1860: Ärger mit dem Finanzamt

Brisanz vor dem Treffen der Delegierten: Wenn der Verein die Gemeinnützigkeit verliert, droht sogar die Insolvenz. Hilft Investor Hasan Ismaik?
| Filippo Cataldo
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Löwen-Präsident Dieter Schneider
Rauchensteiner/AK Löwen-Präsident Dieter Schneider

Brisanz vor dem Treffen der Delegierten: Wenn der Verein die Gemeinnützigkeit verliert, droht sogar die Insolvenz. Hilft Investor Hasan Ismaik?

München  - Die Zukunft des TSV 1860 wird im Wirtshaus besprochen. Am Montag findet mal wieder eine Delegiertenversammlung statt, ab 18.30 Uhr tagt das höchste Vereinsgremium in der Heide-Volm in Planegg. Eine traditionell streitbare Veranstaltung, die durch den Anteilsverkauf an Hasan Ismaik zusätzlich Brisanz erhält. Die Vereins-Oberen um Präsident Dieter Schneider dürften wegen des Investoren-Einstiegs hitzige Debatten erwarten.

Für Explosionsgefahr sorgt auch ein hausgemachtes Problem. Wie die AZ erfuhr, droht dem TSV München von 1860 e.V. akut größeres Ungemach vom Finanzamt. Ende des Jahres droht dem Verein gar der Verlust der Gemeinnützigkeit. Dies würde bedeuten, dass künftige Einnahmen des Vereins regulär versteuert werden müssten und auch Fördergelder für die Jugendarbeit nicht mehr ohne weiteres abgegriffen werden könnten. Weit schlimmer:

Nach Ansicht der Behörden könnte 1860 bereits seit neun Jahren nicht mehr die Bedingungen für die Gemeinnützigkeit erfüllt haben. Diese sehen insbesondere vor, dass ein Verein keine rein kommerziellen Zwecke erfüllt. Kurz gesagt heißt dies: Jede Einnahme muss gemäß der Satzung ausgegeben werden, der Verein darf keinen Gewinn erwirtschaften. Im Gegenzug gibt es eine Befreiung von der Steuer.

Verlieren die Löwen die Gemeinnützigkeit, drohen Steuerrückzahlungen bis in Millionenhöhe. Rund um die Grünwalder Straße macht sogar wieder das schlimme Wort Insolvenz die Runde.

„Wir haben alle richtigen Maßnahmen eingeleitet"

Verantwortlich dafür wäre schludriges Verhalten aller 1860-Präsidien seit 2002. Der verstorbene Präsident Karl-Heinz Wildmoser gliederte damals die Profi-Abteilung aus dem Verein in die KGaA aus. Seitdem überweisen sich Verein und KGaA gegenseitig Geld. So zahlt der Verein Miete für die Nutzung des an die KGaA übertragenen Jugendleistungszentrums. Im Gegenzug erhält der Verein von den Profis Geld für die Ausbildung der Talente.

Daran wäre nichts auszusetzen – wenn dies damals schriftlich im „Geschäftsbesorgungsvertrag” zwischen der KGaA und dem Verein dokumentiert worden wäre. Diese Formalie schafften aber weder Wildmoser noch seine Nachfolger. Nun ist das Problem akut. Das Finanzamt wertet einen bestimmten Teil der Zahlungen an den Verein – die Rede ist von mindestens 70000 Euro im Jahr – als verdeckte Gewinnausschüttung. Und verlangt die Rückzahlung. Für einen Verein mit derzeit nur 200000 Euro auf dem Festgeldkonto: schwierig.

Schneider dementiert die Steuer-Probleme nicht, er verweist darauf, dass die Problematik schon seit Jahren bestünde. Nur gekümmert hat sich niemand – auch er lange nicht. „Wir haben alle richtigen Maßnahmen eingeleitet, um die Gemeinnützigkeit des Vereins nicht zu gefährden”, versichert Schneider nun. Man befinde sich in Kontakt mit den Behörden. Zusätzlich verhandelt man mit der KGaA, um den Geschäftsbesorgungsvertrag abzuschließen. Doch das ist seit dem Anteilsverkauf nicht leichter geworden. Mit am Tisch sitzt nun auch Ismaik. Und der verlangt für seine Zustimmung und Hilfe bei Begleichung der Schulden Gegenleistungen. Etwa die Übernahme der Fanartikel-GmbH. 

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