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Auftakt des juristischen Endkampfes: Ismaik-Star-Anwalt schickt Forderungen an die Bosse des TSV 1860

Es ist der Auftakt eines juristischen Endkampfes beim TSV 1860: Nach exklusiven Informationen der AZ hat nicht nur Nicolai Walch einen Brief von Ismaik-Anwalt Peter Gauweiler erhalten.
von  Krischan Kaufmann, Matthias Eicher
Vertritt Investor Hasan Ismaik: Peter Gauweiler.
Vertritt Investor Hasan Ismaik: Peter Gauweiler. © IMAGO

Wie schmutzig wird die Scheidung zwischen Investor Hasan Ismaik und dem TSV 1860? Königsklasse hieß einst das große Ziel des Investors, 15 Jahre später lautet die Realität: Regionalliga. Längst ist das Giesinger Missverständnis der vergangenen Jahre zu einer Art Endspiel zwischen dem Jordanier und dem Stammverein der Sechzger eskaliert, das für beide Seiten destruktiv zu enden droht – und bei dem die HAM-Seite nun offenbar die nächste Runde eingeläutet hat.

Mang und Bay haben ebenfalls Mail von Gauweiler erhalten 

Auf Social Media postet Ex-Aufsichtsrat Nicolai Walch gerade ein Foto eines Briefes, den er von Ismaik-Anwalt Peter Gauweiler bekommen hat. Streitgegner ist in diesem Fall die Merchandising GmbH. Walch ruft offen zum Boykott der Ismaik-Firma auf. Dabei ist Walch längst nicht der einzige, der Post von Gauweiler bekommen hat.

Nach exklusiven AZ-Informationen sind auch bei Vereinsoberhaupt Gernot Mang und Ex-1860-Funktionär Karl-Christian Bay, dessen Rechtsanwalts- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft dem TSV beratend zur Seite steht,  Schreiben der von Ismaik beauftragten Kanzlei Gauweiler & Sauter eingegangen: Darin werden die am 3. Juni letztlich gescheiterten Verhandlungen über einen neuen Darlehensvertrag, die den Zwangsabstieg des TSV 1860 zur Folge hatte, in den Kontext einer Strategie des Muttervereins gerückt, nicht nur gesellschaftsrechtliche Pflichtverletzungen begangen zu haben, sondern der ausgegliederten Profifußballabteilung der Sechzger durch den Absturz in die Regionalliga gezielt sittenwidrig Schaden zugefügt zu haben.

Bekam eine Nachricht von Ismaik-Anwalt Peter Gauweiler: Christian Bay (rechts).
Bekam eine Nachricht von Ismaik-Anwalt Peter Gauweiler: Christian Bay (rechts). © IMAGO

Gauweiler: "Ich glaube, dass das Scheitern der Verhandlungen vorsätzlich war"

"Ich glaube, dass das Scheitern der Verhandlungen letzte Woche vorsätzlich war. Ich glaube, da ist ein Masterplan dahinter", hatte Gauweiler bereits vor drei Wochen öffentlichkeitswirksam erklärt: "Die Insolvenz in Kauf zu nehmen, in die Regionalliga abzusteigen, mit dem Gedanken: Damit schaffen wir es, dass wir die KGaA auflösen und Ismaik sind wir los."

Der Mutterverein hat dieser Darstellung der Ereignisse bereits vehement widersprochen und Oberlöwe Mang unter anderem bei seiner Rede auf der Mitgliederversammlung am 21. Juni im Zenith darauf hingewiesen, dass man Ismaik seinerseits einen Vertragsentwurf angeboten habe, der 90 Prozent seiner erhobenen Forderungen enthalten habe.

Ich glaube, dass das Scheitern der Verhandlungen letzte Woche vorsätzlich war. 

Peter Gauweiler

Urteil zu Ungunsten von Ismaik wohl nur Frage der Zeit 

Laut "SZ" ist zudem der Darstellung Ismaiks, der im Falle des eingereichten Widerspruches gegen die Nicht-Erteilung der Drittliga-Lizenz aufgrund einer verpassten Ausschlussfrist von vorneherein schlechte Karten besaß, in einem Antrag vom der DFB-Abteilungen Spielbetrieb und Lizenzverfahren an das DFB-Bundesgericht klar widersprochen worden. Obendrein sei der Vorwurf des umstrittenen Geldgebers in Richtung Mutterverein, die 50+1- Regel "missbräuchlich" gegen ihn einzusetzen, "in keiner Logik nachzuvollziehen" gewesen. Das Urteil zu Ungunsten Ismaiks ist voraussichtlich nur noch eine Frage der Zeit.

Der Ex-CSU-Staatsminister Gauweiler weist dennoch darauf hin, dass es den Vereinsbossen um Mang untersagt sei, den Spielbetrieb des Profiteams in eine neue Spielbetriebsgesellschaft umzupflanzen. Aktuell gibt es nur zwei Möglichkeiten: eine Fortführung der KGaA, wie sie Ismaik will, zuletzt allerdings keinerlei Bereitschaft gezeigt hat, diese vor der Insolvenz zu retten.

Präsident des TSV 1860: Gernot Mang.
Präsident des TSV 1860: Gernot Mang. © IMAGO

Verein dürfte keine Spielbetriebsgesellschaft auf die Beine stellen

Oder eben ein Neustart mit der nun offiziell neugegründeten Spielbetriebs GmbH (Geschäftsführer ist der ehemalige Vize-Abteilungsleiter Thomas Probst), auf den sich der e.V. inzwischen seit Ismaiks Darlehenskündigung vorbereitet – oder laut Gauweilers Masterplan-Vermutung sogar schon länger. Gauweiler und Co. verweisen in diesem Kontext auf das eingeholte Kurz-Gutachten des renommierten Rechtswissenschaftlers Hans Christoph Grigoleit, dass das Spielrecht der Sechzger im Falle eines Insolvenzverfahrens der KGaA ein zentrales Element der Insolvenzmasse sei.

Zudem sei im Kooperationsvertrag, dessen Kündigung man als unwirksam erachtet, selbst im Insolvenzfall klar geregelt, dass der Verein keine neue Spielbetriebsgesellschaft auf die Beine stellen dürfe. In dem 2011 geschlossenen Vertrag, der der AZ vorliegt, heißt es: "Der TSV 1860 e. V. verpflichtet sich gegenüber der HAM rechtsverbindlich, unwiderruflich und bindend für die Dauer dieser Kooperation, dass (...) er keinesfalls selbst und/oder über einen Dritten (Ausnahme: KGaA) beim Fußballverband einen Antrag auf Erhalt einer Lizenz zur Teilnahme am Spielbetrieb an den Lizenzligen bzw. für in der Präambel, Seite 4 Ziff. 3 genannte Mannschaften für andere von den Fußballverbänden veranstaltete Ligen (ausdrücklich einschließlich der 3. Liga und der Regionalliga) beantragen wird, unabhängig vom weiteren Verlauf des gesellschaftsrechtlichen Engagements der Parteien dieses Vertrages. Diese Verpflichtung des TSV 1860 e.V. gilt ausdrücklich auch bei einer Insolvenz der KGaA, der GmbH und den damit verbundenen Unternehmen."

Diese Verpflichtung des TSV 1860 e.V. gilt ausdrücklich auch bei einer Insolvenz der KGaA, der GmbH und den damit verbundenen Unternehmen.

Kooperationsvertrag

Gesellschafter sehen sich siegessicher 

Beide Gesellschafterseiten wähnen sich im Falle einer juristischen Auseinandersetzung offensichtlich siegessicher, doch sowohl Ismaik, als auch die Vereinsseite haben eine ganze Menge zu verlieren. Ob sich die Giesinger Gesellschafter nicht doch noch auf eine einvernehmliche Lösung zum Wohle des Vereins verständigen, um einen geordneten Neustart in der Regionalliga zu ermöglichen, anstelle sich in jahrelangen, teuren zermürbenden Auseinandersetzungen aufzureiben?

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