Auf Nimmerwiedersehen, Hasan Ismaik?

Der Giesinger Gipfel ist gescheitert: 1860-Investor Hasan Ismaik bricht die Verhandlungen mit dem Löwen-Präsidium ab, kündigt den Finanzplan vorzeitig auf – und will sich an die DFL wenden
| Filippo Cataldo, Max Wessing
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1860-Präsident Dieter Schneider schaut aus dem Fenster. Unten verschwindet der Investor. Abfahrt – für immer? Hasan Ismaik verabschiedet sich winkend am Trainingsgelände.
Maximilian Wessing 1860-Präsident Dieter Schneider schaut aus dem Fenster. Unten verschwindet der Investor. Abfahrt – für immer? Hasan Ismaik verabschiedet sich winkend am Trainingsgelände.

MÜNCHEN Da saß er nun auf dem Beifahrersitz des schwarzen Range Rover und steckte fest. Dabei wollte Hasan Ismaik einfach nur weg. Weg aus Giesing, weg von Dieter Schneider, weg von 1860.

Weil sich die Schranke des Parkplatzes am Vereinsgelände aber nicht öffnete, verzögerte sich die Abfahrt der arabischen Delegation. Ismaik ließ das Fenster herunter, „Oh, it's cold", sagte er, winkte noch mal, dann war er doch weg. Auf Nimmerwiedersehen?

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der 7. Januar 2013 als der Tag in die Geschichte des TSV 1860 eingehen, an dem die erste Ehe in Deutschland zwischen einem arabischen Investor und einem Fußballklub scheiterte. Mit einem schlichten „Ja" hatte Ismaik zuvor diese Frage beantwortet.

„Herr Ismaik hat das Gespräch auf seinen Wunsch und einseitig abgebrochen. Wir werden jetzt den Geschäftsführer bitten, die Pläne, wie es ohne weitere Investitionen von Herrn Ismaik weitergehen kann, zu konkretisieren", sagte Präsident Dieter Schneider später.

Vier Stunden, von 17 bis 21 Uhr, waren Ismaik, seine Repräsentanten und Familienangehörigen, Bruder Abdel Rahman, Cousin Noor Basha, Ismaiks früherer Berater Hamada Iraki, ein Anwalt und eine Dolmetscherin zusammengesessen mit Schneider, seinen Vizes Franz Maget („Ismaik hat sein Wort nicht gehalten“) und Wolfgang Hauner, Aufsichtsrat Siegfried Schneider und Geschäftsführer Robert Schäfer.

„Es war ein sehr lebhaftes Gespräch“, stellte Schneider ruhig und aufgeräumt fest. „Wir haben uns in keinem Punkt einigen können. Also hat Herr Ismaik die Gespräche abgebrochen.“ Schneider redete ruhig und sachlich über die Folgen. Welch ein Kontrast zur Stimmung, die der Investor zuvor vermittelt hatte.

Der hatte aufgewühlt gewirkt, seine Ausführungen hatten gerade mal aus drei Sätzen bestanden. „Very bad. I want to talk to the DFL. I can't work with this people", hatte er auf Englisch gesagt. Er könne nicht mit den Herren zusammenarbeiten und wolle jetzt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) einschalten.

Wozu? Drei Punkte wären es gewesen, die zum Bruch geführt hätten, so der Präsident, dessen Rücktritt Ismaik im Laufe des Tages mehrfach und unmissverständlich in Interviews gefordert hatte.

  • „Herr Ismaik hat den im Mai vereinbarten Dreijahresplan einseitig aufgekündigt", sagte Maget. „Er wird die in diesem Plan vereinbarten Gelder für die kommenden zwei Jahre nicht bezahlen", ergänzte Schneider.
  • „Bei den Gesprächen über eine offensivere Ausrichtung unserer Planungen konnte Ismaik uns auf unser Bitten hin keine Sicherung der Finanzierung darlegen, die im Einklang mit den Statuten der DFL stünden", sagte Schneider. Sprich: Ismaik, der sofort aufsteigen möchte und darum Sven-Göran Eriksson als Trainer installieren und weitere Spieler kaufen möchte, konnte den Vereinsverantwortlichen nicht schlüssig erklären, wie er dies finanzieren wolle, ohne den Klub in großem Maße zu verschulden.
  • „Er hat eine persönliche Einflussnahme auf Personalentscheidungen verlangt. Und das in einem Maße, die uns erhebliche Probleme bringen würden", sagte Schneider. Dabei sei es nicht nur um die „Empfangsdame" gegangen. 

Es ging also auch um Macht. Dass Ismaik in der Sitzung Schneiders Rücktritt gefordert hätte, verneinten die Löwen-Bosse zwar. Doch dass es dem Investor genau darum ging, hatte er ja mehrmals klar gemacht. Auch dies ist laut DFL-Statuten verboten.

Vor der Sitzung hatte Ismaik übrigens seine Forderungen auch damit begründet, weil die „allermeisten Fans hinter mir" stünden. Schneider hätte keinen Rückhalt mehr bei den Fans. Am Trainingsgelände empfangen worden war Ismaik dann aber von einer Handvoll Anhänger, die ihn auspfiffen und als „Hurensohn“ beschimpften. Doch dies wird wohl nur eine Randnotiz bleiben an diesem Abend. Viel wichtiger bleibt: Die Löwen stehen nach diesem 7. Januar 2013 vor einer ungewissen Zukunft.

 

 

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