Außenseiter? 1860-Trainer Kauczinski warnt eindringlich vor Aachen
Stark verletzungsgeschwächt gegen zwei Aufstiegsfavoriten? Da konnten sich die Sechzger noch in einer gewissen Außenseiter-Rolle gefallen und der Punkteteilung jeweils etwas Positives abgewinnen. Und jetzt?
Am Samstag kommt Alemannia Achen zum TSV 1860 auf Giesings Höhen, ab 14 Uhr kämpft die Mannschaft von Cheftrainer Markus Kauczinski gegen das Kellerkind (24 Punkte, Rang 15) nach den beiden Auftakt-Remis der Rückrunde gegen RW Essen und beim VfL Osnabrück wieder um einen Dreier. Sind alle guten Dinge endlich drei? Ein Pflichtsieg für 1860, das für seine Aufstiegsträume Siege braucht?
Aachen, Stuttgart, Havelse: Kauczinski sieht Sechzig nicht in der Favoritenrolle
Nicht für Coach Kauczinski. Der TSV-Trainer hätte kaum eindringlicher vor der Alemannia warnen können, als er es am Freitagmittag tat. Und dazu gleich noch vor dem VfB Stuttgart II und dem TSV Havelse, den nächsten angeblichen "Gmahden-Wiesn-Gegner" der Blauen, die allesamt hinter Sechzig rangieren.
"Alle Rechnungen, alle Vorausrechnungen sind Quatsch. Damit beschäftigen wir uns nicht", stellte der 55-Jährige klar und attestierte dem Samstags-Kontrahenten Aachen "eine Mannschaft, die Tempo hat, sehr variabel ist und uns vor große Aufgaben stellen wird." Ein Selbstläufer? Weit gefehlt.
Deshalb spielt Kauczinski sogar öffentlich mit dem Gedanken, seine Geheimwaffe zu nominieren: Sigurd Haugen. Ja, richtig gelesen: Sechzigs Top-Torjäger (sieben Saisontore), der nach seinem Kieferbruch Mitte Dezember erst unter der Woche mit einer Spezialmaske sein Trainings-Comeback feierte.
"Ich weiß es noch nicht, es ist noch nicht entschieden", sagte Kauczinski auf die Kader-Frage mit Verweis auf Haugens Trainingsrückstand, seine Einschränkungen und ein gewisses Risiko: "Man muss sich gut überlegen, ob man etwas Verrücktes macht, oder eben nicht." Ob der 55-Jährige damit auch etwas Unsicherheit beim Gegner stiften wollte?
Kauczinski will von einer Favoritenrolle nichts wissen
Nicht verrückt, eher taktisch clever: Kauczinski redete lieber gleich noch den Gegner stark, er wollte von vermeintlich übermächtigen Löwen nichts wissen. "Wir haben gegen den MSV Duisburg und Energie Cottbus gespielt, die haben sieben, acht Punkte mehr, aber das war nicht zu sehen. Davon wird auch gegen Aachen nichts zu sehen sein, die sieben, acht Punkte weniger haben."
Kauczinski, der die Drittliga-Spitzenreiter mit Sechzig beide besiegt hatte, halte "nullkommanull von diesem Favoritending, das habe ich der Mannschaft auch gesagt." Sechzig, der 0,0-Favorit.
Schon ein Fuchs, dieser TSV-Trainer. Weiß Kauczinski doch ganz genau, dass Sechzig angesichts der ohnehin enormen Erwartungshaltung des Umfeldes nicht noch mehr Druck gebrauchen kann und in der Vergangenheit vor seiner Amtszeit nicht selten in vermeintlich einfachen Duellen gestolpert war.
Dazu kommt wohl auch, dass man Aachen mit arroganten Angriffsparolen nicht noch eine Extra-Portion Motivation verschaffen möchte. Von daher kann es eigentlich nur ein Fazit geben: "Es wird ein hartes Spiel - wie jedes Spiel in der Dritten Liga."
Sechzig will nach zwei Remis wieder einen Dreier einfahren
Was allerdings noch lange nicht heißt, dass der TSV das Aufeinandertreffen nicht dringend gewinnen müsste, denn: Wer aufsteigen will, im Vorfeld der Spielzeit zum Aufstiegsfavoriten gekürt worden ist und mit sechs Siegen, drei Remis und zwei Pleiten eine gute Heimbilanz aufweist (Rang vier), der sollte gegen ein abstiegsbedrohtes Team schon einen Dreier vor eigener Kulisse einfahren.
Den erhofften, aber nicht eingeplanten Heimerfolg will der TSV wohl in derselben Startbesetzung holen wie zuletzt die Achtungserfolge gegen RWE und in Osnabrück. Immerhin: Von der langen Verletztenliste wandern die beiden Routiniers Maximilian Wolfram und Morris Schröter: "Über den Spieltagskader verraten wir nichts, aber sie sind Kandidaten." Wobei da auch noch Haugen wäre.
Ob Kauczinski seinen zwar eingeschränkten, aber torgefährlichsten Kicker bringt?

