"Aufstiegs-Bonus" für Reinthaler? 1860-Trainer Kauczinski begründet den Stammplatz seines Abwehrchefs

Hat auch Markus Kauczinski seine Lieblinge, obwohl er stets das Leistungsprinzip predigt und mehrfach bewiesen hat, dass große Namen wie Florian Niederlechner, Patrick Hobsch oder Jesper Verlaat beim Cheftrainer des TSV 1860 ihm keinen Bonus haben? Wie ist es denn dann um Abwehrchef Max Reinthaler bestellt, den Kauczinski schon lange kennt?
In der Saison 2022/23 haben Kauczinski als Chefcoach und Reienthaler als Abwehr-Hüne mit dem SV Wehen Wiesbaden den Aufstieg in die Zweite Liga geschafft hat – über den kleinen, aber souveränen Umweg der Relegation gegen Arminia Bielefeld (4:0, 2:1). Ob dieser Sensations-Triumph nicht doch noch ein bisserl zusammenschweißt?

Gewiss, was das gemeinsame Erlebnis angeht, das weder der 56-jährige Gelsenkirchner aus dem Ruhrpott noch der 30-jährige Meraner aus Südtirol noch Spiel wohl je vergessen werden. Nicht aber, was das professionelle Verhältnis zwischen Trainer und Spieler anbelangt, wie Kauczinski klarstellt: "Es gibt keine Erbhöfe bei mir, auch wenn ich ihn schon trainiert habe. Er muss seine Leistung bringen, muss da sein, muss präsent sein und das hat er getan." Kein "Aufstiegs-Bonus" also für Reinthaler, sondern gerechtfertigtes Vertrauen durch überdurchschnittliche Leistungen.
"Bei Max war es so, dass eine Tür aufging und die hat er genutzt", erklärte der Übungsleiter des TSV 1860 über die Hereinnahme seines alten und neuen Schützlings, der eine schwerwiegende Muskelverletzung von Kapitän Jesper Verlaat vorausgegangen war. Dazu verletzten sich nacheinander auch Junglöwe Sean Dulic und der Österreicher Raphael Schifferl, die zuvor ebenfalls in der Innenverteidigung aufgelaufen waren.
"Er wurde gebraucht und hat gute Leistungen gebracht"
Und dann tat Reinthaler eben, was es in einer drittklassigen Fußballmannschaft zu tun gilt, wenn sie der Tabelle in Richtung Zweite Liga entfliehen möchte: gut verteidigen, seine defensive Dreierkette als Abwehrchef zu dirigieren – und schlicht erfolgreich zu sein: Mit Reinthaler als Abwehrboss hat 1860 gegen Ende der Hinserie die Erfolgsserie von vier Siegen in Folge hingelegt sowie in der Rückrunde die jüngste Ungeschlagen-Serie (fünf Siege am Stück plus das Unentschieden gegen den Ex-Verein Wehen Wiesbaden).
Oftmals heißt es ja im Profifußball, dass Spieler das Vertrauen ihres Coaches spüren müssten. Kauczinski dreht den Spieß um: "Mit diesem Vertrauen hab ich es nicht so, muss ich ehrlich sagen. Es sagen immer alle: 'Vertrau mir!' Und ich sage immer: Spiel du erstmal gut, dann kommt das Vertrauen von alleine!"

Anhand dieser Marschroute ging Kauczinski nochmal in die Tiefe, wie sich Reinthaler quasi bilderbuchhaft seinen Stammplatz geschnappt hat: "Er wurde gebraucht und hat gute Leistungen gebracht. Er hat auch nicht gesagt, gib mir drei, vier Spiele und dann bin ich da. Er hat sofort gezeigt, dass er da ist. Das ist das, was ich von einem Spieler erwarte. Und dann hat er auf Dauer auch gezeigt, dass er eine Abwehr auch dirigieren kann, dass er defensiv gut organisieren kann und dass er gut am Ball ist, was mir schon bekannt war."
Verlaat ist wieder fit, muss aber an Reinthaler vorbeikommen
Und was ist nun, wo Verlaat nicht nur wieder gesund, sondern langsam, aber sicher auch wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist und mit den Hufen scharrt? "Es gilt, was für jeden gilt", fängt Kauczinski an, um über sein Leistungsprinzip hinterher zu schieben, das Reinthaler aktuell mit konstant starken Leistungen umsetzt: "Solange das so ist und solange er das tut, gibt es auch nichts darüber nachzudenken."
Und zwar selbst dann nicht, wenn es der allseits sportlich wie menschlich geschätzte Mannschaftskapitän und Identifikationsfigur der Blauen ist, der da draußen auf der Bank schmort. Nicht, weil Reinthaler einen Bonus hat – sondern weil er schlicht und ergreifend von Woche zu Woche liefert.