Banner, Plakate, Farb-Attacken: Die größten Provokationen zwischen den Bayern- und Sechzig-Fans

Am Sonntag wird's mal wieder richtig hitzig auf Giesings Höhen! Um 14 Uhr trifft der TSV 1860 im Grünwalder Stadion im kleinen Münchner Derby auf den FC Bayern II. Für beide Teams ist es das erste Aufeinandertreffen seit Mai 2021. Auch wenn die Rivalität auf dem Platz in den vergangenen fünfeinhalb Jahren ruhte, sorgten die Anhänger der beiden verfeindeten Fanlager neben dem grünen Rasen mit Streichen und sonstigen Scharmützeln regelmäßig für Schlagzeilen. Die AZ blickt zurück:
Sechzigs Banner-Coup bei Bayerns Meisterfeier
Der bislang letzte große Streich liegt noch gar nicht so lange zurück – und sorgte im blauen Lager für jede Menge Schadenfreude. Im Mai dieses Jahres mischten sich Löwen-Anhänger bei der Meisterfeier des FC Bayern unter die feiernde Menge und enthüllten ein vermeintliches FCB-Banner, welches schließlich von den Fans schließlich über ihren Köpfen über den Marienplatz getragen wurde.
Was die Anhänger der Roten aus ihrer Perspektive nicht sehen konnten: Auf dem Banner war nicht etwa der Schriftzug "FC Bayern", sondern "FC Bauern Hurensöhne" zu sehen. Zudem war in den Rauten des Logos noch die Zahl 1860 geschrieben – die Aktion ging also ganz klar auf das Konto der Blauen. Vom Rathausbalkon aus konnten Spieler und Verantwortliche erkennen, dass es sich dabei also um einen Streich des Rivalen handelte.

"Ach könnt ihr mal kurz bitte die Plane da draußen mal kurz einholen, weil ihr seht ja nix drunter", meinte Stadionsprecher Stephan Lehmann, der das Banner als einer der Ersten bemerkte: "Macht doch die mal bitte zusammen. Nicht weiterreichen bitte, wir wollen ja, dass alle was sehen hier. Tut sie bitte kurz zusammen, danke schön."
Ski-Löwe Linus Straßer freute sich im Gespräch mit der AZ kurze Zeit später über den Husarenstreich seiner Vereinskollegen: "Allerhöchsten Respekt für die Löwen-Fans!"
Bayern-Fans sorgen für "schlimmste Provokation, die es je gegeben hat" – gleich zwei Mal
Es war ein kalter Februar-Morgen im Jahre 2008, da sah Giesing, dieser tiefblaueste aller Münchner Stadtteile, plötzlich knallrot: Kurz vor dem Derby zwischen dem FC Bayern und 1860 im DFB-Pokal – es ist bis heute die letzte Ausgabe des "großen" Stadtderbys – verschafften sich FCB-Anhänger in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Zutritt zum Grünwalder Stadion und bemalten die Westkurve in rot und weiß, dazu gab es den Schriftzug "FC Bayern". Ausgerechnet die Fans des verhassten Rivalen wagten es also, den heiligen Boden, das Mekka so vieler Löwen-Fans, in ihren Farben zu bemalen. "Das ist die schlimmste Provokation, die es je gegeben hat", sagte der damalige Vizepräsident Karsten Wettberg seinerzeit fassungslos.

Nun, eben jene Provokation sollte sich ein Jahrzehnt später tatsächlich wiederholen. Vor Anpfiff des Regionalliga-Derbys zwischen dem FC Bayern II und 1860 bemalten die Roten die Westkurve erneut in ihren Farben. Da die Bayern seinerzeit als Heimmannschaft geführt wurden, standen die Anhänger des Rekordmeisters damals in dem Block, der eigentlich das Wohnzimmer der Blauen darstellt.
Vor Beginn der Partie zogen sie als Sichtschutz eine große Blockfahne hoch und besprühten die Stufen in rot und weiß. Etwa fünf Minuten später ließen sie die Fahne wieder herunter, die Fans gingen aus dem rund 20 Quadratmeter großen, bemalten Bereich heraus und präsentierten den Löwen-Anhängern so die rot-weiß besprühten Stufen.
Hinzu kam noch ein großes Spruchband in der Stehhalle, auf dem "Dem Stadtmeister zur Ehr' erstrahlt unsere Kampfbahn im Rot-Weissen Fahnenmeer" stand. Bei den Bayern-Ultras ist das Grünwalder Stadion vor allem als "Hermann-Gerland-Kampfbahn" bekannt. Ein Coup, der in beiden Fanlagern bis heute unvergessen ist!
1860-Fans dringen in Bayern-Revier ein – und hinterlassen unübersehbare Spuren
Auch sonst sorgen die Anhänger beider Klubs immer wieder mit kleineren Streichen und Scharmützeln für Provokation. Ein beliebter Schauplatz ist dabei regelmäßig der Bereich rund ums Trainingsgelände der Bayern an der Säbener Straße. Im November 2025 etwa besprühten 1860-Fans Mauern nahe dem Bayern-Trainingsgelände an der Säbener Straße mit weiß-blauem Graffiti.
"1860! In München-Giasing sind wir daheim. Die Stadt ist blau. So wird es immer sein", hieß es unter anderem. Im März 2026 überklebten Sympathisanten der Blauen schließlich Plakate zur Kommunalwahl mit dem Bild eines Löwen und dem Schriftzug: "Wir sagen JA zur Stadtbild Verschönerung – a echter Münchner is oiwei a Sechzger". In München sollen insgesamt rund 1860 solcher Plakate platziert gewesen sein. Eines davon demonstrativ vor der Geschäftsstelle des FC Bayern.

Auch im sonstigen Stadtgebiet nutzen die Anhänger beider Lager gerne die Möglichkeit, ihre Abneigung gegen den Rivalen zur Schau zu stellen – sei es mit übersprühten Graffiti oder eher unfreundlichen Grußbotschaften. So ließen es sich die Löwen etwa nicht nehmen, den "Seitenstraßlern" im vergangenen Jahr auf ihre ganz eigene Weise zum 125. Vereinsjubiläum zu "gratulieren". Anfang März brachten sie am leerstehenden Kaufhof am Stachus ein riesiges Banner an. Die Aufschrift: "125 Jahre Red Bastards – München ist blau!"
Vor Derby am Sonntag: Bayern-Schmierfinken an Autobahnbrücke erwischt
Und auch im Vorfeld des Derbys am Sonntag hat die Rivalität natürlich wieder an Fahrt aufgenommen. In der Nacht auf Dienstag sind vier junge Bayern-Fans dabei erwischt worden, wie sie das Geländer einer Betonbrücke über die A8 in Ramersdorf-Perlach über rund 30 Meter Länge mit roter und weißer Farbe beschmiert haben. Ein Zeuge, der die Schmierfinken beobachtet hatte, hatte daraufhin die Polizei informiert.
Bei Eintreffen der Beamten flüchteten die vier Verdächtigen zu Fuß in Richtung Peralohstraße in ein Wohngebiet. Im Rahmen der Fahndung wurden drei junge Münchner von der Polizei entdeckt und festgenommen. Der vierte Flüchtige wollte sich verstecken, wurde aber mit einer Dronhen aufgespürt.
Die Verdächtigen hatten unter anderem Spraydosen, Sticker, Mundschutzmasken sowie Fanschals des FC Bayern dabei. Zudem wurden laut Polizei im Tatortumfeld Farbroller und mehrere Eimer mit roter und weißer Farbe gefunden und sichergestellt. Darüber hinaus stand ein geparkter VW in der Nähe, der einem der verdächtigen Männer gehört. In dem Auto lagen weitere Spraydosen. In diesem Falle ging die Aktion also nach hinten los.
Ob die Reihe an gegenseitigen Provokationen im Rahmen des neuerlichen Derbys am Sonntag weiter fortgesetzt wird, wird sich zeigen. Ihre Kreativität haben beide Fanlager in der Vergangenheit jedenfalls zur Genüge unter Beweis gestellt...