Abschied von Karsten Wettberg: Löwen-Idol mit großem Herzen
Was bleibt, sind Liebe, Dankbarkeit und Erinnerung.“ Das Haifischbecken Profifußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Es kann rücksichtslos und unbarmherzig sein – Karsten Wettberg war es nicht, wie sein Wirken zeigt.
„Karsten war ein absolut toller Kerl, ein herzensguter Mensch. Seinen Titel ‘König von Giesing’ hat er sich mehr als verdient. Aber was für mich noch mehr bedeutet hat, war sein enormes Engagement“, sagt Olaf Bodden der AZ über Wettberg, der am vergangenen Sonntag im Alter von 84 Jahren in Wasserburg am Inn friedlich eingeschlafen ist. An Ostern 2025 hat der TSV 1860 mit Kult-Trainer Werner Lorant († 76) eine absolute Vereinslegende verloren.
Kurz vor Ostern 2026 folgte der nächste Mann, der bei den Sechzgern über seine Rolle als Trainer hinaus seine Fußspuren hinterlassen hat und deshalb am 10. April (19 Uhr) mit einer Trauerfeier geehrt wird, wie Lorant.
Frühe Jahre und Wurzeln in Bayern
Die Nächstenliebe ist dem am 11. November 1942 in Friesack geborene Brandenburger in die Wiege gelegt worden: Wettbergs Vater war dort der ortsansässige evangelische Pfarrer. Der Zweite Weltkrieg sorgte dafür, dass es die Familie nach Bayern verschlug: In Mainburg, im niederbayerischen Landkreis Kelheim, fanden die Wettbergs in der Holledau ein neues Zuhause. Neun Jahre war der kleine Karsten alt, als er beim FC Mainburg mit dem Fußballspielen begann. 1974 folgte der Umzug ins nahe gelegene Elsendorf.
Es sollte, wenngleich ihn der Weg als aktiver Fußballer nicht in den Profibereich führte, eine lange Karriere als Trainer werden. Und nicht nur das: Von 2007 bis 2008 übernahm Wettberg bei 1860 Verantwortung als Vizepräsident, später kurze Zeit als Aufsichtsrat und immer wieder als ehrenamtlicher Scout und Freund des Sechzgerstadions.
Nicht zu vergessen: Wettberg führte vielfach die Traditionself der Sechzger an, für die er mit über 80 (!) Jahren und noch selbst kickte – am liebsten für den guten Zweck.
Engagement weit über den Fußball hinaus
Was Wettberg über seine Erfolge in seiner schönsten Nebensache der Welt hinaus stets ausgezeichnet hat, war sein hohes Engagement: Bei der Deutschen Post durchlief er seine berufliche Laufbahn bis zum Postoberamtsrat. Zwischen 2002 und 2020 saß er als SPD-Mitglied im Kreisrat. Im Jahr 2006 wurde ihm für sein vielfältiges Engagement der Bundesverdienstorden verliehen. 2018 wurde er für sein Lebenswerk in Gewerkschaft, Politik, Sport und Sozialem mit der Hans-Bröckler-Medaille ausgezeichnet.

Für den FC Sternstunden, der Benefiz-Fußballmannschaft des Bayerischen Rundfunks, lief Wettberg zur Höchstform auf: Der leidenschaftliche Sportler absolvierte über 100 Spiele, betätigte sich über Jahrzehnte als Spendensammler und wurde zum Ehrenspielführer gekürt. Überliefert ist zudem, dass der Mann, der sich bis ins hohe Alter mit Krafttraining und Rennradfahren fit hielt, im Jahr 2018 bei der Aktion „Liegestützen für den guten Zweck“ den ehemaligen Ingolstädter Spieler Andreas Buchner besiegt hat – Wettberg war damals stattliche 77, der Ex-Profi Buchner 33 Jahre alt.
Hilfe für Olaf Bodden und andere Schicksale
Eine Selbstverständlichkeit war für den glühenden Löwen, sich in schweren Zeiten für den am Chronischen Erschöpfungssyndrom erkrankten Bodden einzusetzen: Wettberg organisierte mehrere Benefizspiele im Grünwalder Stadion, bei denen er als Spieler oder Trainer mitmischte, er richtete ein Spendenkonto ein und zeigte sich nimmermüde, auf das schwere Schicksal des einstigen Bundesliga-Torjägers der Blauen aufmerksam zu machen.
„Karsten hat mir durch die Benefizspiele und seine ungebrochene Unterstützung sehr geholfen. Als ich an den Rollstuhl gefesselt war, haben wir uns erst richtig kennengelernt. Ich werde ihm nie vergessen, wie sehr er sich für mich eingesetzt hat.“
Wettberg war nicht nur für Bodden ein ganz Großer. Was bleibt, sind Liebe, Dankbarkeit und Erinnerung.

