Aigner, der Wohlfühllöwe

Stefan Aigner: Erst wird sein Vertrag verlängert, am Tag danach erzielt der Giesinger beim 3:1 gegen Bielefeld einen Treffer, küsst das Dress und sagt: „Eine perfekte Woche.“
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Zwei Matchwinner: Mlapa, Schütze des 1:0, und Aigner, der das 2:1 erzielte.
sampics/matzke Zwei Matchwinner: Mlapa, Schütze des 1:0, und Aigner, der das 2:1 erzielte.

MÜNCHEN - Stefan Aigner: Erst wird sein Vertrag verlängert, am Tag danach erzielt der Giesinger beim 3:1 gegen Bielefeld einen Treffer, küsst das Dress und sagt: „Eine perfekte Woche.“

Alexander Ludwig lachte, als er in der Interviewzone der Allianz Arena stand und plötzlich Stefan Aigner neben ihm auftauchte. „Ich geh’ jetzt mal“, sagte Ludwig, „da kommt der Matchwinner.“

Tatsächlich war es ein besonderer Tag in Aigners Karriere. Schließlich traf er gegen seinen Ex-Klub beim 3:1-Triumph über Arminia Bielefeld zum wichtigen 2:1-Zwischenstand – und das einen Tag, nachdem er seinen Vertrag bei 1860 vorzeitig bis 2012 verlängert hatte.

„Das war schon eine perfekte Woche“, bemerkte Aigner, der nach seinem Treffer in die Nordkurve lief und symbolisch das Löwen-Wappen auf seinem Trikot küsste. Ganz, als wolle er sagen: Das ist die Liebe meines Lebens.

Tatsächlich ist die Beziehung zwischen Aigner und 1860 eine besondere. Der junge Münchner, zwischen Candidplatz und Grünwalder Stadion aufgewachsen, ist ein Vollblut-Löwe. Mit fünf Jahren kam er zu 1860, mit 18 wurde er nach Burghausen weggeschickt, vom damaligen Jugend-Chef Ernst Tanner für zu schlecht befunden. Über den Umweg Bielefeld ist er 2008 schließlich wieder an der Grünwalder Straße gelandet – und nun heilfroh über die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. „Ich fühle mich sehr wohl bei 1860“, sagt er, „deswegen habe ich ja meinen Vertrag verlängert.“

Aigner ist keiner, der sich mit der Zweiten Liga zufrieden gibt, er will mehr. Er will mit 1860 wieder zurück in die Bundesliga. Gern erinnert sich Aigner an die glorreichen Zeiten des Giesinger Traditionsklubs, als die Blauen im August 2000 als Bundesliga-Vierter in der Champions League-Qualifikation gegen Leeds United spielten und er beim 0:1 im Olympiastadion als Balljunge hinter der Werbebande stand und mitfieberte. „Das werde ich nie vergessen“, sagte Aigner am Freitagabend.

Aigner ist einer, der ankommt beim Löwen-Volk. Er ist einer von ihnen. Seine ehrliche bairische Art taugt den 1860-Fans. Und selbstverständlich auch seine Tore.

Das 2:1 war bereits Saisontreffer Nummer acht, so viele Tore hat kein anderer Löwe in dieser Saison erzielt. „So viele habe ich noch nie in einer Saison geschossen“, sagt Aigner, „aber dennoch ist es schade, dass wir nicht weiter vorne sind.“ Derzeit sind die Löwen Zweitliga-Siebter. Für Aigner zu wenig, weil er findet: „Wir haben viel mehr Potenzial – und es ist traurig, dass wir nicht weiter vorne stehen.“

In der Stunde seines persönlichen Triumphs wollte das 22-jährige Talent einen nicht vergessen: Kapitän Benny Lauth. Der Ex-Nationalspieler saß zum ersten Mal in seiner 1860-Karriere die vollen 90 Minuten auf der Bank – was einer Demütigung für den Kapitän gleich kam. Erst recht, weil seine beiden Vertreter Peniel Mlapa (zum 1:0) und der eingewechselte Djordje Rakic (schloss einen Konter kampfstark zum 3:1 ab) jeweils trafen. „Benny macht eine sehr schwere Zeit bei 1860 durch“, sagt Aigner. „Aber er bleibt für uns ein wichtiger Spieler - ich bin mir sicher, dass er uns noch weiterbringt.“

Ob diese Worte Lauth aufbauen? Wohl kaum.

Oliver Griss

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