Haching-Antreiber Sascha Bigalke: Der TSV 1860 spielt nicht meinen Fußball

Haching-Dribbler Sascha Bigalke spricht in der AZ über seine Sorgen um den Fußball-Nachwuchs. Und er erklärt, warum der TSV 1860 für ihn als Arbeitgeber nicht infrage kommt.
| Interview: Patrick Mayer
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Sascha Bigalke (li.) im Gespräch mit Patrick Mayer, Fußball-Chef der AZ Digital.
pm Sascha Bigalke (li.) im Gespräch mit Patrick Mayer, Fußball-Chef der AZ Digital.

Unterhaching - Experten nennen ihn den vielleicht besten Spieler der Dritten Liga: Sascha Bigalke. Der 29-jährige Spielmacher der SpVgg Unterhaching ist mit elf Assists der Top-Vorlagengeber, gefolgt von Phillipp Steinhart (TSV 1860/zehn Vorlagen). Bereits 2011/12 spielte der Berliner für Haching, seit 2014 ist er zurück bei den Münchner Vorstädtern.

Im Interview mit der AZ spricht Bigalke über die schwierige Zukunft als Fußball-Profi unterhalb der Bundesliga. Und er äußert sich zu den ständigen Gerüchten, er könnte ein Kandidat für die Löwen sein.

AZ: Herr Bigalke, Sie stammen aus Berlin – und sind ein echter Straßenkicker. Oder?
SASCHA BIGALKE: Auf jeden Fall! Ich kann leider keine romantische Ascheplatz-Geschichte erzählen. Aber: Wir haben als Kinder auf dem Schulhof gespielt, vor dem Hort. Überall, wo es möglich war.

Sie haben kritisiert, dass junge Fußballer regelrecht verheizt würden und die Eltern es erst bemerken, wenn es schon zu spät sei.
Manche Jugendliche spielen 40 bis 45 Turniere im Jahr. Das finde ich übertrieben. Die Kinder sollen einfach Spaß am Fußball haben. Uns fehlen in Deutschland genau diese Straßenfußballer, die einfach mal machen dürfen. Dann funktionieren sie am besten.

Weil ihnen ansonsten falsche Träume verkauft werden?
Ich finde Nachwuchsleistungszentren gut – bin nur kein Fan davon, wenn ein Zehnjähriger für einen Wechsel umziehen muss. Er soll in seinem Umfeld groß werden, bei der Familie. Ich finde es mittlerweile grenzwertig! Mit zehn Jahren kann man einem Jungen doch nicht sagen, dass er irgendwann mit Fußball sein Geld verdienen wird. Man muss den Eltern verklickern, dass ihre Kinder längst keine Profis werden, nur weil sie im NLZ trainieren. Ich habe den Eltern meiner Spieler gesagt, dass ich eine gute Schulbildung für wichtiger halte.

Sascha Bigalke: "Werde nicht so viel Geld haben"

Sie sind Trainer der Hachinger U14, das Thema treibt Sie offensichtlich um.
Ich bin mittlerweile 29 und verheiratet. Ich denke heute anders, versuche, mir auch die anderen Seiten des Fußballs anzuschauen. Ich habe auch schon die A-Lizenz, kommentiere Spiele für DAZN. Ich stelle mich da aktuell breit auf – auch für später. Ich denke, dass ich nach dem Fußball nicht so viel Geld auf dem Konto haben werde, dass ich sagen kann: "Ich mache jetzt nur noch Urlaub."

Weil das in der Dritten Liga nicht möglich ist?
Unmöglich, gar keine Chance! Man muss sich ja nur ausrechnen, welche Fixkosten man hat. So viel Geld können vielleicht Bundesliga-Profis auf die Seite legen. Selbst für einen Zweitligaprofi wird es schwer, finanziell ausgesorgt zu haben.

Sascha Bigalke (li.) im Gespräch mit Patrick Mayer, Fußball-Chef der AZ Digital.
Sascha Bigalke (li.) im Gespräch mit Patrick Mayer, Fußball-Chef der AZ Digital. © pm

TV-Star Nadine Menz ist seine Frau

Sie haben auch mal erzählt, dass eher Ihre Ehefrau erkannt wird, Schauspielerin Nadine Menz, die einst bei "GZSZ" mitspielte.
Als sie in der Serie mitgespielt hat, war das so, da kam es häufig vor, weil sich täglich dreieinhalb Millionen Menschen die Soap ansehen.

Und Sie haben sich Ihre Freundin abends im TV angeschaut?
Ich habe sie mir schon regelmäßig im Fernsehen angeschaut. (lacht) Zeitweise wurde die Serie in Babelsberg aufgezeichnet, dann mussten wir pendeln, was auch nicht einfach war, weil nur sie am Wochenende frei hatte und ich als Fußballprofi nicht. Jetzt leben wir hier gemeinsam…

...und Sie können sich als Zocker entfalten? Diese vermissen Sie ja im deutschen Fußball.
Definitiv! Gegenpressing ist in aller Munde, aber: Nicht viele Fußballer können sich richtig freilaufen – eine meiner persönlichen Stärken.

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Aber auch ein Zocker muss Entscheidungen treffen.
Vieles ist intuitiv. Bevor ich am Ball bin, schätze ich schon ein, was gleich passieren könnte.

Haching zockt beim Thema Aufstieg nicht mit.
Die Niederlage in Rostock tut uns weh. Unser Saisonziel war aber nicht der Aufstieg – auch wenn wir uns natürlich nicht dagegen wehren würden. Andere Vereine, wie Hansa Rostock, hatten offensiv verkündet, dass sie hoch wollen. Sie können es sich nicht leisten, drei, vier Jahre nicht aufzusteigen. Bei Uerdingen ist es noch krasser. Was die Geld ausgeben, schon in der Zweiten Liga wäre das der Wahnsinn. Es ist echt krass. Das zeigt, unter welchem Druck die Mannschaften in dieser Liga leider stehen. Ich mag solch einen Aktionismus gar nicht. Bei uns könnte es nie zu so was kommen.

Sascha Bigalke: TSV 1860 spielt "nicht meinen Fußball"

Bei Uerdingen steht mit Michail Ponomarew ein Investor dahinter.
Ich persönlich finde es schwierig, wenn nur eine Person die Macht im Verein hat. Man weiß nie, wenn ein Investor von heute auf morgen sagt: "Jetzt habe ich keine Lust mehr." Was ist dann? Es ist schwierig, sich abhängig zu machen.

Auch ein paar Kilometer weiter in Giesing gibt es mit Hasan Ismaik einen Investor. Karsten Wettberg, Kult-Trainer der Löwen, würde Sie gerne bei Sechzig sehen.
Eine nette Geschichte. Ich bin aber glücklich in Haching. Es gab noch nie eine Anfrage vom TSV 1860, und Sechzig ist für mich kein Thema. Ich bin kein Münchner, deswegen habe ich auch nicht diese Verbindung zu diesem Verein – außerdem spielen sie auch nicht meinen Fußball.

Lesen Sie hier: TSV 1860 gegen Unterhaching - Ticketverkauf startet

Lesen Sie auch: Neuer Vertreter von Hasan Ismaik soll vorgestellt werden!

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