Kauczinskis klare Linie: AZ erklärt die Aufstellungs-Arithmetik des 1860-Trainers

Mit klaren Prinzipien, konsequentem Leistungsdenken und mutigem Vertrauen in die Junglöwen hat Markus Kauczinski den TSV 1860 stabilisiert und zurück in die Spitzengruppe der 3. Liga geführt – und lässt die Giesinger wieder leise vom Aufstieg träumen.
von  Ruben Stark
1860-Trainer Markus Kauczinski (l., hier mit David Philipp), hat die Löwen mit klaren Prinzipien und konsequenten Entscheidungen wieder auf Kurs gebracht.
1860-Trainer Markus Kauczinski (l., hier mit David Philipp), hat die Löwen mit klaren Prinzipien und konsequenten Entscheidungen wieder auf Kurs gebracht. © IMAGO/Mladen Lackovic

Grundprinzipien sind die Basis, das Fundament seiner Aufstellungs-Arithmetik. Bei Löwen-Trainer Markus Kauczinski wird der Fußball nicht zur Raketenwissenschaft verklärt, sondern auf einfache und nachvollziehbare Formeln verdichtet. Das, so hat es nach fünf Monaten unter der Leitung des 56-Jährigen den Anschein, bekommt dem TSV 1860 sehr gut. Der Gelsenkirchner mit den Malochergenen setzt auf klare Leitplanken für die Spieler, auf Offenheit, auf Deutlichkeit. Jeder, das wird auch aus Mannschaftskreisen bestätigt, weiß, woran er ist.

Die AZ erklärt, wie Kauczinski es hingekriegt hat, dass die Giesinger vor der Endphase der Drittliga-Saison noch träumen dürfen.

Leistung steht (wieder) über allem

Bei Sechzigs Coach gilt das Leistungsprinzip. Top-Torschütze Sigurd Haugen ist gesetzt und nun sogar einzige Spitze im etwas angepassten Spielsystem. Das feste Duo in der defensiven Schaltzentrale heißt Thore Jacobsen und Philipp Maier auf der Doppelsechs, weil es das Vertrauen gerechtfertigt hat. Dazu waren etwa auf den Flügeln mehrere Wechsel zu beobachten (Clemens Lippmann, Kilian Jakob, Tim Danhof, David Philipp), wenn die von Kauczinski mehrfach zitierten Türen aufgehen ("Wenn sich ein Spieler anbietet, kann ich Türen aufmachen, durchgehen muss der Spieler selbst").

Max Reinthaler ist auch so ein Fall. Verletzungen ermöglichten ihm im Herbst seine Chance als neuer Abwehrchef, er nutzte sie bestens und ist trotz eines wiedergenesen und fitten Jesper Verlaat aus der Startelf nicht mehr wegzudenken.

Kauczinski sorgt für Verlässlichkeit

Die Taktik Kauczinski (zuerst 3-5-2 jetzt 3-4-2-1) ist eine weitere stimmige Variable – mit einer stabilen Defensive basierend auf einer kompakten Zentrale, Schienen-Power über die Flügel, Kevin Volland als Denker und Lenker sowie neben Torjäger Haugen oder als Element von der Bank viel Dynamik und Tempo (Philipp, Maximilian Wolfram, Justin Steinkötter) anstelle eines klassischen, aber etwas langsameren Strafraumstürmers (Patrick Hobsch, Florian Niederlechner). Kauczinski: "Das hat uns dorthin gebracht, wo wir jetzt sind. Wir stehen stabil und sind eine der besten Rückrundenmannschaften. Wenn wir in einen wilden Schlagabtausch mit Wehen Wiesbaden gehen, sehe ich, dass wir den Kürzeren ziehen." Lieber der Spatz – sprich das 0:0 – in der Hand als die Taube auf Dach.

Kauczinski steht für eine Verlässlichkeit im Team, die Vorgänger Patrick Glöckner fehlte. Taktische Anpassungen wirkten unter ihm improvisiert und nicht ausreichend durchdacht, die Mannschaft reagierte zunehmend verunsichert und fahrig. Das Ergebnis war der Trainerwechsel, der sich längst ausgezahlt hat.

Große Namen garantieren keinen Stammplatz

Auch an Prinzipien wie das "Never change a winning team", hält sich Kauczinski zumeist. Ausnahmen bestätigen die Regel (wie ein schief gegangenes Experiment beim 1:2 in Stuttgart II mit Maier in der Dreierkette), dazu garantieren für Sechzigs Verhältnisse große Namen keinen Platz in der Startelf (Niederlechner, Hobsch oder Verlaat). Bei Lasse Faßmann etwa wollte Kauczinski "auf den Flow setzen" und gab dem Junglöwen den Vorzug.

Reinthaler sagte zuletzt im AZ-Interview: "Kein Spieler kriegt einen Freifahrtschein, egal bei welcher personellen Entscheidung, das ist einfach klar. Wenn du nicht deine Leistung bringst oder wenn sie jemand anderes bringt, hast du keine Garantie."

Überhaupt, die Junglöwen, das ist noch Aspekt, der Kauczinskis Ansehen im Löwen-Kosmos steigen lässt. Der Coach hat den Mut, sowohl in der Startelf als auch bei Einwechslungen auf die Eigengewächse zu bauen, das führt zu  einem Extralob des Präsidenten Gernot Mang: "Das NLZ ist eine Herzkammer unseres Vereins. Wir haben im Herbst bewusst eine Entscheidung getroffen: Wir möchten noch mehr auf unsere Jugend setzen. Und da möchte ich Manfred Paula und Markus Kauczinski mit dem gesamten Trainerteam danken, dass sie das umsetzen, was wir uns immer wünschen."

Das sei der richtige Weg für den nachhaltigen Erfolg des Vereins – und es ist ein Faktor, der dazu beiträgt, dass die Rechnungen des Wahl-Karlsruhers oft aufgehen.

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