Reuter kuschelt mit den Kritikern

Der Sportdirektor des TSV 1860 geht mit den Meisterlöwen zum Essen und debattiert dort drei Stunden mit ihnen – um so die Klub-Legenden auf seine Seite zu ziehen?
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Zuletzt trafen sich die Meisterlöwen beim „Heimatabend“ im Grünwalder (v.l.): Perusic mit Schale, Radenkovic, Reich, Kohlars, Rebele (verdeckt), Patzke, Bründl (verdeckt), Heiß und Wagner.
sampics/Augenklick Zuletzt trafen sich die Meisterlöwen beim „Heimatabend“ im Grünwalder (v.l.): Perusic mit Schale, Radenkovic, Reich, Kohlars, Rebele (verdeckt), Patzke, Bründl (verdeckt), Heiß und Wagner.

Der Sportdirektor des TSV 1860 geht mit den Meisterlöwen zum Essen und debattiert dort drei Stunden mit ihnen – um so die Klub-Legenden auf seine Seite zu ziehen?

MÜNCHEN Für die Fans des TSV 1860 sind sie Legenden, die Meisterlöwen um Petar Radenkovic oder Fredi Heiß. Und bis heute wird auf ihre Aussagen geachtet, sie sind – auch 42 Jahre nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte, dem Meistertitel von 1966 – weiter Meinungsmacher und Kritiker. Auch jetzt, in Zeiten der Krise, halten sich die wenigsten mit ihrer Meinung zurück. So hatten zuletzt Bernd Patzke und Petar Radenkovic in der AZ ihre Zukunftsängste in Sachen TSV 1860 geäußert. Dass dies immer wieder passieren kann, weiß auch Stefan Reuter. Nun traf sich der Sportdirektor am Mittwochabend mit den Helden von einst.

Um sich mit ihnen zu verbünden? Um sie auf Kurs zu bringen? Um sie zu besänftigen? „Wir waren beim Italiener, haben nett gegessen und uns ausgetauscht“, sagte der Sportdirektor gestern, „das wollen wir jetzt regelmäßig so machen. Wir waren bei meinem Lieblings-Italiener in Grünwald, im Schlosshotel."

Tatsächlich waren viele der Meisterlöwen der Einladung des Weltmeisters von 1990 gefolgt. Es wurde drei Stunden geplaudert, diskutiert, kritisiert – und gespeist. Bleibt die Frage: Was ist das Ergebnis? „Wir haben uns getroffen", sagte Fredi Heiß der AZ, „aber mehr will ich nicht sagen.“ Und Rekord-Löwe Manni Wagner, der 13 Jahre ununterbrochen im Verein spielte, blockte ebenfalls ab: „Wir haben Stillschweigen vereinbart, aber ich bin mir sicher, dass die Löwen jetzt die Kurve kriegen. Ich finde es gut, dass mit Ex-Spielern geredet wird.“

Doch warum soll dann über ein nettes Gespräch beim Italiener nichts nach außen dringen? Kuschelt Reuter mit den Kritikern, um sie auf seine Seite zu ziehen? Schließlich steht der Sportdirektor angesichts des letzten Platzes in der Zweiten Liga in der Kritik – und am übernächsten Montag, vor dem nächsten Heimspiel der Löwen gegen Duisburg (20.15 Uhr), hat 1860-Präsident Rainer Beeck die Meisterlöwen in den VIP-Bereich der Allianz Arena zum großen Talk eingeladen. Vergangene Woche hatte Ex-Keeper Radenkovic in der AZ angekündigt: „Ich freue mich darauf. Wir nehmen diese Einladung zum Anlass, dass wir schonungslos über die Missstände bei 1860 sprechen. Wir haben lange geschwiegen, jetzt muss alles auf den Tisch.“

Und so konnte Reuter froh sein, dass Radenkovic am Mittwoch keine Zeit hatte. „Ich wäre gerne gekommen", sagte er gestern der AZ, „aber meiner Frau geht es im Moment nicht so gut." Das Gespräch will der Ex-Torwart aber nachholen. Und Radenkovic verrät der AZ auch, welche Frage er Reuter stellen will: „Stefan, du bist ein sympathischer Mensch, aber bist du noch der Richtige für 1860? Das gilt auch für den Trainer. Ihr habt beide versagt. Jetzt müssen andere ran. So denken fast alle, die dem Verein nahe stehen."

Ex-Kollege Patzke, sonst für markante Sprüche bekannt, glaubt dagegen nun wieder an die Wende – dank Reuter: „Ich sage nichts Negatives. Meine Meinung über Reuter war nie schlecht, er ist ja ein Fachmann. Wenn Marco Kurz gegen Duisburg gewinnt, wird doch alles wieder positiv. Jetzt sind die Spieler in der Pflicht."

Reuters Kuschel-Attacke auf die Meisterlöwen hat sich also schon bezahlt gemacht. Zumindest bei einigen.

Oliver Griss

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