Tennis-Star Naomi Osaka: Spiel mit dem Feuer

Tennis-Star Osaka sucht bei Olympia plötzlich die große Bühne. Zuvor hatte sie sich wegen ihrer Depressionen noch häufig zurückgezogen.
| Krischan Kaufmann
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Die beste Tennis-Spielerin Japans: Naomi Osaka.
Die beste Tennis-Spielerin Japans: Naomi Osaka. © picture alliance/dpa/AP

Tokio - Wie es ist, die Hoffnungen einer ganzen Nation auf seinen Schultern zu tragen, lässt sich wohl kaum in Worte fassen. Naomi Osaka hat es trotzdem versucht - auf ihre Art.

Am Freitag war es die viermalige Grand-Slam-Siegerin, Japans große Gold-Hoffnung, die auf der größtmöglichen Bühne des Sports vor den Augen der Weltöffentlichkeit das olympische Feuer im Olympia-Stadion von Tokio entfachte. Und die damit auch ein stilles - aber umso wirkungsmächtigeres - Signal an all ihre Kritiker sendete, die der 23-Jährigen die Rolle des vermeintlichen Superstars dieser Spiele nicht zutrauten: "Seht her, ich kann dem Druck standhalten!"

Das Geheimnis ist gelüftet: Kurz vor Mitternacht entzündet Japans Tennis-Superstar Naomi Osaka das olympische Feuer.
Das Geheimnis ist gelüftet: Kurz vor Mitternacht entzündet Japans Tennis-Superstar Naomi Osaka das olympische Feuer. © imago images/AFLOSPORT

Osakas Auftaktmatch wurde gestrichen

Dabei stand Osaka bereits wenige Stunden zuvor unfreiwillig im Mittelpunkt. Grund dafür war, dass ihr Auftaktmatch gegen die Spanierin Sara Sorribes Tormo, mit dem die aktuelle Nummer zwei der Welt am Samstag das olympische Tennis-Turnier eröffnen sollte, kurzfristig aus dem Programm gestrichen worden war. Stattdessen findet als erstes Match auf dem Center Court des Ariake Tennis Parks die Partie zwischen Mona Barthel und der letztjährigen French-Open-Siegerin Iga Swiatek (Polen) statt.

Die überraschende Verschiebung führte prompt zu Spekulationen um Osakas Gemütszustand. Denn die Japanerin ist nicht nur eine der besten Tennis-Spielerinnen auf diesem Planeten, sondern auch eine zerbrechliche Seele. Das hatte sie unlängst selbst zugegeben. "Es ist okay, nicht okay zu sein", schrieb sie in einem Beitrag im "Time Magazine".

Seit Jahren kämpft sie gegen Depressionen

Vor knapp zwei Monaten hatte Osaka offenbart, dass sie seit Jahren mit langen Depressionsphasen zu kämpfen hat.

Ausgelöst hatte Osakas Geständnis, die Aufregung um ihre Entscheidung, Ende Mai bei den French Open nicht zu ihrem Zweitrundenmatch anzutreten. Vorausgegangen war ein Presseboykott, für den sich Osaka "aus Selbstfürsorge" mit Blick auf ihre mentale Gesundheit entschieden hatte.

Osaka verschwindet nicht von der Bildfläche

Umso mehr überraschte, was dann danach geschah. Denn plötzlich war Osaka omnipräsent. Auf dem Cover der "Vogue", in einer Netflix-Doku, im Badeanzug auf dem Titel der "Sports Illustrated", und in einer weltweiten Werbekampagne ihres Hauptsponsors Nike.

Zudem wirkte es so, als habe auch das Fremdeln mit ihrem Heimatland Japan - ihre Eltern waren mit der kleinen Naomi früh in die USA ausgewandert - deutlich abgenommen. Zu den riesigen Olympia-Erwartungen ihrer Landsleute sagte sie: "Ich hoffe, ich kann sie stolz machen."

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Kann sie wirklich? Denn nun ist sie zurück im ganz großen Trubel, den sie bislang so konsequent gemieden hat. Es ist für Osaka ein Spiel mit dem Feuer.

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