1860: "Schaut, der Kiraly hat sogar Beine!"

Der neue Löwen-Torhüter erklärt, warum er die Schlabberhosen auch zu Hause trägt, weshalb er Fußball im Fernsehen langweilig findet – und wieso es für seinen Verein in Liga zwei grausam wird.
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Freut sich auf seinen Ex-Klub Hertha BSC: Gabor Kiraly.
sampics/Augenklick Freut sich auf seinen Ex-Klub Hertha BSC: Gabor Kiraly.

Der neue Löwen-Torhüter erklärt, warum er die Schlabberhosen auch zu Hause trägt, weshalb er Fußball im Fernsehen langweilig findet – und wieso es für seinen Verein in Liga zwei grausam wird.

AZ: Herr Kiraly, mal eine indiskrete Frage: Haben Sie eigentlich keine schönen Beine?

GABOR KIRALY: Wieso das denn?

Naja, Sie verstecken ihre Beine immer in einer langen grauen Schlabberhose, egal ob Sommer oder Winter...

(lacht) Einmal habe ich mit einer kurzen Hose gespielt, und dann hat ein Fan gerufen: „Schaut, der Kiraly hat sogar Beine!“ Ich habe sogar sehr kräftige, aber ich fühle mich mit langer Hose einfach wohler – und das seit 27 Jahren.

Was sagt ihre Frau eigentlich zu diesem Faible?

Ich habe da eine lustige Geschichte. Zsanette hat mir letztes Weihnachten für zu Hause eine graue Jogginghose geschenkt. Da war ich baff. Ich habe sie oft an, manchmal komme ich mir daheim vor wie auf dem Trainingsplatz.

Das Tragen einer Jogging-Hose ist Ihr bekanntestes Ritual. Haben Sie sonst noch irgendeines?

Klar, ich bin sehr abergläubisch. Welchen Schienbeinschoner ziehe ich zuerst an? Wo sitze ich in der Kabine? Wo sitze ich im Bus? Ich könnte damit ein ganzes Buch füllen. Einmal hat ein Trainer zu mir gesagt, ich soll diesen Quatsch lassen. Dann habe ich das so gemacht wie er wollte – und nichts hat funktioniert. Ich bin sofort wieder ins alte System zurück.

Angeblich sollen Sie noch nie ein WM-Finale gesehen haben. Stimmt das?

Ja, ich bin zehn Monate im Jahr mit Fußball beschäftigt. Bevor ich mir ein WM-Finale anschaue, mache ich lieber Urlaub mit der Familie oder gehe mit meinen Kindern Radfahren. Das bringt mir mehr. Es gibt da eine lustige Geschichte: Zur EM 2008 hat mich ein Radio-Reporter aus Ungarn angerufen.

Ja, und?

Der wollte von mir einen Live-Kommentar zum Spiel Kroatien gegen Deutschland (2:1, d. Red.), aber ich stand im Garten und hatte von nichts eine Ahnung. Ich fragte: Welches Spiel? Ich bin dann schnell ins Wohnzimmer, habe den Fernseher angemacht und dann irgendeinen Blödsinn erzählt. Fußball im Fernsehen, das ist uninteressant.

Ihr Torwart-Kollege beim TSV 1860, Michael Hofmann, ist eine wandelnde Datenbank: Sind Sie auch so verrückt?

(lacht) Nicht ganz, aber ich führe auch Statistik über meine Karriere. Ich schreibe alle meine Spiele auf – mit Datum, Gegner und Ergebnis.

Wie viele sind's denn schon?

577 – ohne Freundschaftsspiele. Und ich habe ja ein Jahr nicht gespielt. Jetzt sollen schon noch ein paar dazukommen. Aber ich bin nicht der Typ Fußballer, der große Ziele hat. Ich sage mir immer: Wenn du deine Arbeit machst, dann wird sich das auch lohnen.

Das müssen Sie uns genauer erklären.

Ich wollte nie in Deutschland oder England spielen, jetzt bin ich bereits zwölf Jahre im Ausland. Ich habe in meiner Karriere mehr erreicht als ich dachte. Fünf Jahre kann ich das noch machen, ich kenne ja meinen Körper. Ich war noch nie länger verletzt als zehn Tage am Stück.

Ist der Wechsel zum TSV 1860 für Sie ein Abstieg?

Nein, niemals. Ich hatte mehrere Angebote aus der Ersten Liga, aber ich plane meine Karriere ganz bewusst. Die Zeit als Fußballer ist so schnell vorbei. Ich war fünf Jahre in England, da war ich auf dem Berg sehr weit oben, weiter geht's nicht mehr mit mir. Jetzt will ich eben bei 1860 an die alten Zeiten anknüpfen – an die Zeiten, als Häßler, Stevic oder Max noch spielten. Das ist mein Antrieb.

Was ist in der kommenden Saison mit den Löwen drin?

Wenn alles stimmt, dann kann diese Mannschaft oben mitspielen. Ich denke, diese Saison wird die grausamste Zweite Liga aller Zeiten. Es sind so viele Traditionsvereine wie Fortuna Düsseldorf, Hansa Rostock, Kaiserslautern dabei, die könnten vom Namen alle Bundesliga spielen. Das wird ein Hauen und Stechen bis zum Ende.

Interview: Oliver Griss

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