Interview

"Strietzel" Stuck wird 70 - die Rennlegende blickt auf eine rasantes Leben zurück

Die bayerische Rennlegende "Strietzel" Stuck wird 70. Im Interwiev spricht er über das Feiern in Corona-Zeiten und die Freude, am Leben zu sein: "Jedes Rennen war ein Himmelfahrtskommando".
| Johannes Schnabl
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Am 1. Januar wird Hans-Joachim Stuck 70. Die Rennlegende blickt auf ein rasantes Leben zurück.
Thomas Schneider/mid Am 1. Januar wird Hans-Joachim Stuck 70. Die Rennlegende blickt auf ein rasantes Leben zurück.

AZ: Herr Stuck, am Neujahrstag feiern Sie ihren 70. Geburtstag. Die große Party wird es aber nicht geben, oder?
HANS-JOACHIM STUCK: In Österreich, wo ich jetzt lebe, gibt es ja auch einen Lockdown. Also kommen nur meine zwei Söhne. Mit meiner Frau werden wir dann zu viert feiern, wir werden was Gutes essen, vielleicht ein lustiges Spiel spielen und um Mitternacht mit einem Glas Champagner anstoßen.

Das klingt doch gemütlich.
Das schon, aber eigentlich bin ich bekennender Pyromane. Wir dürften hier sogar Feuerwerk abbrennen, aber ich finde, diesmal gibt es keinen Grund dazu. In diesen Zeiten gehört sich das nicht, wenn man sieht, wie viele Menschen krank sind, wie viele Probleme haben. Da habe ich keinen Bock auf die große Knallerei. Ich bin froh, dass ich die 70 erreicht habe. Das muss man auch erst mal schaffen.

Hans-Joachim Stuck dankt seinen Schutzengeln

Vor allem, weil Sie einen riskanten Job hatten. Rennfahrer zu Ihrer Zeit lebten gefährlich.
Das stimmt. Ich muss wirklich all meinen Schutzengeln danken, die haben einen super Job gemacht in all den Jahren. Bis in den Autos Carbon verbaut wurde, war eigentlich jedes Rennen ein Himmelfahrtskommando. Wenn ich dran denke, wie viele Kollegen und Freunde ich verloren habe: Joe Wagner, Ronnie Peterson oder Tom Price. Die Angst ist immer mitgefahren. Aber auch heute gibt es im Motorsport keine hundertprozentige Sicherheit.

Was man erst vor kurzem in der Formel 1 gesehen hat, als Romain Grosjean in Bahrain fast verbrannt wäre.
Absolut, das war furchtbar. Aber da haben wir auch gesehen, wie sehr die Formel 1, der Motorsport in Sachen Sicherheit nachgebessert hat. Aber eines muss ich auch sagen: Ich kann nicht mehr hören, dass die Motorsportler zu viel Geld verdienen. Die sind jeden Cent wert, schließlich spielen sie in jedem Rennen mit ihrem Leben.

Sie sind in Ihrer Karriere quer durch alle Klassen gefahren: DTM, Formel 1, Langstrecke. Was war das gefährlichste Auto, in dem Sie jemals saßen?
Das war sicher zu Formel-1-Zeiten. In den Autos war damals links und rechts vom Cockpit jeweils ein Tank mit 100 Liter Benzin. Das waren ja rollende Bomben. Damals gab es schlimme Feuer-Unfälle.

Wie der von Niki Lauda auf dem Nürburgring. Sie waren damals dabei.
Eigentlich stand vor diesem Rennen ja ein Fahrer-Boykott an, aber wenn wir nicht angetreten wären, hätten uns die Teams rausgeschmissen. Niki hat immer für die Sicherheit der Piloten gekämpft. Tragisch, dass es dann damals ausgerechnet ihn erwischt hat. Aber er hat damals alle aufgeweckt, seitdem hat sich viel verbessert. Niki hat Großes geleistet.

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"Stritzel" Stucks Karriere-Highlights

Blicken wir auch auf die tollen Momente Ihrer Karriere, was war Ihr schönster Sieg?
Der schönste Erfolg war mein erster Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans, ein großer Traum zu Beginn meiner Karriere. Mit einem Formel-1-Sieg ist es ja leider nichts geworden, aber Le Mans ist auch eines der drei wichtigsten Rennen der Welt. Wenn ich heute zurückdenke, wie ich damals auf dem Siegertreppchen stand, dann bekomme ich noch immer Gänsehaut.

Bedauern Sie, dass Sie nicht länger in der Formel 1 gefahren sind?
Naja, 1977 hatte ich bei Brabham die Chance, um Siege zu fahren. Beim Großen Preis der USA stand ich sogar auf der Pole Position, aber am Start ist dann das Kupplungsseil gerissen. Hätte ich gewonnen, hätte ich mein Cockpit sicher gehabt. Aber so war's das dann. Trotzdem hatte ich eine gute Zeit, wurde immerhin zweimal Dritter. Das wichtigste ist, dass ich überlebt habe.

Es heißt auch, mit ihren 1,94 m waren Sie zu groß für die Formel-1-Autos.
Die Größe war sicher ein Manko, aber vielleicht war ich auch nicht fleißig genug. Bei meinen Teams hätte ich mehr Zeit in England verbringen müssen, aber ich wollte gar nicht gern raus aus Bayern. Ich wollte lieber in Garmisch Gaudi machen. (lacht)

Noch heute absolvieren Sie Testfahrten für Porsche. Soll das neue Jahrzehnt nicht ein bisschen ruhiger werden?
Solange ich fit bin, will ich im Auto sitzen. Ich will arbeiten bis ich umfalle.

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