1860: „Nur der Beginn...“

Der Sensationssieg seiner Löwen bei Spitzenreiter Bielefeld bringt Trainer Lienen die Erkenntnis: „Für Erfahrung gibt’s einfach keinen Ersatz.“ Künftig will er verstärkt auf Routiniers setzen.
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Startet 1860 und Ewald Lienen jetzt eine Serie?
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Der Sensationssieg seiner Löwen bei Spitzenreiter Bielefeld bringt Trainer Lienen die Erkenntnis: „Für Erfahrung gibt’s einfach keinen Ersatz.“ Künftig will er verstärkt auf Routiniers setzen.

MÜNCHEN Noch am Samstagnachmittag, so gegen 15 Uhr, wirkte Ewald Lienen ziemlich mitgenommen. Nicht nur die Tatsache, dass er nach dem überraschenden 1:0-Triumph bei Tabellenführer Bielefeld erst um 7.30 Uhr in der Früh an der Grünwalder Straße aus dem Bus gestiegen war, machte ihm zu schaffen. Zu groß war die nervliche Anspannung vor und während der Partie in Ostwestfalen, die seine Löwen mit zehn Mann beenden mussten. „Überlebenswichtig“ sei der Sieg gewesen, sagte er. Ob Lienen damit ausdrücken wollte, dass er bei einer neuerlichen Niederlage – entgegen aller gegenteiligen Aussagen der Chefs doch um seinen Job hätte fürchten müssen?

So aber hat der 55-Jährige seinen Arbeitsplatz beim Zweitligisten, der trotz des Sieges weiter auf Platz 15 rangiert, vorerst gesichert. Existenzängste verfolgen ihn bis auf weiteres nicht. „Das muss man ausblenden können“, sagte Lienen der AZ, „wenn ich in ein Spiel reingehe und Angst um meinen Kopf habe, dann ist das der falsche Weg.“

Und genau dieses Motto gab er seiner Mannschaft in Bielefeld mit auf dem Weg. Die Folge: Die Löwen kämpften und rackerten – 94. Minuten lang, bis zum Moment, als der Abpfiff auf der Alm ertönte. „Danach ist beim Jubeln der ganze Frust der letzten Wochen rausgekommen“, sagte Lienen, „aber wir wissen: Das kann nur der Beginn sein.“

Der Beginn einer Serie? An der Zeit wär’s – und bei Lienen scheint in den Krisentagen ein Umdenken erfolgt zu sein. „Ich habe mich entschieden“, sagte der Trainer der AZ, „dass ich künftig wieder mehr auf Erfahrung setzen werde“. Auf Spieler wie Gabor Kiraly (33), den in Bielefeld überragenden Keeper, Benny Lauth (28), Radhouane Felhi (25), Alexander Ludwig (25) – oder auch Sascha Rösler (31). Lienens Motto: Routine statt Jugend. „Für Erfahrung gibt’s einfach keinen Ersatz“, sagt der Coach, „das heißt aber nicht, dass die Talente jetzt bei mir außen vor sind. Aber wenn es möglich ist, dann will ich auf jeder Position den erfahreneren Spieler einsetzen.“

Dazu zählt Lienen auch Charilaos Pappas, der die Löwen in Bielefeld mit seinem 1:0 (82.) vor dem Total-Absturz gerettet hat. Erst in der 78. Minute hatte Lienen den 26-jährigen Griechen gebracht, nur drei Minuten später erzielte er nach feiner Vorarbeit von Kapitän Lauth das Siegtor. „Auch Pappi bringt Erfahrung mit“, sagte Lienen, „dafür haben wir ihn ja verpflichtet. Er ist ein ausgezeichneter Fußballer, der sich allerdings noch an die Härte der Zweiten Liga gewöhnen muss. Ich habe ihm gesagt: ,Du musst dich wehren und die Hasskappe aufsetzen.“

Gewehrt hatte sich auch Marcos Antonio in seinem Zweitliga-Debüt für den TSV 1860 – auf der linken Außenbahn. „Er hat sehr stabil gespielt und immer gesehen, wo die Lücke ist“, lobte Lienen den Südamerikaner. Ob der 21-jährige Brasilianer seine Chance genutzt hat? Der Trainer lachte: „Helmut Schön würde sagen: ,Er darf wiederkommen.’“

Lienens wichtigste Erkenntnis vom Alm-Auftritt: „Diesmal ist keiner abgefallen – das war das Positivste neben den drei Punkten.“ Deswegen will er dieser Mannschaft weiter Vertrauen schenken: „Wenn irgendwas funktioniert, soll man das beibehalten.“ Nur dumm, dass der gesperrte Stefan Aigner am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf (Sonntag, 13.30 Uhr, Allianz Arena) zuschauen muss.

Oliver Griss

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