Alles für Sechzig gegeben: Steht der verletzte Vize-Kapitän Jacobsen jetzt mit nichts da?

Thore Jacobsen, der Vizekapitän des TSV 1860, verletzt sich im eigentlich letzten Spiel für die Löwen schwer und steht nun ohne Vertrag da – ein Horrorszenario für den Spieler. Führt eine Option zurück nach Giesing?
von  Matthias Eicher
Das bittere Ende seiner zwei Jahre beim TSV 1860 – oder? Thore Jacobsen (Mitte) wird nach seinem folgenschweren Crash mit Würzburgs Schlussmann vom Platz gebracht.
Das bittere Ende seiner zwei Jahre beim TSV 1860 – oder? Thore Jacobsen (Mitte) wird nach seinem folgenschweren Crash mit Würzburgs Schlussmann vom Platz gebracht. © IMAGO/Frank Scheuring

Es lief die 73. Spielminute des Duells zwischen den Würzburger Kickers und den Sechzgern, da trat Thore Jacobsen (29) beim Stande von 1:0 für den TSV die Flucht nach vorne an am Würzburger Dallenberg: Der Noch-Giesinger setzte einem langen Ball in die Spitze nach, wollte für die Vorentscheidung sorgen – und wurde von Ex-Löwen-Torhüter Johann Hipper ebenso unglücklich wie folgenschwer abgeräumt.

Der Vizekapitän der Löwen, der die Sechzger ohnehin aufgrund der ausbleibenden Verlängerung seines am 30. Juni auslaufenden Vertrages verlassen muss, hat sich in seinem letzten Spiel für die Blauen schwer verletzt. Nach AZ-Informationen haben sich die schlimmen Befürchtungen um den 29-jährigen Mittelfeldspieler, der in der 75. Minute des Totopokal-Finals (1860 unterlag Würzburg mit 3:5 nach Elfmeterschießen) mit dick einbandagiertem Knie ausgewechselt werden musste, bestätigt – und Jacobsen einen Kreuz- und Innenbandriss im Knie erlitten.

Jacobsen ging bereits angeschlagen ins Totopokal-Finale

Mit dieser niederschmetternden Diagnose wird der gebürtige Henstedt-Ulzburger mindestens sechs lang Monate ausfallen. Und das, obwohl Jacobsen bereits zwei Wochen vor dem Endspiel um den bayerischen Verbandspokal einen Schlag abbekommen und daher im letzten Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04 (1:2) und im Saisonfinale gegen den SC Verl (0:3) gefehlt hatte. Der angeschlagene Jacobsen hatte sich allerdings nochmal aufgerafft, wollte mit 1860 nach dem zerplatzten Aufstiegstraum zumindest einen kleinen Titel feiern und sich zumindest einen versöhnlicheren Abgang schaffen. Auf dem (vermeintlichen) Weg zum 2:0 holte sich Jacobsen unfreiwillig sein persönliches Horror-Szenario ab.

Umso bitterer für den Sechser der Sechzger: Der ab Anfang Juli vertragslose Profi kann sich somit nicht einmal bei einem neuen Arbeitgeber empfehlen, ganz im Gegenteil: Die Zukunft des verlässlichen Ballverteilers und Elfmeterschützen der Blauen, der in 33 Drittliga-Partien zum Einsatz gekommen ist (sieben Saisontore, fünf per Strafstoß), bleibt erst einmal völlig ungeklärt.

Denkbares Szenario: Neuer Vertrag und Reha bei 1860

Als wäre Jacobsens Aus bei 1860, das Geschäftsführer Manfred Paula wie bei Kapitän Jesper Verlaat und vier anderen Spielern in einem Video mit einem diskutablen Verweis auf sportliche Gründe verkündet hatte und wenig später zudem von wirtschaftlichen Zwängen gesprochen hatte, nicht schon bitter genug: Nun muss sich Jacobsen wie zuletzt 1860-Spielmacher Tunay Deniz, dessen Vertrag allerdings verlängert worden war, monatelang durch die Reha kämpfen. Im Gegensatz zu Deniz hat Jacobsen trotz einiger Interessenten nach AZ-Infos allerdings noch keinen Kontrakt unterzeichnet.

Ein Ausweg aus dieser verzwickten Lage wäre, doch noch bei 1860 einen neuen Vertrag zu stark leistungsbezogenen Konditionen zu unterschreiben: Jacobsens Gehaltsfortzahlungen würde bereits nach sechs Wochen die Berufsgenossenschaft übernehmen, für den TSV wäre das finanzielle Risiko überschaubar.

Ob 1860, das derzeit angesichts des drohenden Lizenzentzugs ganz andere finanzielle Probleme hat, aus Solidarität mit einem verdienten Spieler zu einem solchen Deal bereit ist?

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