1860-Pressefrau gekündigt: Mitten ins Herz

Nach 15 Jahren bei 1860 wurde Claudia Leupold gekündigt. „Da bricht ein Großteil aus meinem Leben weg”, sagt die Pressefrau.
| Marco Plein, Max Wessing
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Pressechefin Lil Zercher verliert eine weitere Mitarbeiterin: Die Stelle von Claudia Leupold (l.) wurde gestrichen.
Lackovic Pressechefin Lil Zercher verliert eine weitere Mitarbeiterin: Die Stelle von Claudia Leupold (l.) wurde gestrichen.

MÜNCHEN Ihr Lächeln hat sie trotzdem nicht verloren. Wenn Claudia Leupold daran denkt, wie warmherzig zum Beispiel Löwen-Sportchef Florian Hinterberger oder Trainer Reiner Maurer auf ihre Kündigung reagiert haben, weiß sie, welch guten Ruf sie bei den Sechzgern hat. Doch bald geht ihre Zeit in der 1860-Pressestelle vorbei. Die Löwen wollen rund 150000 Euro Personalkosten im Jahr einsparen, vier Mitarbeitern wurde gekündigt. Auch Leupold, seit 15 Jahren bei den Sechzgern beschäftigt und Tochter des früheren Nürnberger Profis Horst Leupold (Deutscher Meister 1968), bekam die Kündigung.

Nachdem der Betriebsrat sich eingeschaltet hatte, bekam sie zwar noch das Angebot für eine Stelle im Ticketing (Änderungskündigung), doch das will sie sich erst durch den Kopf gehen lassen.

„1860 ist mir ans Herz gewachsen, da ist über die Jahre hinweg was entstanden, das war mehr als ein Job, das war mehr als nur Arbeit. Da hat mein Herz dran gehangen”, sagte sie am Mittwoch der AZ. Die Kündigung traf die Mutter zweier Kinder mitten ins Herz: „Da bricht ein Großteil aus meinem Leben weg. Ich habe alles immer nur nach dem Spielplan ausgerichtet.”

Die Betriebsratsvorsitzende Angela Frisch sagte der AZ: „Am Ende des Tages trifft es überall die kleinen Leute, egal in welchen Betrieben. Ich finde es einfach traurig, dass jemand, der so lange hier gearbeitet hat, auf Grund der finanziellen Lage gehen muss. Bei den Gekündigten verspüre ich aber keine Wut, eher Traurigkeit und Betroffenheit.”

Karl-Heinz Wildmoser hatte Leupold 1997 zu den Löwen geholt – dort hat sie alle Höhen und Tiefen miterlebt. „Vor allem die Bundesligazeiten werde ich nie vergessen. Das waren Erlebnisse, die man für immer im Kopf behalten wird”, sagt Leupold, die bei 1860 Pressechefin war, ehe sie Kinder bekam. „Man muss wissen, wie wichtig Fußball für mich ist”, sagt sie. „Ich schaue mir immer alles an, im Fernsehen gucke ich nur zwei Sachen: Fußball und Tatort."

Bereits als sie vor rund zwei Wochen aus der Zeitung davon erfuhr, dass bei dem von Geschäftsführer Robert Schäfer geplanten Stellenabbau bis zu zehn Personen betroffen sein könnten, habe sie ein ungutes Gefühl bekommen. Die bittere Wahrheit erfuhr sie dann vergangene Woche – und nun, nach Gesprächen mit dem Betriebsrat, folgte die Option mit der Weiterbeschäftigung im Ticketing. Doch Claudia Leupold sieht ihre Zukunft eigentlich lieber im Fußball. Wie Schäfer, der schon kurz nach Amtsantritt den damaligen Pressechef Robert Hettich feuerte, die Öffentlichkeitsarbeit nach der Kündigung seiner erfahrensten Mitarbeiterin fortan handhaben will, ist unklar. Ob Pressesprecherin Lil Zercher die gesamte Arbeit allein stemmen soll? Schäfer hat bereits bestätigt, sich externe Hilfe ins Haus zu holen. Erste Schulungen durch einen PR-Experten soll es bereits gegeben haben.

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