Aus dem Schneider?

Bis zum 13. Januar muss der TSV 1860 bei der DFL seine Liquidität nachweisen. Vizepräsident Dieter Dieter Schneider ist sich sicher, dass dies glückt –jedoch nur mittels neuer Kredite in Millionenhöhe.
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Geschäftsführer Robert Schäfer und Präsident Dieter Schneider
az Geschäftsführer Robert Schäfer und Präsident Dieter Schneider

Bis zum 13. Januar muss der TSV 1860 bei der DFL seine Liquidität nachweisen. Vizepräsident Dieter Dieter Schneider ist sich sicher, dass dies glückt –jedoch nur mittels neuer Kredite in Millionenhöhe.

MÜNCHEN Wäre er nicht so dünn und hätte er etwas weniger Haare – Dieter Schneider könnte getrost als Buddha durchgehen. So einen derart tiefenentspannten Verantwortlichen hat es beim TSV 1860 wohl noch nie gegeben.

5,3 Millionen Euro Liquidität müssen die Löwen bis nächsten Donnerstag bei der DFL nachweisen. Mehr als acht Millionen sind es bis zum Mai. Doch für den Schatzmeister ist das kein Grund, schlaflose Nächte zu bekommen. „Wenn man wenig schläft, dann schläft man die wenigen Stunden, die man hat, gut“, sagt Schneider.

Er scheint zu wissen, was er tut. Vor allem legt Schneider dabei einen solchen Optimismus an den Tag, dass er damit zunächst Geschäftsführer Robert Schäfer, Präsident Rainer Beeck und Aufsichtsratsboss Otto Steiner angesteckt hat – und nun auch die Partner und Darlehensgeber überzeugt zu haben scheint, dass die Rettung des TSV 1860 tatsächlich gelingen kann und wird.

Am Freitag berichtete Schäfer dem 1860-Aufsichtsrat über den aktuellen Stand der Rettungsbemühungen. Er hatte Positives zu verkünden: Mindestens eine Bank hat in den letzten Tagen dem Vernehmen nach ihre Kreditlinie nicht nur verlängert, sondern auch deutlich aufgestockt.

Als Fanal für die Aufstockung darf wohl auch die Ankündigung von Nicolai Schwarzer gelten. Der größte Einzelgläubiger der Löwen hatte am Dienstag erklärt, seine Darlehen und Investitionen nicht zurückzuziehen. „Ich bin mir meiner Verantwortung für den Verein und die Fans bewusst und ich wusste, dass mein Engagement mit maßgeblich ist für die Rettung und wollte meinen Teil dazu beitragen“, sagte er der AZ. Und weiter: „Ich habe die Verantwortlichen beim TSV 1860 – insbesondere Herrn Schäfer – als sehr seriösen, verlässlichen und sehr bemühten Gesprächspartner kennen gelernt. Ich halte den Sanierungsplan für schlüssig und umsetzbar. Ich hoffe und wünsche mir und dem TSV 1860, dass auch die anderen Partner und Darlehensgeber das so sehen.“

Am Ende läuft so eine Sanierung eines Wirtschaftsbetriebs wohl auch nicht anders als bei zwischenmenschlichen Beziehungen: Wo Vertrauen herrscht, kann über die nackten Fakten auch mal großzügig hinweg gesehen werden.

Die Löwen-Bosse - und Schwarzers Bekenntnis für 1860, scheinen auch bei den Banken für Vertrauen gesorgt haben.

Zusammen mit den aktuellen Einsparungen (der zehnprozentige Gehaltsverzicht, die gesparte Leihgebühr plus Gehalt für Moritz Leitner, die Verkleinerung des Kaders) und den rund zwei Millionen Euro, die die Löwen bereits im Oktober 2010 zusammengekratzt hatten, dürfte dies reichen, um die Bedingungen der DFL zu erfüllen.

Und das, obwohl das wichtige Gespräch mit dem FC Bayern über eine eventuelle Stundung der Stadionmiete und eine deutliche Verringerung der Konditionen noch aussteht. Dieses soll zwar nächste Woche stattfinden, doch akut angewiesen scheinen die Löwen auf die Hilfe des Lokalrivalen nicht zu sein – zumindest für die kurzfristige Rettung des Klubs.

Am Dienstag oder Mittwoch wollen die Löwen das Konvolut der Einsparungen und Investitionszusagen an die DFL nach Frankfurt schicken. „Wir werden die Unterlagen einreichen und stehen dann der DFL für ein persönliches Gespräch zur Verfügung", sagt Schneider, der vor allem „aus Aberglauben“ erst dann Vollzug verkünden möchte, wenn auch die DFL den Planungen ihren Segen erteilt hat.

Mehr als ein kleiner Etappensieg wäre dies für Schäfer, Schneider und die anderen Verantwortlichen freilich aber nicht. Der TSV 1860 wäre zwar kurzfristig gerettet, aber noch lange nicht saniert. Für die nun anstehende Rettung mussten die Löwen sich weiter verschulden. „Erst, wenn wir wieder einen operativen Gewinn einfahren, können wir anfangen, Schulden zu tilgen“, sagt Schneider, der sich bewusst ist, dass „die nächsten zwei, drei Jahre genau so intensiv sein werden wie die letzten Wochen“.

Und so wird der stets tiefenentspannte Schneider auch in Zukunft bis spät in die Nacht an der Grünwalder Straße sitzen und an der Sanierung arbeiten – und stets für Wurstsemmelnachschub sorgen. Das gehört, wie Kaffee und Zigaretten, zu seinen Ritualen. „Wir alle hier arbeiten hart. Und wenn ich weiß, dass die Kollegen noch lange arbeiten müssen, dann schaue ich noch einmal rein und bringe eine Wurstsemmel vorbei, und wir reden noch ein bisschen.“

F. Cataldo, R. Franke

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