Platz drei: Vettel wieder Weltmeister!

Das Rennen verloren, den Titel trotzdem perfekt gemacht: Sebastian Vettel ist nach dem dritten Platz beim Großen Preis von Japan in Suzuka zum zweiten Mal in Folge Formel-1-Weltmeister.
| SID
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Suzuka. Sebastian Vettel in seinem Red-Bull-Racing-Boliden
dpa Suzuka. Sebastian Vettel in seinem Red-Bull-Racing-Boliden

SUZUKA – Der 24 Jahre alte Heppenheimer setzte damit den nächsten Meilenstein in seiner Karriere und ist jetzt auch der jüngste zweimalige Titelträger in der Geschichte der Königsklasse. Seinem letzten Konkurrenten Jenson Button nutzte auch der Sieg in Suzuka nichts mehr, denn statt des letzten nötigen WM-Punktes holte Vettel als Dritter insgesamt 15 Zähler und ist damit in den letzten vier Rennen des Jahres nicht mehr einzuholen.

Auf die erste Gratulation von Red-Bull-Teamchef Christian Horner über Boxenfunk gab Vettel zunächst keine Antwort. Erst ein paar Sekunden später bedankte er sich mit leichtem Schluchzen bei seinem Team. „Wir haben es geschafft“, sagte Vettel, der auf seiner Ehrenrunde von Mercedes-Pilot Michael Schumacher eskortiert wurde. Im Parc ferme klatsche ihn der zweitplatzierte Fernando Alonso ab, dann kletterte Vettel auf sein Auto, riss die Arme in die Höhe und zeigte den Vettel-Finger. Wie von der Tarantel gestochen rannte er dann zu seinen Mechanikern und fiel ihnen in die Arme. Button, der seinen McLaren-Mercedes schon kurz hinter der Ziellinie abgestellt hatte, empfing den Triumphator mit einem Handschlag im Hinterzimmer vor der Siegerehrung. Vettel hätte zwar gerne zum dritten Mal in Folge auf seiner Lieblingsstrecke in Suzuka gewonnen, aber auch als Dritter durfte er sich auf dem Siegerpodium als alter und neuer Formel-1-König feiern lassen.

Rekordweltmeister Michael Schumacher und Nico Rosberg bescherten Mercedes auf den Plätzen sechs und zehn jeweils WM-Punkte. Adrian Sutil landete auf Rang elf, Timo Glock auf Position 20. Für Vettel war es in einer unglaublichen Saison bereits der 14. Podiumsplatz im 15. Rennen. Nur beim Heimspiel auf dem Nürburgring hatte er als Vierter bei der Siegerehrung gefehlt. Insgesamt hat Vettel in diesem Jahr neun Siege geholt und könnte immer noch den Saisonrekord von Michael Schumacher aus dem Jahr 2004 (13 Siege) einstellen. Vettel, der sich 2010 auch den Rekord des jüngsten Weltmeisters gesichert hatte, zählte bei der Entscheidung im Suzuka 24 Jahre und 98 Tage. Damit war er fast knapp ein Jahr jünger als der bisherige Rekordhalter Fernando Alonso bei seinem zweiten Triumph 2006 (25 Jahre, 85 Tage).

Vettel ist auch der erste Pilot seit Alonso und insgesamt der neunte der Formel-1-Geschichte, der einen Titel erfolgreich verteidigt hat. Beim Start hatte Vettel seine Pole Position gegen den besser gestarteten Button nur mit einer harten Abwehrattacke behauptet. Vettel zog frühzeitig nach rechts, Button musste vom Gas gehen und ausweichen, wodurch er seinen zweiten Platz noch an Hamilton verlor. Noch in der ersten Runde beschwerte sich Button im Boxenfunk mit seinem Team über Vettels Manöver und forderte eine Strafe, was die Rennleitung später aber nicht für nötig erhielt. Vettel ließ sich nicht beirren und fuhr gleich in der ersten Runde 1,3 Sekunden Vorsprung auf Hamilton heraus. Schumacher gewann beim Start einen Platz und verbesserte sich auf Position sieben, Sutil schob sich von Platz elf auf neun. In der achten Runde überholte Button seinen Teamkollegen und holte sich Platz zwei zurück, Hamilton fuhr mit einem schleichenden Platten unmittelbar danach an die Box und holte sich neue Reifen.

Eine Runde später musste aber auch Vettel zum ersten Reifenwechsel, wodurch Button die Führung übernahm. Allerdings nur für eine Runde, weil dann auch er die Box ansteuerte und hinter Vettel wieder zurück auf die Strecke kam. Schon in Runde 19 musste der Weltmeister aber zum zweiten Reifenwechsel die Red-Bull-Box ansteuern. Wie schon beim ersten Reifensatz hatten sich auf den Hinterrädern Luftblasen gebildet, wodurch Vettels Vorsprung geschrumpft war. Button musste zwar schon eine Runde später ebenfalls Reifen wechseln lassen, kam nach einer schnellen Abfertigung durch seine Mechaniker aber unmittelbar vor Vettel wieder zurück auf die Piste. In Runde 24 wurde das Spitzenduo durch das Safety-Car eingebremst, das wegen Trümmerteilen auf der Strecke rausgeschickt wurde.

Beim Neustart in Runde 28 behauptete Button seine Führung gegen Vettel und setzte sich sogar ein bisschen ab. Vettel reagierte und wechselte schon in Runde 34 als Erster auf die harten Reifen, was ihn zunächst auf Rang neun zurückwarf. Button ließ zwei Runden später ebenfalls Reifen wechseln und blieb vor Vettel, der eine Runde später auch hinter Alonso zurückfiel, als der vom dritten Stopp aus der Box kam. Schumacher blieb länger auf seinem dritten Reifensatz und übernahm zwischenzeitlich die Führung im Rennen, bis er selbst erst in Runde 41 stoppte. Alonso hielt derweil den attackierenden Vettel hinter sich. Schon Stunden vor dem Start des Rennens hatten zigtausende Motorsportfans die Strecke gesäumt.

Den Fahrern, allen voran Red-Bull-Pilot Vettel und Lokalmatador Kamui Kobayashi vom Schweizer Sauber-Team, wurde ein warmherziger Empfang bereitet. Die Japaner bedankten sich auf ihre Art für das Gastspiel der Formel 1. Rund ein halbes Jahr nach dem verheerenden Tsunami und der anschließenden Reaktorkatastrophe übermittelten sie ihre Grüße an den Rest der Welt. „Vielen Dank, dass ihr nach Japan gekommen seid“, lautete die häufigste Botschaft.

 

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