1860 profitiert von Werners Mega-Kader – Volland gibt anfängliche Zweifel zu
Der eine musste schon unfreiwillig mit dem berühmt-berüchtigten Abstellgleis vorliebnehmen, der andere wurde sogar von der eigenen Fankurve ausgepfiffen. Beim Rückrundenauftakt gegen RW Essen waren sie trotzdem zwei Garanten für den Punktgewinn: Max Reinthaler und René Vollath.
"Ich weiß selbst, was ich kann", sagte Reinthaler, Abwehrchef des TSV 1860, beim 1:1 gegen Aufstiegsaspirant Essen, der nicht nur eine blitzsaubere Abwehrleistung, sondern auch den wichtigen Ausgleichstreffer beisteuern konnte (AZ-Note 2).
Nicht ohne eine gewisse Genugtuung ergänzte der Südtiroler, der den Ausfall von Kapitän Jesper Verlaat nun schon monatelang kompensieren kann: "Das habe ich schon des Öfteren bewiesen. Die letzten sieben, acht Spiele, die ich jetzt wieder gespielt habe, habe ich es auch bewiesen."
"Die Hoffnung ist schon, dass uns das noch weiter zusammenschweißt"
Ob bei Reinthaler, bei Vollath oder allen anderen Spielern, die aufgrund der vermaledeiten Verletzungsmisere der Blauen in die Bresche sprangen: Bei allen Giesinger Vertretern, die mehr sind, als nur Aushilfskräfte geht es um das, was Reinthaler hinterherschob: "Es geht für mich immer darum, der Mannschaft zu helfen, meine Erfahrung, meine Qualitäten auf den Platz zu bringen. Ich habe das Gefühl, dass es der Mannschaft guttut." Überhaupt habe 1860 "große Qualität" im Kader.

Vollath, der Stammtorhüter Thomas Dähne als verlässlicher Rückhalt ersetzte (AZ-Note 3), erkannte über die enorme Anzahl der elf Ausfälle, mit denen es "wie verhext" sei: "Die Mannschaft hat es super gemacht – und alle, die reinkamen." Der 35-jährige Oldie hofft da übrigens noch auf einen positiven Nebeneffekt: "Am Ende ist sowas vielleicht für die Teamdynamik mehr wert, als wenn alles immer gut läuft. Die Hoffnung ist schon, dass uns das noch weiter zusammenschweißt."
Volland war skeptisch ob der Kadergröße – bis jetzt
In dieselbe Kaderbreiten-Kerbe schlug bereits Ex-Nationalspieler Kevin Volland im Trainingslager im türkischen Belek und nannte schon damals Kollege Reinthaler: "Wir haben einen großen Kader, wo ich so am Anfang der Saison gedacht habe: ‘Das ist schon rein Riesen-Kader dafür, dass du nicht international spielst.’ Aber jetzt sieht man, wenn viele ausfallen, dass auf ein Reini plötzlich da steht auf dem Platz und hinten dicht macht und seinen Job überragend macht."
An dieser Stelle darf sich Ex-Geschäftsführer und Kader-Architekt Christian Werner auf die Schulter klopfen, wenngleich sich der 44-Jährige nach seinem fragwürdigen Rauswurf im Doppelpack mit Ex-Trainer Patrick Glöckner nichts mehr davon kaufen kann: Der freigestellte Sport-Boss hat sie alle geholt, wobei die Werner-Kritiker im Giesinger Umfeld großen Wert darauf legen, dass Volland und Florian Niederlechner mit reichlich Eigeninitiative zurückgekehrt sind. Zur Wahrheit gehört auch, dass der aktuelle Geschäftsführer Manfred Paula und Präsident Gernot Mang verstärkt auf Junglöwen setzen (Stichwort Damjan Dordan), Winter-Neulöwen bleiben aus.

Wo die von Werner gebastelten, von Glöckner anfangs an die Tabellenspitze und zu drei fatalen Pleiten in Serie gecoacht und von Nachfolger Markus Kauczinski sportlich wieder auf den Weg gebrachten Löwen am Ende landen? "Fragt mich in 16 Spieltagen nochmal", meinte Vollath zunächst und ergänzte auf die Korrektur eines Medienvertreters, dass es noch 18 Spieltage bis Saisonende seien: "Dann fragt mich trotzdem nach 16 Spieltagen und wir schauen, ob wir noch oben dran sind."
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