Interview

Patrick Kühnen über Alexander Zverev: "Grand-Slam-Sieg? Eine Frage der Zeit"

Am Sonntag beginnen die French Open in Paris: In der AZ erklärt Patrik Kühnen, warum die Finalteilnahme in New York für Zverev so wichtig war: "Er ist gereift als Spieler und Persönlichkeit."
| Thomas Becker
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"Er hat's auch auf Sand drauf", sagt Patrik Kühnen über Alexander Zverev.
"Er hat's auch auf Sand drauf", sagt Patrik Kühnen über Alexander Zverev. © dpa

München - Patrick Kühnen im AZ-Interview: Der ehemalige Kapitän (54) des deutschen Davis-Cup-Teams ist Turnierdirektor der BMW Open in München.

Patrick Kühnen
Patrick Kühnen © API/Michael Tinnefeld

AZ: Herr Kühnen, die Erwartungen an Alexander Zverev werden nach seiner Finalteilnahme bei den US Open nun in Paris wohl gewaltig sein - obwohl Rafael Nadal, aber auch seinem Finalgegner von New York, Dominic Thiem, die rote Asche viel eher behagt.
PATRIK KÜHNEN: Ja, aber auch Sascha hat auf Sand schon einige Turniere gewonnen. . .

AZ: . . .etwa die BMW Open in München!
PATRIK KÜHNEN: Da hat ja alles angefangen! Da hat er seine erste Wildcard bekommen, gegen Jürgen Melzer, auf dem zweiten Center Court! Aber zurück zu Paris: Meine Favoriten sind Nadal und Novak Djokovic, gleich dahinter Thiem. Aber auch Sascha ist da jetzt näher rangerückt. Er ist auf Sand groß geworden, und er hat's auch auf Sand drauf!

Zverev-Finaleinzug: New York war erst der Anfang

AZ: Wie haben Sie denn dieses dramatische Finale von New York zwischen Thiem und Zverev erlebt?
PATRIK KÜHNEN: Von der Dramatik her war es kaum zu überbieten! Es war ja das erste Grand-Slam-Finale für Alexander: Er hat im Verlauf des Turniers einen Quantensprung gemacht. Er ist immer ruhig und konzentriert geblieben, hatte schwierige Situationen zu meistern: gegen Borna Coric ein schwieriges Match gedreht, gegen Carreno-Busta zwei Sätze hinten gelegen, sein Level nochmal angehoben und auch ganz anders gespielt. Das war sehr beeindruckend. Auch wenn ihm die Niederlage sicherlich wehtut, wird er gestärkt daraus hervorgehen. Er hat sich so verbessert, ist gereift als Spieler und als Persönlichkeit auf dem Platz. Ein ganz wichtiger Schritt in der Entwicklung zum Grand-Slam-Sieg, der - wenn er so weiter macht - nur eine Frage der Zeit ist.

AZ: Wie hat er das geschafft? Tat es ihm vielleicht ganz gut, dass es in New York keine Zuschauer gab? Dass nichts seinen Fokus stören konnte?
PATRIK KÜHNEN: Sein Spiel ist viel variabler geworden: Er war öfter am Netz, war offensiver, hat auch mal mit dem zweiten Aufschlag Serve & Volley gespielt. Da waren spielerisch Elemente dabei, wo ich dachte: "Wow! Das geht in die richtige Richtung!" Da ist viel passiert. Und man muss auch bedenken, es war sein erstes Grand-Slam-Finale! Wie der dann auf den Platz ging: keine Spur von Nervosität, fokussiert, klarer Plan, wie er spielen will. Aber im dritten Satz konnte man dann sehen, aus was für einem Holz Dominic Thiem geschnitzt ist.

US-Open: Finale mit zwei Siegern

AZ: Offenbar aus einem Sieger-Holz.
PATRIK KÜHNEN: Vor dem Match dachte ich mir: "Thiem hat schon drei Grand-Slam-Finals gespielt, zwei Mal gegen Nadal, ein Mal gegen Djokovic. Das ist schon ein Vorteil gegenüber Zverev." Nun hat er uns nochmal allen gezeigt, was für ein Fighter er ist. Wie der sich da reingekniet hat! Ein großartiges Spiel - für mich mit zwei Siegern.

AZ: Was bedeutet das nun für die Tennis-Weltspitze? Von einer Wachablösung kann nicht die Rede sein, da die großen Drei - Djokovic, Nadal, Roger Federer - aus unterschiedlichen Gründen gefehlt haben und demnächst wieder ins Geschehen eingreifen werden.
PATRIK KÜHNEN: Djokovic und Nadal werden in Paris wieder dabei sein. Gerade Nadal ist komplett ausgeruht, der wird total heiß sein. Ich denke, dass alles enger zusammengerückt ist. Thiem hat nun eine für ihn wahnsinnig wichtige Hürde genommen, was ihm nochmal einen enormen Schub geben wird, bei Zverev genauso. Spieler wie Medvedev und Tsitsipas werden noch dazu kommen, was das nächste Jahr enorm spannend macht, weil die großen Titel auch für Thiem und Zverev noch mehr in Reichweite sind.

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