Interview

Sven Ottke über Sturm-Comeback: "Das ist doch Pillepalle"

Am Samstag gibt Ex-Weltmeister Felix Sturm mit 41 Jahren sein Comeback. In der AZ spricht die Box-Legende Sven Ottke über den Kampf, Boxen in Deutschland und Tyson Fury: "Der ist mir zu assi."
| Matthias Kerber
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Sven Ottke spricht mit der AZ über den Comeback-Kampf von Felix Sturm.
Sven Ottke spricht mit der AZ über den Comeback-Kampf von Felix Sturm. © BrauerPhotos / F.Seidel

Der jetzt 53-jährige Sven Ottke war von 1997 bis 2004 Boxweltmeister im Supermittelgewicht, dann beendete er nach 34 Fights als ungeschlagener Champion seine Karriere.

AZ: Herr Ottke, am Samstag steigt mal wieder ein Boxkampf. . .
SVEN OTTKE: Das wäre mir neu.

Comeback von Felix Sturm ein Showkampf? "Da stehen zwei alte Männer im Ring"

Ex-Weltmeister Felix Sturm gibt mit 41 Jahren sein Comeback nach fast fünfjähriger Ringabstinenz.
Das läuft bei mir nicht unter Boxen, das ist Entertainment, das ist wie Wrestling. Das ist doch Pillepalle. Ich weiß nicht, was das soll. Vom sportlichen Wert her ist das nicht viel anders als der Showkampf zwischen Mike Tyson und Roy Jones jr. Da stehen zwei alte Männer im Ring, die sich ein bisschen hauen. Mit dem Unterschied, dass Tyson und Jones Helden und Legenden waren. Wenn ich zufällig vorbeilaufen würde, wenn die beiden ein Sparring machen, würde ich anhalten und mir das ein bisschen anschauen. Aber bei Sturm? Nö. Und zahlen würde ich für den Kampf gleich drei Mal nicht. Wer kennt überhaupt seinen Gegner?

Sven Ottke würde für "sehr, sehr viel Geld" gegen Felix Sturm boxen

Timo Rost.
Nichts gegen ihn, aber da haben sie für Sturm eine deutsche Mickey Mouse gefunden. Und wenn ich dann schon höre, dass man danach Kämpfe gegen Oscar de la Hoya oder Saúl Canelo Álvarez plant: Mann, Mann. Es geht halt ums Geld, das ist alles. Und dann meldet sich auch gleich Arthur Abraham zu Wort, der seit Ewigkeiten nicht mehr richtig geboxt hat und verkündet, dass er für sehr viel Geld bereit ist, gegen Sturm zu boxen. Da lache ich nur. Arthur braucht mindestens ein Jahr, um wieder in Boxform zu kommen. Ich sage Ihnen eins: Für sehr, sehr viel Geld bin ich auch bereit, gegen Sturm zu boxen. Das können Sie gerne so schreiben. Aber nur für sehr, sehr viel Geld (lacht).

Was halten Sie denn grundsätzlich von den Boxern Sturm und Abraham? Letzterer war ja mal ihr Sparringspartner.
Sturm konnte wirklich boxen, das muss man neidlos anerkennen, er hat die Technik. Und Arthur ist ein Thema für sich. Wenn er nicht so faul gewesen wäre, was hätte der für eine Karriere haben können! Er hätte ein echter Box-Held werden können, aber so erinnert sich bei seinem Namen nur jeder an seinen Kampf, als er mit doppelt gebrochenem Kiefer weitergekämpft und gewonnen hat. Traurig. Er hatte ja eine große Karriere, aber er hätte zehn Mal mehr draus machen und werden können. Er hat ja sicher auch das Zehnfache von mir verdient, aber es wäre so viel mehr möglich gewesen.

"Sturm konnte wirklich boxen, das muss man neidlos anerkennen", sagt Box-Legende Sven Ottke über Felix Sturm, der jetzt mit 41 Jahren ein Comeback gibt.
"Sturm konnte wirklich boxen, das muss man neidlos anerkennen", sagt Box-Legende Sven Ottke über Felix Sturm, der jetzt mit 41 Jahren ein Comeback gibt. © imago images/Torsten Helmke

Sven Ottke über deutsche Boxer: "Ich sehe da keinen, der die Massen begeistert"

Aber Abraham liebte die gute Küche immer mindestens so sehr wie das Boxen.
Ich sehe das so: Wenn man boxt, wenn man nur diese begrenzte Zeit hat, dann muss man sich der Sache zu 1.000 Prozent verschreiben. Dann muss ich trainieren wie ein Verrückter, damit ich im Kampf alles abrufen kann. Wenn es dann nicht reicht, dann kann man sich zumindest keine Vorwürfe machen. Aber wie man in einen Kampf gehen kann, verliert und sich dann sagen muss, hätte ich nur richtig trainiert, hätte ich es nur ernst genommen, das geht einfach nicht in meinen Schädel rein. Aber er muss mit sich leben - nicht ich.

Wie sehen Sie denn das Boxen in Deutschland ganz generell im Moment?
Ein ziemlicher Totentanz. Wer ist denn da noch übrig, den man sehen will? Ich sehe da keinen, der die Massen begeistert, der auf internationaler Ebene wirklich, was reißen kann. Man muss einfach sagen, dass es mit den Klitschkos hier dann auch ziemlich vorbei war.

Ihre Meinung zu den Box-Brüdern Wladimir und Vitali Klitschko?
Viel unterschiedlicher kann man nicht sein als Boxer. Vitali war immer dieser gestandene Schwergewichtler, der so stark im Kopf war und der wirklich ein Kinn aus Eisen hatte. Der ist in den Fight rein, dem war es vollkommen egal, ob er dabei auch voll eine abkriegt, weil er wusste, er kann jeden Schlag nehmen. Der konnte zuhauen wie ein Pferd, und einstecken wie ein Tier. Er konnte zwar nicht wirklich gut boxen, weil er stocksteif war, aber hat wirklich das Allerbeste daraus gemacht, Respekt.

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"Respekt ist die Grundlage des Boxens"

Und Wladimir?
Der konnte richtig gut boxen. Das war teils großartig, keine Frage. Aber er wollte dabei nie einen Schlag nehmen, weil er eben auch wusste, dass er nicht die Nehmerfähigkeiten seines großen Bruders hatte. Aber die Welt ist eben nicht gerecht, wie sie die Fähigkeiten verteilt. Der eine ist dieses Tier mit dem Eisenkinn, der andere kann super boxen. Die beiden zusammen, das wäre eine gewaltige Mischung gewesen.

Und International? Was halten Sie von Schwergewichts-Champion Anthony Joshua.
Oh, der kann auch gut boxen - aber auch er hatte eher ein Rührei-Kinn, kann ausgeknockt werden. Und so wirklich elektrisiert er die Massen auch nicht.

Anders als sein großer Widersacher Tyson Fury.
Das stimmt, aber die Gründe, warum er die Massen begeistert, sind die Gründe, warum ich mit ihm gar nichts anfangen kann. Nichts gegen Psycho-Spielchen, aber der ist mir einfach zu assi.

"Der ist mir zu einfach assi", sagt Ottke über Tyson Fury.
"Der ist mir zu einfach assi", sagt Ottke über Tyson Fury. © picture alliance/dpa/PA Wire

Da fehlt mir schlicht jeglicher Respekt vor seinem Gegner, dem Sport an sich. Und Respekt ist die Grundlage des Boxens. Der hat eine Art, die nicht gut für den Sport ist, ich schaue mir das nicht gerne an, wobei man ihm zugestehen muss, dass er ein guter Boxer ist.

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