Text und Video: Die AZ fährt im DTM-Renntaxi mit!

AZ-Reporter Filippo Cataldo hat sich ins DTM-Renntaxi gewagt und ist die Strecke im Olympiastadion abgefahren. Die spektakulären Aufnahmen der Helmkamera gibt's im Video.
| Filippo Cataldo
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So schaut's aus Sicht der Beifahrers aus: Die AZ hat sich ins Renntaxi gesetzt und ist die Strecke im Olympiastadion abfgefahren. Unten gibt's das Video
AZ So schaut's aus Sicht der Beifahrers aus: Die AZ hat sich ins Renntaxi gesetzt und ist die Strecke im Olympiastadion abfgefahren. Unten gibt's das Video

Der Kopf ruft Bremsen! Der Bauch meint: Nicht schon wieder! Die Hände sind feucht, vom Rücken rinnt der Schweiß herunter, die Füße treten gegen das Blech. Ich rufe: „Fahr, Fahr!“ Und ehe ich die widersprüchlichen Signale meines Körpers irgendwie zusammenkriegen kann, sind wir schon um die nächste Kurve gedriftet, haben wir schon die nächste Mauer so gut wie berührt und stehen schon wieder 120 Sachen auf dem Tacho.

Am Samstag und Sonntag werden Ralf Schumacher, Martin Tomczyk, Mattias Ekström und die anderen DTM-Stars durch den Betonkanal im Olympiastadion rasen, das für ein Wochenende zur Rennstrecke umfunktioniert wurde, und um den Titel des Stadionkönigs kämpfen.

Die AZ ist die Strecke am Freitag schon abgefahren. Als Beifahrer zwar, aber mehr Adrenalin würde mein Körper auch mit den Händen am Lenkrad nicht produzieren können. Und so sitze ich mit Helm, Haube und Rennanzug eingezwängt in dieser Kohlefaser-Wanne, die mein Sitz sein soll, festgeschnürt vom Sechs-Punkt-Gurt an Brust, Bauch und Oberschenkeln. Eine Presswurst im Strampler, festgezurrt im Rennwagen.

Am Steuer des DTM-Renntaxis von Mercedes sitzt Bernd Mayländer. Formel-1-Fans kennen den 41-Jährigen als den Mann, der die Piloten nach Unfällen auf der Strecke einbremst, er fährt das Safety Car. Alleine seine Berufsbeschreibung klingt vertrauenserweckend. Und Mayländer als Typ ist es erst recht. Der 41-Jährige mit dem Union Jack auf dem Helm und der Zahnlücke ist ein witziger und ruhiger Kerl. Aber er ist eben auch durch und durch ein Racer.

Bis 2004 war Mayländer selbst für Mercedes in der DTM aktiv, nun kutschiert er in der populärsten Tourenwagenserie Europas das Renntaxi, dessen einziger Unterschied zu den normalen DTM-Autos die zwei Sitzplätze sind. Mehr als 500 PS brodeln unter der Haube, allzeit bereit, viel mehr Kraft als nötig an die Räder weiterzugeben. Und so ist eine Fahrt im DTM-Auto ein ewiges Hoppeln, Rutschen und Driften. Ständig vibriert irgendetwas, es riecht nach Benzin und verbranntem Gummi, immer wieder leuchtet am Cockpit eine Anzeige und zeigt an, dass die Räder durchdrehen. Die berüchtigten Fliehkräfte in den Kurven sind im Olympiastadion zu vernachlässigen. Brutal dagegen ist das Gefühl beim Bremsen. Weil es zu spät passiert für das Hirn eines Nicht-Racers und dann aber zu schnell geht.

Rund zweieinhalb Sekunden brauchen wir für den Sprint von null auf hundert, in weniger als 40 Sekunden haben wir die 614 Meter der Micky-Maus-Strecke im Oly absolviert. Mayländer dreht nicht am Lenkrad, er reißt daran, sein linker Fuß drückt die Bremse nicht, er tritt auf sie drauf. Neun Mal muss Mayländer am Schaltknüppel ziehen oder drücken während einer Runde, immer nur vom ersten in den zweiten und wieder zurück. „Wenn ich in den dritten geschaltet hätte, wären wir schneller in der Mauer gewesen, als uns lieb wäre“, wird er hinterher erklären. Als wir im Auto sitzen, beschränken sich unsere Gespräche auf kurze Rufe. „Alles klar?“ - „Jaaaaa! Fahr!“ Nach zwei Runden sind meine Hände nass, und die Reifen haben ihre Temperatur erreicht. Nach drei scheint auch Mayländer Gefallen zu finden an der Fahrt, statt wie abgemacht wieder an die Box zu fahren, rast er an ihr vorbei. Nach vier würde zwischen uns und die Mauer teilweise nicht viel mehr als eine Hand passen. Nach der fünften Runde fährt er doch noch an die Box. Als Mayländer seinen Helm auszieht, ist er nass geschwitzt. Wenigstens das!

Hier geht's zum Video:

 

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