Tai Chi: Wehrleins Erfolgsrezept bei der Formel E in China

Pascal Wehrlein hat durch einen Sieg und einen vierten Platz die Führung in der Formel E übernommen. Sein Erfolgsgeheimnis heißt Tai Chi.
von  Dietmar Gessner
Pascal Wehrlein macht Tai Chi vor dem Rennen in China.
Pascal Wehrlein macht Tai Chi vor dem Rennen in China. © Porsche

Nass gemacht! Porsche-Star Pascal Wehrlein hat vier Rennen vor dem Ende der Saison wieder die Führung in der Formel-E-WM übernommen. Samstag hatte er mit Pole-Position und Sieg in Shanghai 28 Punkte eingefahren. Durch Rang vier am Sonntag kamen weitere 12 Zähler dazu. Somit führt er nun die WM-Wertung mit 141 Zählern an und hat ein Neun-Zähler-Polster auf Jaguars Mitch Evans – der mit 27 Punkten Vorsprung auf Wehrlein in das Vollgas-Wochenende von China gegangen war und Sonntag wegen eines technischen Defekts nicht starten konnte.

"Das war für uns ein sehr gutes China-Wochenende", frohlockte Wehrlein. Dabei hätte es noch besser kommen können. "Hätte es weiter geregnet, hätte es auch am Sonntag nach einem Sieg ausgesehen", so Wehrlein.

Formel E-Märchen: Von Startplatz 19 raste Lucas di Grassi zum Sieg

Als der Asphalt klatschnass war, surfte er regelrecht Richtung Doppelsieg für den WM-Titel. Der 31-Jährige ist ein top Regen-Racer. So gewann er am Samstag souverän. Sonntag war Wehrlein, von Rang drei gestartet, auch klar auf Siegkurs – so lange es regnete.

Auf Regen waren Strategie, Energiemanagement und Reifendruck abgestimmt. Aber dann setzten die Niederschläge aus, die Strecke trocknete blitzartig, stellte so das komplette Renngeschehen auf den Kopf – und schuf ein Formel-E-Märchen. Von Startplatz 19 raste nämlich Lucas di Grassi (41) zum Sieg, der brasilianische Formel-E-Veteran, der einst den ersten Formel-E-WM-Lauf überhaupt – auch in China, nämlich 2014 in Peking – gewonnen hatte.

Wehrlein: Etwas Tai Chi schadet nie

Und das auch noch in seiner letzten Saison, im ansonsten grundsätzlich total unterlegenen Lola-Abt. Dort wurde bei Fahrzeug-Abstimmung, Reifendruck und Energiemanagement komplett auf einsetzende Trockenheit gepokert – und daher triumphiert.

Wehrlein ist kein Poker-Typ, kein Draufgänger im Vollgas-Cockpit. Er ist ein analytischer Rennfahrer: ruhig, überlegt. Und er hat einen ausgeprägten Hang zur Selbstoptimierung. Daher dachte er sich in der Vorbereitung auf Shanghai: etwas Tai Chi schadet nie….

Tai Chi, das ist traditionelle chinesische Kampfkunst, die heute vor allem als meditative Bewegungsform praktiziert wird: Atemübungen, innere Balance finden, Stress abbauen, Fokussierung und Koordination schärfen. All das kann Tai Chi leisten.

Pascal Wehrlein beim Tai Chi in China.
Pascal Wehrlein beim Tai Chi in China. © Porsche

Wehrlein: "Für Einfluss aus anderen Kulturen bin ich generell immer offen"

In einem ruhigen Bereich des Fahrerlagers, versteckt vor neugierigen Blicken, hatten sich Wehrlein und sein Schweizer Teamkollege Nico Müller vor dem Beginn des Renn-Wochenendes von einem chinesischen Meister in Tai-Chi-Übungen einweisen lassen. Wehrlein war beeindruckt: "Ich mache auch sonst Atemübungen. Für Einfluss aus anderen Kulturen bin ich generell immer offen. Ich denke, auch von diesen Tai-Chi-Übungen konnte man was mitnehmen."

Nun hat er reichlich Punkte mitgenommen. Wehrlein hat somit allen Grund, weiter an seinen zweiten WM-Titel nach 2024 zu glauben. So wie weltweit über eine Milliarde Menschen an die Kraft von Tai Chi glauben.

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