1860: Geht das schon wieder los?

Euphorie bei den Löwen schon wieder passé. Nach der KSC-Pleite wachsen die Zweifel an System, Kader und Neuzugängen. Lienen rüffelt Lovin
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Stocksauer auf seine Elf: Ewald Lienen.
MIS Stocksauer auf seine Elf: Ewald Lienen.

Euphorie bei den Löwen schon wieder passé. Nach der KSC-Pleite wachsen die Zweifel an System, Kader und Neuzugängen. Lienen rüffelt Lovin

MÜNCHEN Wenn sich Miki Stevic abreagieren will, dann zieht er sich die Laufschuhe an – und geht in den Wald. Am Dienstag war es wieder einmal so weit. Trotz der Hitze joggte der Sportdirektor samt der Löwen-Versager durch die Isarauen. Es hatte sich genug Wut aufgestaut in Folge des kläglichen 1:3 am Montagabend gegen Absteiger Karlsruhe. „Ich will versuchen“, sagte Stevic sarkastisch, „ohne Herzinfarkt bei 1860 rauszukommen.“ Sein Lächeln war gequält, denn die Zweitliga-Tabelle, in der der TSV 1860 auf Platz 13 steht, macht ihm wenig Freude. Stevic wirkte ratlos: „Man stellt sich 1000 Fragen und sucht 1000 Antworten.“

Letzte Saison waren die Blauen dem Abstieg nur knapp entgangen, und auch in dieser Spielzeit gab es – nach anfänglicher Euphorie – nun den üblichen Dämpfer: Geht das schon wieder los?

„Ich schau' nicht auf die Tabelle“, versicherte Trainer Ewald Lienen, „sondern auf unser Spiel.“ Und das war miserabel. Lienen, der direkt nach der Partie noch sehr verärgert war, verteidigte sich nun: „Ich habe nicht angenommen, dass wir mit neun neuen Spielern die Liga überrennen.“ Tatsächlich sind die Probleme offensichtlich. Wo's überfall hakt:

Das System: Normalerweise lässt Lienen im 4-4-2 spielen, am Montag stellt er nach der Pause um. Doch das ungewohnte 3-5-2 funktionierte so gar nicht. „Ich habe mir die Nacht um die Ohren geschlagen“, sagte er, „um das Spiel zu analysieren.“ Seine Erkenntnis: Ausgerechnet Mittelfeld-Boss Florin Lovin scherte ständig aus, so gab es immer wieder ein Vakuum in der Zentrale. „Er hat sich nicht an die Aufgaben gehalten", schimpfte Lienen, „er schießt übers Ziel hinaus. Deswegen habe ich ihn ausgewechselt." Nun spielt der 27-jährige Rumäne am Freitag in Ahlen auf Bewährung. Lienen: „Ich hoffe, dass Flo diese Fehler nicht noch mal macht, sonst muss ich ihn rausnehmen.“

Die Stammelf: Bislang galt auch Alexander Ludwig als gesetzt. Doch der Ex-Paulianer, der sogar hinter den Spitzen spielen durfte, präsentierte sich gegen Karlsruhe ideenlos. „Ich bin mit unserem Spiel nach vorne nicht zufrieden, wir haben in der ersten Hälfte kaum Torchancen gehabt“, motzte Lienen. Aber auch Innenverteidiger Mate Ghvinianidze wackelt, er könnte durch Abwehr-Routinier Torben Hoffmann (34) ersetzt werden. Möglicherweise fliegt Sascha Rösler – völlig indisponiert gegen den KSC – ganz aus dem Kader.

Der Kader: Hat die Mannschaft genug Substanz, um – wie vom Verein anvisiert, 2010 aufzusteigen? „Wir wissen um unsere Qualität – und die ist gut“, erklärte Stevic, „für guten Fußball muss man sich aber auch mal quälen.“ Doch an die Schmerzgrenze gingen die Löwen-Stars diesmal nicht. Über 30000 Fans, darunter 1200 im Business-Bereich, verließen Fröttmaning – wie so oft in der Vorsaison – frustriert. Und Stevic meinte: „Wir wollten sie glücklich machen, das ist uns leider nicht gelungen.“

Die Alternativen: Geld müsste durch den Verkauf von Lars Bender nach Leverkusen (2,9 Millionen Euro) noch auf dem Konto sein, doch die Löwen machen nicht den Eindruck, dass sie nachlegen wollen. Stevic: „Wir müssen aktiv auf dem Platz sein – das ist der beste Transfer für die Zukunft.“ Noch bis zum 31. August, dem Ende der Transferperiode, haben die Löwen Zeit einzukaufen. Vielleicht hilft in Ahlen sogar schon eine interne Lösung: 1860-Amateur Emanuel Biancucci. Der Cousin von Barca-Star Lionel Messi trainiert seit Dienstag wieder bei den Profis. Zum einen, weil Lienens Druck auf die Etablierten ausüben will. Zum anderen, weil dem Argentinier als Nicht-EU-Bürger vom DFB die Spielgenehmigung für die U23 wieder entzogen wurde. Lienen: „Biancucci muss mit seinem Reisepass wieder zur Behörde. Das ist beim Verband der uralte Gedanke, dass wir unseren Nachwuchs vor Nicht-Europäern schützen. Jetzt haben wir die gleiche beschissene Situation wie schon einmal.“ Einziger Trost: Für die Profis darf er spielen. Oliver Griss

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