Olympia-Rennen zwischen Hamburg und München: Jetzt giftet OB Tschentscher aus der Hansestadt
Die Spitze gegen den Widersacher aus dem Süden konnte und wollte sich Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher nicht verkneifen. Olympia sei "mehr als Lederhose und Weißwurst. Wir wollen einen anderen Spirit reinbringen in die olympische Idee", sagte Tschentscher kurz vor dem Ende seiner fast 100-minütigen Bewerbungsshow und schickte damit leicht vergiftete Grüße an seinen Genossen und Münchner Amtskollegen Dieter Reiter.
Hamburg ist bereit – so lautete die Botschaft bei der Vorstellung des aktualisierten Konzepts der Hansestadt am Dienstag. Bereit für sein Referendum am 31. Mai. Bereit für das selbst prognostizierte Nord-Süd-Duell gegen den Münchener Bewerbungsrivalen. Bereit für eine deutsche Olympia-Kampagne.
Hamburg setzt auf "Olympia der kurzen Wege"
"Es gibt in ganz Deutschland – das will ich in aller hanseatischer Bescheidenheit herausstellen – keinen besseren Ort, um die olympische Idee im 21. Jahrhundert aufleben zu lassen", sagte Tschentscher. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wolle auf internationalem Terrain "nicht plötzlich ein Loser werden", sondern die Spiele nach Deutschland holen. "Und dafür spüren wir, dass unser Konzept wirklich passend ist."
Hamburg setzt in seinen Plänen auf ein "Olympia der kurzen Wege" sowie auf das Thema Nachhaltigkeit, wie Tschentscher betonte. Bestehende Sportanlagen sollen genutzt oder nur temporär gebaut werden. "Der DOSB erwartet, dass man möglichst keine neuen Sportanlagen baut", sagte Tschentscher: "Wir haben nicht die Stadt den Olympischen Spielen anzupassen, sondern wir passen die Spiele so an, dass sie hervorragend in unsere Stadt passen."
Zudem hofft die Stadt auf einen "nationalen Rückenwind für große Infrastrukturprojekte", wenn der DOSB Hamburg den Zuschlag geben sollte: "Olympia gibt uns den Schub, den wir brauchen."
Auch NRW bewirbt sich für die Olympischen Spiele
Hamburg bewirbt sich neben München, Köln/Rhein-Ruhr und Berlin um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Von den vier deutschen Interessenten hat bislang nur München ein Referendum durchgeführt, das mit einer Zustimmung von 66,4 Prozent erfolgreich war. Hamburg lässt seine Bürgerinnen und Bürger am 31. Mai über die Pläne abstimmen, die Region Rhein-Ruhr zählt am 19. April in den NRW-Kandidatenkommunen die Briefbefragung aus. Berlin plant kein Referendum.
Das sei ein Nachteil für die Hauptstadt, glaubt Tschentscher, es bestehe das Risiko, dass ein Referendum im Nachhinein erzwungen werde. Auch vom "dezentralen Ansatz" in NRW ist der SPD-Politiker nicht überzeugt. Und deswegen sei eigentlich nur München "wirklich eine Alternative" zu Hamburg, sagte Tschentscher, der erwartet, dass das Rennen wahrscheinlich "zwischen München und Hamburg ausgehen" wird.
Hamburg müsste ein nagelneues Olympiastadion bauen
Die Hansestadt ist mit ihren Planungen vergleichsweise weit, seit vergangener Woche liegt auch ein finanzielles Rahmenkonzept vor. Dieses sieht Kosten von 4,8 Milliarden Euro vor, bei geplanten Einnahmen von 4,9 Milliarden. Allerdings stehen auch Milliarden für Infrastrukturmaßnahmen an, und auch die Bagger müssten rollen: Ein Olympiastadion existiert nicht, eine zu errichtende Arena solle nach den Spielen zur neuen Heimat des HSV werden. Doch all das stand am Dienstag eher im Hintergrund.
"Es geht ja auch ein bisschen um die Frage der Ehre", sagte Tschentscher. Im Gegensatz zu Hamburg hat München 1972 Olympische Spiele ausgerichtet. Der DOSB will am 26. September in Baden-Baden über eine die Bewerbung entscheiden.
