1860: Hart, härter, Stahl

Er ist erst 21 und hat schon die arrivierten Kräfte verdrängt: Jungprofi Dominik Stahl begeistert 1860-Trainer Lienen und Sportdirektor Stevic. „Dominik ist ein Typ, der andere mitreißt“
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Er ist erst 21 und hat schon die arrivierten Kräfte verdrängt: Jungprofi Dominik Stahl begeistert 1860-Trainer Lienen und Sportdirektor Stevic. „Dominik ist ein Typ, der andere mitreißt“

MÜNCHEN Wenn man einen Blick in Dominik Stahls kleines 25-Quadratmeter-Apartment im Laimer Albertinum wirft, fällt einem gleich das Löwen-Trikot mit der Rückennummer 36 an der Wand auf. „Es ist klar“, sagt der 21-Jährige, „dass das einen besonderen Platz bekommen hat“. Denn dieses Trikot ist für Stahl kein normales Dress. Es stammt vom 8. November 2009, Stahl trug es beim 0:1 in Cottbus, seinem ersten Zweitliga-Einsatz.

Seitdem sind fünf Monate vergangen – und in Stahls Leben hat sich viel bewegt. In der letzten Woche unterschrieb der Soldat (am 31. März endet seine Wehrdienstzeit in der Sportfördergruppe Neubiberg) seinen ersten Profi-Vertrag, bis 2012, inzwischen ist er zur Stammkraft beim TSV 1860 aufgestiegen.

Stahl, im Privatleben sehr zurückhaltend, verkörpert einen neue Typus bei 1860: Robust, agil, leidenschaftlich, zweikampfstark. Deswegen lässt Trainer Ewald Lienen ihn neben Aleksandar Ignjovski rackern. „Er ist zwar erst 21“, sagt Lienen, „aber Dominik ist ein Typ, der andere mitreißen kann. Er ist eine Persönlichkeit, war ja schon Kapitän unserer U23.“ Manager Miki Stevic ergänzt: „Stahl haut sich in jeden Zweikampf. Er zeigt das, was wir und die Fans sehen wollen.“ Hart, härter, Stahl.

Der gebürtige Badenser ist (abgesehen von Ignjovski) vielleicht die Entdeckung der Saison beim TSV 1860. Im vergangenen Sommer noch nahm kaum einer Notiz von Stahl. Ins Sommer-Trainingslager in St. Johann in den Salzburger Alpen durfte der Mittelfeldspieler („Mir gefällt die Art, wie Iniesta und Xavi Fußball spielen“) noch gar nicht mit, in der Datenbank des Fachblatt „kicker“ wird Stahl trotz sieben Zweitliga-Einsätzen aktuell noch gar nicht aufgeführt. Dabei hat Stahl, der früher für den KSC schwärmte („Sean Dundee war das Idol meiner Kindheit“), mittlerweile Stars wie Alexander Ludwig auf die Bank verdrängt. Und dabei soll es bleiben, zumindest sagt Ewald Lienen: „Das Duo mit Ignjovski und Stahl ist leidenschaftlich – das kann sicherlich ein Modell für die nächsten Wochen sein.“

Was 2,1-Abiturient Stahl freut. „Es war immer mein großer Traum, Fußballprofi zu werden“, sagt er. „Dass es bei 1860 geklappt hat, ist umso schöner. 1860 ist für mich wie eine große Familie. Ich kann mich noch gut erinnern, wie Marcel Schäfer für uns früher als Zivildienstleistender im 1860-Jugendinternat die Brote geschmiert hat.“

Stahl, seit 2004 bei den Löwen, ist nach den Bender-Zwillingen das nächste große Talent aus der 1860-Fußballschule. Sportdirektor Stevic sagt: „Uns wird immer wieder nachgesagt, dass wir unsere besten Talente verkaufen. Ich sage: Es gibt nicht viele Vereine in Deutschland, die sich mit soviel eigenen Talenten schmücken können wie wir. Und das wird auch weiterhin unsere Zukunft sein.“

Nicht nur in Stahls Heimatort Osterburken, 320 Kilometer von München entfernt im Neckar-Odenwald-Kreis gelegen, sind sie überrascht über die Entwicklung Stahls.

Er selbst sagt: „Osterburken hat 6500 Einwohner – und ich bin der erste Fußball-Profi aus diesem Ort.“

Oliver Griss

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