1860-Keeper Dähne scherzt nach Pokal-Triumph: "45 Minuten lang durchbeleidigt zu werden, ist manchmal geil!"
"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!" Vor einer neuen Rekordkulisse von 14.089 Zuschauern skandierten die Löwen-Fans überschwänglich, was den Sechzgern nun im positiven Sinne blüht: Saison-Verlängerung nach dem letzten Spieltag! Pokalfinale! Auch, wenn es - vorerst - nur der Totopokal ist. . .
"Das geht schon in Ordnung. Ich spiele gerne eine Woche länger, wenn ich danach Silberware in der Hand halte", sagte Thomas Dähne, Torhüter und Pokalheld des TSV 1860, nach dem 1:0-Halbfinal-Sieg im bayerischen Verbandspokal beim alten Rivalen SSV Jahn Regensburg. Der Relegationsgegner des Jahres 2017, bei dem 1860 auch im Liga-Hinspiel sang- und klanglos mit einer 0:4-Packung wieder nach Hause geschickt wurde, war diesmal nur eine Durchgangsstation auf dem Weg ins Endspiel, wie die an die 4000 mitgereisten Sechzger-Anhänger freudetrunken skandierten. Sechzig fährt nach "Berlin", das neuerdings in Unterfranken liegt.
Dähne macht aus Sechzigs Favoritenrolle keinen Hehl
Berlins kleiner Bruder wird 1860 am Samstag, den 23. Mai und damit nach Liga-Saisonende nicht in die Hauptstadt Deutschlands, sondern ins Stadion am Dallenberg führen: Dort muss 1860 beim "Finaltag der Amateure" im nächsten Bayern-Derby mit Regionalligist Würzburger Kickers antreten, der als niederklassiger Klub Heimrecht genießt. "Wir sind überglücklich", stellte Sechzigs Final-Garant Dähne, der als Rückhalt eine starke Leistung abgeliefert hatte, klar: "Wir gehen als Favorit in das Finale und wollen es auch gewinnen, das ist unser Ziel." Und damit auch den Einzug in den DFB-Pokal schaffen.

Dieses Ziel war im Jahnstadion ganz schön ins Wanken geraten, schließlich erwies sich Liga-Konkurrent SSV Jahn einmal mehr als bis an die Zähne bewaffneter Gegner. Obendrein sorgten die Fans beider Lager durch ihre frenetischen Sprechchöre und einer ganzen Menge ausgetauschter Unhöflichkeiten für reichlich Derby-Atmosphäre. "14.000 Zuschauer spricht für sich, da war schon Feuer drin", ließ Dähne Revue passieren und ergänzte, ohne ins Detail zu gehen, was in der zweiten Hälfte von den Rängen der Heim-Fankurve in seinem Rücken passiert war: "45 Minuten lang durchbeleidigt zu werden, ist manchmal geil!"
Sechzig kann sich einmal mehr auf Torjäger Haugen verlassen
Das einzige Tor des Tages sollte mal wieder Sechzigs Unterschiedsspieler Nummer eins gelingen, dem erneut gefährlichsten Löwen auf dem Rasen, obwohl auch Patrick Hobsch eine neue Startelf-Chance bekam. "Wenn du einen Siggi in der letzten Linie ins Eins gegen Eins bringst mit seiner Schnelligkeit und seiner Abschlussstärke, passiert halt immer was", sagte Abräumer Philipp Maier über den goldenen Treffer des Norwegers (54.), Trainer Markus Kauczinski nannte das Solo inklusive wuchtigem Schuss ins Regensburger Herz eine "tolle Einzelaktion."

Das war auch der Punkt, der für mächtig Frust im Regensburger Lager sorgte und Sechzigs Weiterkommen ins berlinerische Würzburg zu einem glücklichen Triumph machte: "Regensburg hat uns das Leben schwer gemacht, genauso wie im ersten Spiel. Aber heute waren wir kämpferischer, haben dagegen gehalten und hatten das Quäntchen Glück auf unserer Seite", urteilte Kauczinski.
Auf 1860 wartet ein stressiger Saison-Endspurt
Nun hat 1860 mehrere Termine im Kopf: Am Samstag, den 4. April kommt der SV Waldhof Mannheim nach Giesing (14 Uhr). Für eine Liga-Aufholjagd müsse 1860 "noch mehr rausholen", meinte Tim Danhof, der das 2:0 mit einem Lattenschlenzer knapp vergab: "Wenn es spielerisch nicht so läuft, müssen wir uns auf die Tugenden fokussieren: In der Liga geht wie im Pokal viel über den Kampf."
Sollte 1860 die nächste Serie gelingen, bekommt der 23. Mai Konkurrenz vom 22. und 26. Mai. "Ich glaube schon, dass wir noch ein Wörtchen mitzureden haben", meinte Dähne über die Aufstiegs-Relegation (1860 hat fünf Punkte Rückstand): "Der Urlaub ist schon gebucht, aber so, dass alle anderen möglichen Termine reinpassen." Als möglicher Gegner kommt übrigens fast die halbe Zweite Liga infrage. Ausgeschlossen ist nur, dass 1860 nach Berlin fährt – Hertha BSC ist Sechster.

