1860: Die große Friedensshow

Die Löwen schließen bei der Wahl des neuen Aufsichtsrates augenscheinlich Frieden miteinander. Hasan Ismaik ist neuer Aufsichsratschef.
| Filippo Cataldo, Marco Plein
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 Die Löwen schließen bei der Wahl des neuen Aufsichtsrates augenscheinlich Frieden miteinander. Hasan Ismaik ist neuer Aufsichsratschef. "Es gab von meiner Seite nie Unstimmigkeiten", sagt er.

München - Und dann saßen sie alle gemeinsam im Löwenstüberl: Hasan Ismaik, sein Freund und Statthalter Hamada Iraki, Dieter Schneider, Wolfgang Hauner, Franz Maget, Robert Schäfer, Otto Steiner und Siegfried Schneider.

Natürlich wusste dieser illustre Freundeskreis der Löwen-Granden, dass sie genau beobachtet werden würden, die Reporter saßen ein paar Tische weiter. Und die Herren, die sich in den letzten Tagen beharrlich beharkt und gestritten hatten, taten das, was sie tun mussten. Sie redeten leidenschaftlich und demonstrativ gut gelaunt in einem Gemisch aus Bayerisch, Deutsch und Englisch aufeinander ein, die Übersetzerin tat ihr bestes, um alles auf Arabisch zu übersetzen. Ismaik zu übersetzen. Augenscheinlich mit Erfolg. Ismaik lachte immer wieder laut auf. Löwenstüberl-Wirtin Christl Estermann lief derweil aufgeregt zwischen ihrem Tresen, dem Repräsentanten- und Reportertisch hin und her, servierte Apfelschorle (für Schneider und die Reporter), Wasser (für Ismaik), Bier (für alle anderen). „Das ist ein historischer Augenblick für 1860“, wiederholte sie immer wieder.

Zumindest sorgten sie für schöne und symbolträchtige Bilder. Die Kontrahenten der letzten Tage wollen sich wieder lieb haben. „Es war eine sehr einträchtige Sitzung“, berichtete der 1860-Präsident Schneider über die nur einstündige Sitzung. Man habe „sehr einstimmige“ Entscheidungen getroffen. Tatsächlich waren die Ergebnisse seit Donnerstag, nachdem Schneider seinen schon vorbereiteten Rücktritt abgesagt und Ismaik in einem offenen Brief erklärt hatte,

kein Interesse an der absoluten Macht bei 1860 und der Ablösung Schneider gehabt hätte, so erwartet worden: Ismaik ist ab sofort der neue Aufsichtsratsvorsitzender der KGaA, Schneider sein Stellvertreter. Ismaiks Statthalter und Freund Iraki wurde ebenso in das auf sechs Posten verkleinerte Kontrollgremium gewählt wie die Anwälten Lori-Ann Campbell, Schneiders Vize Franz Maget und Ex-Kultusminister Siegfried Schneider.

„Damit ist unsere Partnerschaft auch formell besiegelt“, sagte Schneider, „das ist die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.“ Als der Präsident dem Jordanier die Hand reichen wollte, setzte Ismaik gleichzeitig zu seiner kleinen Rede ein. „Wir haben eine reibungslose Sitzung gehabt und einen Aufsichtsrat gewählt“, sagte er, „ich freue mich auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit zum Wohle des TSV 1860 und hoffe, dass dieser Verein eine erfolgreiche Zukunft haben wird.“ Erst dann sah er

Schneiders Hand – und schlug schließlich ein. Die Kameras klickten wieder.

Viel reibungsloser verlief dann das - unalkoholische - Anstoßen im Stüberl zwischen dem Oberbayern Schneider und dem Jordanier Ismaik. Sie stießen an, lachten die Kamera – und tranken.

Wobei man, wenn es nach den beiden geht, am besten gar nichts in solche Szenen interpretieren sollte. Denn: „Ich persönlich habe nie ein Problem mit Herrn Schneider gehabt. Von meiner Seite hat es keine Unstimmigkeiten gegeben“, sagte Ismaik. Schneider lächelte gütig. Rund fünf Minuten schenkten die neuen Männerfreunde ihren Zuschauern, dann verschwanden der Präsident, der Investor und Hamada wieder nach oben in der Geschäftsstelle. Es gab wohl doch noch was zu besprechen. Am Tisch zurück blieben die restlichen Honorationen. Und ein fast noch volles Wasserglas.

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