"1860 ist wie eine Daily Soap"

Otto Steiner ist jetzt Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins. Hier lesen Sie, was er in diesem Amt erreichen will – und warum er als TV-Produzent seine Löwen für filmreif hält.
| Interview: Marco Plein
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Otto Steiner ist jetzt Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins. Hier lesen Sie, was er in diesem Amt erreichen will – und warum er als TV-Produzent seine Löwen für filmreif hält: „Tägliches Drama!”

AZ: Hallo Herr Steiner, Glückwunsch zur neuen Aufgabe. Sie sind nicht mehr Aufsichtsratschef der KGaA, sondern jetzt des Vereins. Was wollen Sie da denn erreichen?

OTTO STEINER: Ich werde die Interessen des jetzigen Hauptgesellschafters hochhalten. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe, da unter anderem einige wesentliche Bereiche und Personalien der Zustimmung des e.V.-Aufsichtsrates bedürfen, wie z.B. die Berufung oder Abberufung der Geschäftsführung in der KGaA. Insofern ist es doch ein starker Einfluss, der dort genommen wird. Der Verein ist die einzig wahre und geliebte Seele des Gesamtkonstruktes 1860. Von ihm geht alles aus.

Vereinsarbeit klingt nicht annähernd so spannend wie das große Profigeschäft.

Das sehe ich nicht so. Wir wollen vor allem die Mitgliederzahl wieder erhöhen, die ist ja mittlerweile leider unter 20<TH>000 gesunken. Ich will wieder mehr junges Blut wecken und dafür sorgen, dass man nicht mehr ganz so viel von der Vergangenheit lebt. Das durchschnittliche Alter eines 1860-Fans liegt bei Mitte 40, ich selbst liege da ja auch schon drüber, also müssen wir unsere Vorzüge durch eine klare Markenbildung gegenüber der roten Nachbarsmarke aufzeigen. Junge Talente können bei uns schnell Karriere machen, und wenn man ein junger Fan ist, kann man quasi seine gleichaltrigen Freunde im Stadion spielen sehen. Das ist doch ein wunderbarer Ansatz.

Zuletzt hieß es, Sie hätten sich auf die Seite des Investors geschlagen, um Ihre Chance auf einen Posten bei den Löwen zu behalten.

Es hat mich sehr gestört, dass das behauptet wurde. Das war blanker Unsinn. Es gibt ja auch ständig die Legende, die besagt, dass ich alles dafür tun würde, um Präsident zu werden. Aber auch das ist schlichtweg Unsinn. Es gab ja vor Jahren diesen Wahlkampf gegen Wettberg – und seitdem habe ich diese Brandmarke und werde als designierter Präsident dargestellt. Aber mit diesen Etiketten muss ich jetzt einfach leben. Tatsächlich habe ich da null Ambitionen. Wenn ich sehe, was Dieter Schneider da als Präsident allein zeitlich abrockt, das könnte ich ja gar nicht leisten.

Weil Sie als TV-Produzent ausgelastet sind bei Ihrer Firma Constantin Entertainment, die u.a. Richter Alexander Hold produziert. Jetzt haben Sie bei 1860 so viel erlebt, dass es Sie als Fernsehproduzent doch reizen müsste, die Löwen-Geschichte mal zu verfilmen. Was würde Ihnen dazu einfallen?

Oh, ja. Das wäre wirklich mal eine spannende Aufgabe. Ich denke, ich würde niemals nur einen Film daraus machen, das wäre viel zu schade, sondern 1860 ist klar geeignet für eine ganze Daily Soap, eindeutig. Es gibt zahllose tragische und komische Elemente und natürlich jede Menge tägliches Drama. Ich denke, allein der Stoff, der sich aus der Zeit ergeben würde, seitdem ich dabei bin, würde schon für 2000 Folgen reichen, also bestimmt für zehn Jahre. Und wenn ich erst an all die Cliffhanger denke, also an die Momente, in denen sich Spannung aufbauen lassen würde. Nach dem Motto: Wie geht es morgen weiter? Wer tritt womöglich zurück? Wer taucht neu auf, wer kehrt zurück?

Gute Löwen, schlechte Löwen. Welchen Cliffhanger haben Sie im Kopf, wenn Sie an die Zukunft von 1860 denken?

Ganz klar: Wir stehen nach einer tollen Saison ganz kurz vor dem Aufstieg, es ist das entscheidende Spiel, die letzte Minute läuft, es steht unentschieden. Benny Lauth läuft allein aufs Tor zu. Er holt aus. Doch dann endet die Sendung, wir sehen nur noch den Abspann und erfahren erst morgen, ob wir aufgestiegen sind.

Sie denken also an den Aufstieg? Auf diese Jubelarie müssen die Löwen-Fans aber noch etwas warten, oder?

Natürlich ist der Aufstieg momentan nicht als kurzfristiges Ziel ausgesetzt. Wir stehen jetzt erst mal vor einem Übergangsjahr und haben einen Dreijahresplan im Kopf. Dann wollen wir oben anklopfen. Aber schauen wir doch einfach mal was passiert. Manchmal werden gute Sendungen ja bekanntlich auch viel früher als geplant ausgestrahlt. Ich lasse mich gerne überraschen. Und bei 1860 sowieso.

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