AZ-Info: Vertragsverhandlungen auf Eis – verliert 1860 seinen genialen Strippenzieher?
Im Vollbesitz seiner Kräfte sah man ihn wirbeln, maßgeschneiderte Standards und Flanken für seine Kollegen servieren, das ein oder andere Traumtor selbst schießen: Man erinnere sich nur an einen Treffer fast von der Mittellinie gegen Borussia Dortmund II oder ein Traumtor zum Derbysieg gegen die SpVgg Unterhaching (jeweils 2:1), beides in der Saison 2025/25.
In den vergangenen und Monaten sah man ihn auf der Tribüne des Grünwalder Stadions mit seinen Löwen mitfiebern, leiden und zuletzt wieder jubeln. Sieht man ihn bald gar nicht mehr auf Giesing Höhen?
Die Rede ist von Tunay Deniz, Spielmacher des TSV 1860, der sich eine der schlimmsten Sportverletzungen zugezogen hat: Diagnose Kreuzbandriss, mindestens sechs Monate Zwangspause, obwohl ja eigentlich "nur" dieses fiese, das Knie stabilisierende Bändchen nicht mehr hält. Nach AZ-Informationen würde Deniz gerne bei Sechzig bleiben, die Vertragsverhandlungen mit den Löwen liegen derzeit aber auf Eis. Vieles deutet darauf hin, dass der TSV – im Falle des Nichtaufstieges – unter anderem bei dieser Personalie schmerzhafte Konsequenzen erleiden muss.
Verliert Sechzig seinen genialen Strippenzieher?
Droht 1860 der Verlust des Kreativ-Kopfes und damit einem Spieler der Gattung Schlitzohr, wie er durch seine Geniestreiche immer wieder unter Beweis gestellt hat?

Beim Blick auf die Statistiken des gebürtigen Berliners zeigt sich: Deniz hat in runden 50 Pflichtspielen mit dem Löwen auf der Brust zehn Tore und 15 Vorlagen beigesteuert, dazu gesellen sich noch eine ganze Reihe der ebenfalls wichtigen vorletzten oder drittletzten Pässe, bevor die Giesinger ihren Torjubel herausbrüllen konnten. In der laufenden Spielzeit hatte es noch zu vier Vorlagen bei zehn Einsätzen gereicht, wobei Ex-Trainer Patrick Glöckner nur teilweise auf Deniz’ Startelf-Dienste gesetzt hatte.
Erfolg auch ohne den Regisseur – wie viel Deniz braucht 1860?
Zur Wahrheit gehört aber auch: Aktuell funktioniert der TSV auch ohne den torgefährlichen Offensivspieler, den Ex-Coach Argirios Giannikis einst erfolgbringend zum Sechser umgeformt hatte, gut. Unter Cheftrainer Markus Kauczinski, der die Vorzüge des 32-Jährigen kaum kennt, hat der TSV jüngst die zweite Siegesserie von vier Dreiern in Folge hingelegt.
Dabei hat sich auf der Doppelsechs in den vergangenen Wochen bekanntlich das Duo um Kapitän Thore Jacobsen und Abräumer-Kollege Philipp Maier gesucht und gefunden, davor lief zumeist Kevin Volland auf.
Deniz dagegen war zwar noch bei den beiden klaren Siegen gegen die Tabellenführer MSV Duisburg (3:1) und Energie Cottbus (3:0) in Kauczinskis ersten Spielen im Oktober 2025 mit von der Partie und steuerte jeweils eine Vorlage bei, saß dazwischen bei der 1:3-Pleite bei Waldhof Mannheim eine Gelbsperre ab und zog sich danach seine schwere Verletzung zu.
Jugendoffensive statt Routiniers – das neue Konzept im Mittelfeld
Einzuordnen gilt es zudem, dass 1860 sich nicht zuletzt aus Sparzwängen, aber auch aus strategischen Gründen heraus wieder vermehrt der Jugendförderung verschrieben hat: Im defensiven Mittelfeld bieten sich die beiden blauen Rohdiamanten Damjan Dordan (23), der zuletzt beim 2:1 gegen Erzgebirge Aue eine gute Figur machte und der derzeit verletzte Samuel Althaus (20) an, weiter geschliffen zu werden. Beide sind hoffnungsvolle Talente, aber auch ganz andere Spielertypen wie der Deutsch-Türke.

Wie geht’s also weiter mit Deniz und Sechzig? Was die Vertragsverhandlungen und ein etwaiges Interesse anderer Vereine angeht, hat Deniz aktuell nicht die besten Karten in der Hand: Inwieweit der Kreativ-Kicker an seine alte Topform anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Kürzlich hatte er bei "Magentasport" erklärt, in seinem Reha-Plan zu gut unterwegs sein.
Ungewisse Zukunft zwischen Reha, Verträgen und Investoren-Fragezeichen
1860-Boss Manfred Paula hatte kürzlich im AZ-Interview aus durchaus nachvollziehbaren Gründen erklärt, weshalb sich die Verhandlungen hinziehen: "Wir planen aktuell zweigleisig und du kannst nicht alle Gespräche gleichzeitig führen, deshalb ist noch etwas Geduld gefragt." Paula sei aber "überhaupt nicht bange, was die Kaderzusammenstellung für die Saison 2026/27" betreffe. Könnte einem aber werden, falls Investor Hasan Ismaik, der sich aktuell zurückgezogen hat und seine Anteile verkaufen will, seine Geldschatulle ebenso wenig aufmacht wie ein möglicher neuer Investor.
Deniz ist angesichts von insgesamt 16 auslaufenden Verträgen also nicht der einzige Spieler, der einen langen Atem haben muss.


