestätigt“, der Klub habe „Planungssicherheit“, die handelnden Personen hätten alle Vorgaben des Gerichts mit der Durchführung der Delegiertenversammlung erfüllt. „Damit konnten wir die ursprüngliche Problematik aus dem Weg schaffen.“

Das fand Markus Rejek, Geschäftsführer der Profi-Abteilung, naturgemäß auch. Rejekt nannte das „demokratisch“ zustande gekommene Ergebnis „für den gesamten Verein einen wichtigen und notwendigen Moment. Der formale Fehler, der juristisch beklagt wurde, ist geheilt. Der TSV 1860 braucht Ruhe und vor allem Kontinuität. Nur so können wir gemeinsam an einer erfolgreichen Zukunft des Vereins arbeiten.“ Jetzt könne sich jeder „endlich wieder auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist“.

Mayrhofer:

Der Ober-Löwe selbst, Gerhard Mayrhofer, erklärte: „Die Herren, die den Verein in den letzten Monaten blockieren wollten, müssen erkennen, dass die Mitglieder einen anderen Verein wollen. Erich Meidert war einer der Initiatoren dieses ganzen Spiels. Und ich freue mich, wenn mit Meiderts Auftritt am Dienstag das Komödienstadl zu Ende gegangen ist. Meidert ist der alte TSV 1860, wir sind der neue TSV 1860.“

Das sah Erich Meidert wenig überraschend vollkommen anders. „Wie diese Versammlung durchgeführt wurde, da wird mir angst und bange“, sagte der ehemalige Löwen-Vize. Er kritisierte, dass – wie schon bei der unheilvollen Delegiertenversammlung im April 2013 – das alte Präsidium um Dieter Schneider nicht entlastet worden sei. „Das ist Steinzeit-Juristerei. Warum wird Dieter Schneider tot geschwiegen? Jeder Kaninchenzüchterverein muss seinen alten Vorstand entlasten, bevor ein neuer gewählt wird. Das ist vorgeschrieben. Aber bei Sechzig wird der Punkt einfach ignoriert. Wenn ich sehe, wie dilettantisch das abgelaufen ist, kann ich das nicht mehr hinnehmen. Die Zeit des Raushaltens ist vorbei.“

Dieter Schneider selbst wollte sich, wie immer, nicht äußern. Nur so viel: „Ich habe die Versammlung nicht verfolgt. Mir war sie nicht so wichtig, als dass ich meine Termine danach ausgerichtet hätte. Deswegen möchte ich auch nicht mehr dazu sagen.“

Nicht so wichtig, also? Das zu sagen wäre einem der Hauptdarsteller der Sechzig-Tragikomödie, Helmut Kirmaier, nicht in den Sinn gekommen: Er bestätigte, dass sein Anwalt dem Amtsgericht schon mitgeteilt hätte, „dass wir gegen die Beschlüsse vorgehen werden“. Kirmaier setzt darauf, so die Eintragung Mayrhofers ins Vereinsregister zumindest vorübergehend zu stoppen. Stoppen will er auch seinen eigenen Ausschluss aus dem Verein. Denn auf diese Weise, sagte Kirmaier, wolle ihn der Verein mundtot machen. „Sie wollen denjenigen loswerden, der ihnen ihre Fehler aufzeigt. Das hat was von einer Diktatur.“

Die Pro-Mayrhofer-Fraktion sprach also von Demokratie, die Contra-Mayrhofer-Fraktion von Diktatur. Wie steht Sechzig nach der Wahl also? Am Ende hat wohl doch ein Insider Recht, der namentlich nicht genannt werden wollte: „Die Delegierten wollten kein Chaos auslösen. Aber viele sind mit ihrem Präsidenten nicht zufrieden. Mayrhofer muss aufpassen. Er muss jetzt arbeiten und zeigen, dass er verstanden hat, dass er Präsident des gesamten Vereins ist. Er muss mit allen Leuten reden. Egal, ob sie Recht haben oder nicht, er muss mit ihnen reden und ihre Meinung respektieren.“

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