1860: Das läuft schief bei Lienen und Ludwig

Das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler wirkt belastet. Der Profi möchte bei 1860 mehr sein als nur ein Joker – und bekommt Kontra vom Coach
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Gestörtes Verhältnis? Ewald Lienen und Alex Ludwig (rechts).
sampics/Augenklick Gestörtes Verhältnis? Ewald Lienen und Alex Ludwig (rechts).

Das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler wirkt belastet. Der Profi möchte bei 1860 mehr sein als nur ein Joker – und bekommt Kontra vom Coach

MÜNCHEN Es war unüberhörbar, sowohl im Wedaustadion als auch – via Außenmikrofone – an den Fernsehgeräten: Immer wieder geriet 1860-Trainer Ewald Lienen zuletzt beim 1:0-Sieg in Duisburg in Rage, immer wieder schrie er einen seiner Spieler an: „Lude, Lude – was machst du denn? Lude, was soll das?“

„Lude“, das ist der Spitzname von 1860-Mittelfeldspieler Alexander Ludwig. Den hatte Lienen erst eine Viertelstunde vor Schluss für Stefan Aigner eingewechselt. Ludwig bereitete mit einem Freistoß sogar das späte Siegtor durch Djordje Rakic vor. Umso bemerkenswerter erschien, dass Lienen seinen Joker immer wieder anschrie.

Auch TV-Veteran Thomas Herrmann, der das Spiel für „Liga total“ kommentierte, war verwundert. Zur AZ sagte er: „Das war schon außergewöhnlich laut, wie Lienen den Ludwig angeschrien hat. Vielleicht kam das aber auch so deutlich rüber, weil im Stadion so wenig los war.“

Nur ein Zufall also?

Eher nicht. Das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler, der im vergangenen Sommer vom FC St. Pauli verpflichtet wurde, wirkt belastet. Ludwig (26), der in der Vorsaison im Dress der Hamburger noch mit zehn Zweitliga-Toren und fünf Assists geglänzt hatte, war bei 1860 unter Lienen zuletzt nur mehr Kurzarbeiter.

Ludwig ist erkennbar unzufrieden. „Ich würde schon gern mal wieder mehr als eine Viertelstunde spielen“, sagte er am Mittwoch der AZ: „Ich habe mir das bei 1860 ganz anders vorgestellt. Ich muss jetzt das Beste draus machen. Die Situation ist für mich nicht befriedigend. Aber wir gewinnen – und deswegen macht der Trainer alles richtig.“

Bitter für Ludwig: Sogar Jungprofi Dominik Stahl (21) hat ihm mittlerweile den Rang abgelaufen, spielt neben Aleksandar Ignjovski auf der zentralen Position.

Ludwig sagt: „Ich kann mir persönlich nichts vorwerfen. Der Stahl macht das sehr gut – und wahrscheinlich besser als ich.“ Da klingt ganz viel Sarkasmus und Verbitterung mit.

Was Ludwig ärgert: „Ich spiele nicht den Fußball, wie ich ihn letztes Jahr gespielt habe. Wie oft war ich noch vor dem gegnerischen Tor bei 1860? Ich habe mir das hier ganz anders vorgestellt.“ So redet einer, der sich im taktischen Konzept seines Trainers nicht gut aufgehoben fühlt.

Coach Lienen kontert derlei Klagen natürlich prompt: „Es geht nicht darum, wie viele Tore Ludwig schießt, sondern, dass 1860 gewinnt. Wenn Ludwig spielen will, dann muss die Laufbereitschaft passen. Und wer das nicht macht, spielt bei uns nicht.“ Und: „Mir sollen keiner erzählen, dass man erst den goldenen Teppich auslegen muss, um guten Fußball zu spielen. Wer gut Fußball spielt, fühlt sich immer wohl.“

Eine klare Abfuhr für Ludwig. Zumal Lienen anfügt: „Im Moment vertrauen wir dem Duo Ignjovski und Stahl. Das kann sicherlich ein Modell für die nächsten Wochen sein. Letztlich geht es um Leistung.“ Ob Ludwig (Vertrag bis 2011) noch eine Perspektive sieht bei 1860? Oliver Griss

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