Skibergsteigen: "Ein Kampf gegen Berg und Uhr"

Skibergsteigen ist als Olympische Disziplin im Gespräch – der Sport vereint Alpinismus mit packender Renn-Action. Seppi Rottmoser gehört zu den besten der Welt und erklärt die Faszination.  
| Sissi Pärsch
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Für die Zuschauer ist Skibergsteigen gut nachvollziehbar – wer am Ende vorne ist, oder die schnellste Zeit hat, gewinnt!
Werbegams Für die Zuschauer ist Skibergsteigen gut nachvollziehbar – wer am Ende vorne ist, oder die schnellste Zeit hat, gewinnt!

Skibergsteigen ist als Olympische Disziplin im Gespräch – der Sport vereint Alpinismus mit packender Renn-Action. Seppi Rottmoser gehört zu den besten der Welt und erklärt die Faszination.

AZ: Herr Rottmoser, Skitourengehen ist als Wettkampfsport noch recht unbekannt. Worin liegt der Reiz?

SEPPI ROTTMOSER: Die Herausforderung liegt in der Kombination von Aufstieg und Abfahrt, gewürzt mit Tragepassagen und Wechselzonen. Das alles im hochalpinen Gelände im Kampf gegen Berg und Uhr.

Welche Disziplinen gibt es?

Individual-, Sprint- und Vertical-Race. Das Individual-Race führt über mehrere Aufstiege und Abfahrten. Dabei sammelt man um die 1600 bis 2000 Höhenmeter, inklusive Trage- und Kletterpassagen. Wir brauchen so eineinhalb bis zwei Stunden. Im Vertical-Race wird nur der Aufstieg gewertet: 500 bis 800 Höhenmeter in 20 bis 30 Minuten. Und der Sprint dauert zwischen 2:30 bis 3:30 Minuten. Das sind dann 80 Höhenmeter, bei denen alle technischen Passagen integriert sind.

Seit 2002 gibt es Welt- und Europameisterschaften. Jetzt ist Skibergsteigen als olympische Disziplin im Gespräch...

Und das freut uns sehr! Bis zum Jahr 2022 könnten wir aufgenommen werden – und das ist keineswegs unrealistisch. Unser Sport ist so fordernd, abwechslungsreich und spannend. Es wäre eine absolute Bereicherung für die Spiele. Zudem müssten keine neuen Sportstätten gebaut werden, die Berge stehen ja schon da...

Und für den Zuschauer ist es auch interessant?

Absolut! Die Regeln sind einfach zu verstehen – es geht um die Endzeit. Man sieht die Anstrengungen und den direkten Vergleich. Gerade die Sprint- und Staffel-Disziplin kann ich mir sehr gut als attraktiven Event vorstellen, den man in die Stadt bringen könnte.

Für die geruhsameren Geher: Welche Tipps haben Sie für Skitouren-Einsteiger parat?

Erst einmal muss man sehen, in wie weit Kondition und skifahrerisches Können vorhanden sind. Dann sollte man die Geländewahl den Fähigkeiten anpassen. Ich empfehle jedem, sich langsam heranzutasten und nicht gleich einen Schnellstart mit vielen Höhenmetern in ungesichertem Gelände hinlegen zu wollen.

Wie sehen dann die ersten Schritte aus?

Man sollte sich Zeit nehmen, um den Umgang mit der neuen Ausrüstung in Ruhe zu lernen und zu üben: Wie ziehe ich Fell auf und ab. Wie funktioniert die Bindung und wie fest beziehungsweise locker mache ich den Tourenschuh zu, ohne dass es drückt oder reibt.

Das klingt recht langwierig...

Ist es nicht. Aber es ist eben doch etwas anderes als reines Alpinskifahren. Bei den ersten Aufstiegen entwickelt man rasch ein Gefühl für den Bewegungsablauf und das Equipment. Man spürt, wie die Felle greifen und kann Techniken üben. Und bitte immer Wechselwäsche einpacken. Man kommt wirklich schnell ins Schwitzen und sollte am Gipfel oder auf der Hütte in trockene Kleidung schlüpfen. Zum Einstieg eignen sich Pistentouren, gerade die Skitourenlehrpfade, die es in einigen Skigebieten bei uns gibt.

Dabei gibt es aktuell viele Diskussionen um das Tourengehen auf Pisten.

Leider, ja. Mein Wunsch wäre es, dass die Diskussion um das Thema bald für alle Beteiligten gut und friedlich gelöst wird. Verbote sind genauso unangebracht wie uneinsichtige Tourengeher.

Irgendwann geht's dann ins freie Gelände. Was gilt es hier zu beachten?

Abseits der Pisten steht natürlich die Sicherheit an erster Stelle! Wichtig ist, dass sich jeder der alpinen Verantwortung und Gefahren bewusst ist, sich rüstet und schult: LVS-Gerät unter der Jacke am Körper tragen, Schaufel und Sonde griffbereit im Rucksack verstauen.

 

 

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