Interview

"So eine Vorfreude hatten wir noch nie": Deutschlands Rodel-Dominanten Wendl/Arlt sind heiß auf Olympia

Tobias Wendl und Tobias Arlt sind die erfolgreichsten Doppelsitz-Rennrodler der Geschichte. In der AZ spricht das Gespann vom Königssee über Olympia, das Kribbeln in der Eisrinne und ihr Finale dahoam.
Thomas Becker |
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Dominieren den Rodelsport: Tobias Arlt und Tobias Wendl.
Dominieren den Rodelsport: Tobias Arlt und Tobias Wendl. © dpa

AZ: Sie werden in Cortina d’Ampezzo Ihre vierten olympischen Spiele bestreiten, mal wieder als Titelverteidiger: Die letzten Olympiasieger im Doppelsitzer, die nicht Wendl/Arlt hießen, stammen aus dem Jahr 2010 und spielen wahrscheinlich längst mit Ihren Enkeln. Mit je 38 gelten Sie beide als die Rodel-Opis der Branche – und müssen nach all den Jahren nun mit einer neuen Bahn zurechtkommen. Wie liefen die ersten Fahrten?
TOBIAS ARLT: Wir haben uns die Bahn erarbeitet und festgestellt, dass sie uns ganz gut liegt, wir gut mit ihr zurechtkommen und Spaß haben, was auf jeden Fall schon mal ein gutes Zeichen war. Das hatten wir bei den letzten Olympischen Bahnen in Peking nicht so in Erinnerung – da kam mit Set-up, Schlitten und Corona schon so einiges zusammen. Auch in Sotschi kam uns die Bahn am Anfang sehr schnell und sehr gefährlich vor. In Cortina haben wir uns dagegen entschlossen, gleich mit Wettkampfstart runter zu fahren. Ab der zweiten Fahrt waren wir schon voll drin. Und wenn du dann am Start stehst und auf den Monte Cristallo schaust – da lacht das Bergsteiger-Herz.
TOBIAS WENDL: Wir hatten in Cortina so ein kleines Déjà-vu: In Sotschi kamen wir 2014 auch zur Bahn hin und sind von Anfang an dort gut zurechtgekommen. Da kommt man gut rein, und dann macht das auch einfach Spaß. Ansonsten haben wir im Sommer gut trainiert, sind am Start gut dabei, und jetzt heißt es einfach gesund zu bleiben und noch gut zu trainieren.

Rennrodel-Duo Wendl und Arlt ist fit wie nie 

Im Sommertraining sind Sie ja immer viel auf dem Rad unterwegs – wie viele Kilometer waren es diesmal?
ARLT: So etwa 5.000 oder 6.000. Wir hatten die Räder auch im Herbst in Cortina mit dabei, sind jeden Tag mit dem Rad an die Bahn gefahren und nach dem Training auch mal um den Monte Cristallo geradelt. Klar macht man in einer Olympia-Saison in der Vorbereitung dann schon mal die eine Wiederholung mehr. Wir wollen einfach das Beste aus dem Körper rausholen.
WENDL: Unterm Strich kann man sagen, dass das fitteste Wendl/Arlt-Duo dasteht, das es je gegeben hat.

Sie beide rodeln schon seit rund 30 Jahren, seit mehr als 20 Jahren gemeinsam im Doppelsitzer – wird das nicht irgendwann fad?
WENDL: Der Spaß und das Kribbeln sind immer noch da. Das muss sein, denn wenn das nicht mehr da ist, dann sind wir hier verkehrt. Wer uns kennt, weiß, dass wir fokussiert sind und dennoch Spaß haben.
ARLT: Und wir müssen keinem mehr etwas beweisen. Wir machen uns keinen Druck und keinen Stress, sondern versuchen das alles zu genießen.

Tobias Arlt
Wir machen uns keinen Druck und keinen Stress, sondern versuchen das alles zu genießen.

Arlt und Wendl wollen am Königssee das letzte Rennen fahren 

Sechs Goldmedaillen haben Sie schon zuhause, zwei weitere sollen nun noch dazukommen – ist danach dann Schluss mit der einmaligen Karriere?
ARLT: Wir sind doch noch jung, oder?
WENDL: Wir haben heuer im Sommer unsere persönliche Bestmarke erreicht. Biologisch sind wir jetzt 18 oder 19.
ARLT: Nein, im Ernst: Wir wollen gern zuhause am Königssee unser letztes Rennen fahren. . . . 

. .wo die Bahn seit dem Murenabgang 2021 noch nicht wieder völlig hergestellt ist. . .
WENDL: . . .schauen wir mal, wie lang es noch dauert, bis die Bahn wieder steht und wir da das erste Mal wieder runterfahren. Wir würden gern den Fans etwas zurückgeben und eine gute Party feiern.

Wir würden gern den Fans etwas zurückgeben und eine gute Party feiern.

Tobias Wendl

"Das ist fast eine Sucht, ein Rausch"

Wenn man bei den letzten drei Winterspielen jeweils das Maximale erreicht hat und als erfolgreichster Doppelsitzer in der Geschichte des Rennrodelns zu Olympia fährt, verursacht das im vierten Anlauf nun Druck oder kann man es nun gelassener angehen?
WENDL: Ich würde sagen: Alles kann, nix muss. Wir haben uns unseren Olympia-Traum, für den man ein Leben lang arbeitet, schon 2014 in Sotschi erfüllt. Alles, was da noch oben drauf kam, ist Zugabe, und ich denke, dass das eher beflügelt. Wir freuen uns einfach, für Deutschland an den Start zu gehen und das Ding zu rocken. So eine Vorfreude wie jetzt hatten wir, glaube ich, noch nie vor Olympischen Spielen.

Was treibt Sie nach all den Jahren in Ihrer Disziplin immer noch an?
ARLT: Diese Freude am Sport und am Leisten. Wenn wir oben am Start sitzen und das Adrenalin einschießt: Das ist fast eine Sucht, ein Rausch.

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