1860 zwischen Stolz und Steigerungspotenzial: Was nach dem Zwei-Punkte-Start in die Rückrunde Mut macht

Fangen wir mit dem Blick auf die Tabelle an: Der MSV Duisburg und Energie Cottbus haben am 21. Spieltag der Dritten Liga die 40 Punkte vollgemacht. Absteigen wird das Spitzen-Duo also sehr, sehr wahrscheinlich nicht mehr – und hat auch im Aufstiegsrennen aktuell die besten Karten. Und was treiben die Löwen, in den mittleren Niederungen etwas weiter unten?
Zwischenfazit der Löwen
Mit dem zweiten 1:1 des Jahres, nach dem Duell gegen Rot-Weiss Essen zuletzt beim VfL Osnabrück, hat der TSV 1860 seinen 31. und 32. Punkt ergattert und damit also acht Zähler Rückstand auf die Tabellenspitze. Sechs Punkte sind es auf Relegationsrang drei, also hat der TSV im Vergleich zur Winterpause jeweils zwei Punkte eingebüßt.
Die AZ-Analyse zweier Duelle mit frappierend ähnlichen Spielverläufen – und seinen Begleiterscheinungen:
Sechs-Punkte-Pleite verhindert: "Wir dürfen nicht abreißen lassen", lautete Kauczinskis jüngste Marschroute, seine Elf hat in den ersten beiden Rückrundenspielen Wort gehalten. Durch die beiden 1:1-Unentschieden ist 1860 im Jahr 2026 noch unbesiegt. Das Kauczinski-Fazit: "Wir müssen für den Moment damit zufrieden sein."
Verletzungssorgen und Teamgeist
Verletzungssorgen ausgeblendet: Eine ganze Elf an Feldspielern fehlt aktuell, gegen Essen reihte sich sogar Torhüter Thomas Dähne ein. Dennoch trotzte 1860 beiden Aufstiegsfavoriten nicht nur je einen Zähler, sondern auch teils ein Übergewicht an Spielanteilen und Torchancen ab. Alles andere als selbstverständlich, wie Kauczinski bereits eingangs angedeutet hatte und konkretisierte: "Insgesamt hier bei Osnabrück, auswärts an der Bremer Brücke und in der Situation mit den Verletzten bin ich zufrieden, dass wir das so hinkriegen."
Ähnliches hatte der Coach nach Essen erklärt und über alles gestellt, dass es innerhalb seines Teams "kein Rumgejammer" gebe. Gesagt, getan – und gepunktet statt gejammert.
Kampfgeist und Comeback-Qualitäten
Rückstand egalisiert: Auf Giesings Höhen wie an der Bremer Brücke musste der TSV einen Rückstand hinnehmen. Aber: In beiden Stadien gelang den Blauen, durch Abwehrchef Max Reinthaler und Spielmacher Kevin Volland, nur wenige Minuten nach dem 0:1 jeweils der Ausgleich. "Die Mannschaft hat Energie, die Mannschaft kämpft", lobte der 55-jährige Coach seine Comeback-Löwen.

Siegchancen liegengelassen: Gegen RWE war’s Torjäger Patrick Hobsch, in Osnabrück hießen die potenziellen 1860-Matchwinner David Philipp und Justin Steinkötter. Fazit: In beiden Duellen wäre, wie es Kauczinski ausdrückte, "mehr drin" gewesen, also ein Dreier. Zu Hause gegen Essen wär’s vielleicht etwas verdienter, in Osnabrück angesichts der Anfangsdominanz der Hausherren wohl eher glücklicher gewesen.
Realismus und Verbesserungsbedarf
Realistische Einordnungen: In der Vergangenheit gab es teils 1860-Coaches, die Auftritte ihrer Teams vielleicht ein bisserl zu sehr beschönigten wie Argirios Giannikis oder Patrick Glöckner, oder Spieler teils berechtigt, teils ungeschickt öffentlich anzählten (Maurizio Jacobacci).
Kauczinski schildert die Löwen-Lage zumeist besonnen und sachlich, aber auch deutlich. Nachvollziehbar, dass den Coach gestört habe, dass 1860 anfangs "unclever gespielt" und viele Standards angehäuft habe.
Potenzial und Zukunftsaussichten
Sechzigs Steigerungspotenzial: Alles, was der TSV bisher gezeigt und Sechzigs Übungsleiter recht treffend analysiert hat, läuft auf eines hinaus: Der TSV hat Steigerungspotenzial und es ist höchste Zeit, dieses Potenzial auszuschöpfen. "Auf Dauer werden wir uns steigern müssen und ich hoffe, dass wir das relativ schnell hinkriegen", stellte Kauczinski klar und zählte die Tage bis zum Heimspiel am kommenden Samstag im Grünwalder Stadion herunter (14 Uhr, im AZ-Liveticker): "Es bleibt wenig Zeit bis Aachen."
Zuhause kann Sechzig die beiden Auftakt-Punkte mit dem ersten Dreier 2026 veredeln. Wäre nicht verkehrt für die eigenen Ambitionen – und eine gute Jammer-Fernhaltetaktik.