Playoffs: Der Matchball-Schock
München - Im Audi Dome feierten sie, bis die Lichter ausgingen. Noch weit nach Spielschluss tanzten die Fans auf den Rängen, besangen ihre Helden auf dem Parkett. Nur: Es waren die Oldenburger und nicht die Münchner, die am Samstagabend Playoff-Party machten. Die Basketballer des FC Bayern hatten zuvor beim Stand von 2:0 in der Best-of-five-Serie den Einzug ins Finale verpasst – und nach einem denkwürdigen Spiel inklusive zweimaliger Verlängerung mit 103:105 verloren. Ein doppelter Schock. Matchball Nummer 1 - vergeben.
Nach einer Partie, die in Sachen Spannung neue Maßstäbe gesetzt hatte. „Wahrscheinlich sind mir noch ein paar Haare ausgefallen“, sagt Vizepräsident Rudolf Schels. Vor Ende der regulären Spielzeit hatten die Bayern schon acht Punkte vorne gelegen – und wurden wieder abgefangen, 83:83. In der ersten Verlängerung tänzelte John Bryants Wurf mit der Schlussirene zweimal auf dem Ring – und fiel wieder heraus. „Ein paar Zentimeter können in diesem Sport nun mal entscheiden“, sagt Schels. Und in der zweiten Verlängerung dann führten die Bayern schon 103:97 – ehe sie zuschauen durften, wie die Oldenburger mutig einen Wurf nach dem anderen trafen und doch nocht gewannen.
Eine überaus schmerzhafte Niederlage, nicht nur, weil die Münchner Fans das Gegenteil eines Happy End erlebten, sondern, weil die Bayern nun wieder nach Oldenburg (Dienstag, 20.30 Uhr, live auf Sport1) reisen müssen. „Klar hätten wir gerne eine Woche Pause vor dem Finale gehabt, damit die Mannschaft regenerieren kann“, sagt Schels. Spiele wie am Samstagabend kosten sehr viel Kraft, im Niederlagenfall noch mehr. „Die Mannschaft hat unglaublich gekämpft“, sagt Schels.
Was in den Schlussminuten der regulären Spielzeit und darüber hinaus besonders deutlich wurde: Wie sehr die Bayern mit ihrem eigentlich doch recht ausgeglichen besetzten Kader am Ende von Aufbauspieler Malcolm Delaney abhängig sind. Der wertvollste Spieler der laufenden Bundesligasaison ist in der Lage, Spiele im Alleingang zu entscheiden. Sein Ballvortrag, seine Pässe und seine tödlichen Dreiern fehlten der Mannschaft. „Am Schluss hat man gemerkt, dass Malcolm uns wirklich gefehlt hat. Heiko Schaffartzik hat die gesamte Verlängerung durchspielen müssen. Das war nicht normal, er war kräftemäßig an der Grenze“, so Schels.
Zumal mit Topscorer Nihad Djedovic (Mittelhandbruch) ein weiterer Mann bis zum Ende der Playoffs fehlt, der prädestiniert für entscheidende Würfe ist. Und Robin Benzing, an guten Tagen ein extrem korbgefährlicher Flügelspieler, in der Serie gegen Oldenburg bisher ein Totalausfall ist. Da war es ausgerechnet Benzing, der während der Partie wegen einem üblen Cut behandelt werden musste.
Den Bayern bleiben beim Stand von 2:1 nun zwei Chancen, ins Finale einzuziehen: Am Dienstag und auch noch am Donnerstag (19.30 Uhr, Audi Dome).