Alles wie seit Jahren

Die Löwen haben auch im Pokal verloren – mit einem „Abwehrverhalten wie in der Oberliga“.Nervös wirken sie deshalb nicht – eher zufrieden. Und Lienen? Der will lieber Ruhe als Diskussionen.
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Zufrieden mit dem Test-Wochenende: Löwen-Trainer Ewald Lienen.
dpa Zufrieden mit dem Test-Wochenende: Löwen-Trainer Ewald Lienen.

Die Löwen haben auch im Pokal verloren – mit einem „Abwehrverhalten wie in der Oberliga“.Nervös wirken sie deshalb nicht – eher zufrieden. Und Lienen? Der will lieber Ruhe als Diskussionen.

MÜNCHEN Ewald Lienen hat einen Apfel mitgebracht zu seiner täglichen Plauderstunde am Löwenstüberl. Man kann nicht sagen, dass der Trainer unfassbar gute Laune hat an diesem Vormittag nach der 0:3-Schlappe gegen Schalke im Pokal. Aber richtig schlecht ist sie auch nicht, die Laune.

Wie immer hat Lienen lange trainiert, vor allem die Reservisten hat er rangenommen, am Sonntag steht schließlich schon das nächste Spiel an. Nun sitzt er auf der Bierbank, blinzelt wegen der Sonne etwas, poliert den Apfel an seiner blauen Trainingsjacke und sagt schließlich, dass er nichts zu sagen hat. „Es ist alles so wie gestern“, meint er.

Keine Neuigkeit, keine neue Erkenntnis, nichts. Eigentlich ist alles wie seit Jahren, auch unter Lienen hat sich nichts geändert. 1860 ist die Zahlenkombination für Stagnation.

Nur, dass sich dieses Mal - noch - keiner aufregt. Nicht die Fans, die nach der Niederlage am Mittwoch die Spieler freunlich mit Applaus verabschiedeten, nicht die Geschäftsführung.

Ach ja, was ist denn schon passiert? Die Löwen sind im Pokal gegen eine Bundesliga-Spitzenmannschaft ausgeschieden. So weit, so erwartbar. Die Sechzger waren chancenlos, nach der Partie waren sich die Löwen-Kicker darin einig, wenigstens alles gegeben zu haben.

Lienen widerspricht nicht. Weder nach dem Spiel noch jetzt. Auch Geschäftsführer Manfred Stoffers ist einigermaßen zufrieden mit dem Verlauf des Pokalspiels. „Mich hat gefreut, dass die Jungs nicht schändlich verloren haben und zumindest Kampfgeist gezeigt haben“, sagt er.

Zuletzt hat Stoffers kernige Botschaften auf Plakate und Flyer drucken lassen, zudem markige Vorworte fürs Stadionheft geschrieben. Nach der 2:3-Pleite in Frankfurt hat er verlauten lassen, dass sich sein Humor im Wachkoma befinden würde. „Der Humor ist wieder wachgeküsst“, sagt derselbe Stoffers, der mal den Aufstieg angepeilt hatte. Es herrscht eine seltsame Zufriedenheit an der Grünwalder Straße. Man belegt in der Zweitliga-Tabelle nur Rang 14, im Pokal sind sie raus, vom Aufstieg braucht keiner mehr reden. Und doch: Die Spieler kommen nach dem Training gut gelaunt aus der Kabine, der Trainer ist nicht unzufrieden, der Geschäftsführer hat wieder seinen Humor gefunden. Willkommen im Niemandsland.

Mittelfeldspieler Alexander Ludwig ist frohen Mutes, am Sonntag gegen Kaiserslautern zu gewinnen. Er schaut kurz zu Boden, sagt dann: „Wir spielen zu Hause. Und in der 2. Liga kann jeder jeden schlagen. Wir wollen gewinnen. Alles andere wäre ja Asche.“

Na gut. Immerhin erkennt er, dass er und seine Mitspieler immer wieder „ein Abwehrverhalten wie in der Oberliga“ an den Tag legen, das man dringend abstellen müsste. Das sieht auch Lienen so. „Wir bekommen völlig alberne Gegentore“, sagt er, meint aber gleich: „Diskutieren hilft jetzt ja nichts. Das bringt ja nichts.“ Dann beißt er in den Apfel. „Der Druck ist groß“, sagt Lienen ruhig. Sonderlich beunruhigt wirkt er nicht, weil: „Ich habe schon alles erlebt im Fußball.“ Sogar zwei Mal einen Aufstieg, damals in Duisburg und Köln. Entlassen wurde er schon ein halbes Dutzend Mal, aber das ist bei 1860 jetzt kein Thema.

Lienen redet gerne vom Ausland, in Griechenland hat man mal einen Stein durch die Windschutzscheibe eines Busses geworfen, der Stein traf ihn an der Brust. Diese und andere Geschichten erzählt er jetzt, der Rest des Apfels verschwindet nun mitsamt des Kerngehäuses in Lienens Mund. „Ruhe bewahren ist jetzt wichtig“, sagt er noch.

Filippo Cataldo

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