Nmecha, ter Stegen, Sané: Das sind die WM-Wackelkandidaten
Wer schafft es in den deutschen WM-Kader - und für wen endet der Traum kurz vor dem Abflug in die Vereinigten Staaten im Juni? Am 12. Mai wird Bundestrainer Julian Nagelsmann sein Aufgebot bekannt geben, 26 Spieler dürfen letztlich an dem Turnier in den USA, Kanada und Mexiko teilnehmen. Der finale Kader muss der Fifa Anfang Juni übermittelt werden. Und es gibt noch einige Fragezeichen für Nagelsmann - was nicht zuletzt mit Verletzungen zu tun hat.
Sorge um Felix Nmecha
Jüngstes Beispiel: Felix Nmecha. Der Mittelfeldmotor von Borussia Dortmund, von Nagelsmann sehr geschätzt und eigentlich mit Startelf-Chancen, zog sich eine Außenbandverletzung im Knie zu und musste für die Testspiele in der Schweiz (4:3) und gegen Ghana (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe angepfiffen) absagen.
"Es ist eine Verletzung, die nicht ohne ist, die eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, um zu heilen. Es besteht zweifelsfrei die Gefahr, dass er die WM nicht spielen kann", sagte Nagelsmann über den 25-Jährigen: "Es wäre schon ein extremer Verlust für uns, wenn er das nicht tun könnte."
Optionen im zentralen Mittelfeld
Ob es am Ende klappt für Nmecha? "Ich habe gute Hoffnung, dass er spielen kann und es gut wird. Er hat einen sehr guten Körper und eine gute Muskulatur. Er kann schon vieles kompensieren", führte Nagelsmann aus. Nmecha sei "optimistisch, ich auch, die Ärzte auch. Aber du musst in allen Wenn-dann-Szenarien planen."

Im Mittelfeld hätten bei einem Nmecha-Aus die Bayern-Profis Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka die besten Chancen, von Beginn an zu spielen. Für die aktuellen Länderspiele musste Pavlovic angeschlagen absagen, das ändert aber nichts an seiner Perspektive. Goretzka hat nach der Nicht-Berücksichtigung bei der Heim-EM 2024 ein beachtliches DFB-Comeback hingelegt. "2024 konnte Leon mit deutlich weniger Spielzeit rechnen als jetzt", sagte Nagelsmann mit Bezug auf Toni Kroos und Ilkay Gündogan, die im Mittelfeld gesetzt waren.
Goretzkas neue Rolle im DFB-Team
"Damals haben wir die Rolle als Back-up nicht als ideal angesehen", ergänzte Nagelsmann. "Leon hat jetzt Chance auf mehr Spielzeit. Und er hat Entwicklungsschritte getan, auch seine Rolle bei Bayern München anzunehmen, wie sie ist." Neben Goretzka und Pavlovic hat Nagelsmann mit Stuttgarts Angelo Stiller, Pascal Groß (Brighton & Hove Albion) und Anton Stach (Leeds United) drei weitere Kandidaten fürs Zentrum zur Verfügung.

Generell gibt es noch einige WM-Wackelkandidaten. "Jeder Spieler weiß exakt, woran er ist, ob der WM-Platz sicher ist oder nicht so sicher ist", sagte Nagelsmann. "Und es würde sehr viel mit meiner Glaubwürdigkeit gegenüber dem Spieler machen und auch der Sinnhaftigkeit eines Rollengesprächs, wenn ich dann alles umwerfe, wenn ich in den Testspielen alles anders mache."
Ter Stegen fast ohne Chance
Auch der formschwache Leroy Sané könnte noch aus dem Kader fliegen. "Das Spiel gegen die Slowakei ist immer die Benchmark für Leroy, er muss das immer erreichen", sagte Nagelsmann zum 6:0 im letzten WM-Qualifikationsspiel, als der Galatasaray-Profi doppelt traf. "Das Spiel in der Schweiz war in Ordnung, nicht richtig gut, nicht unfassbar schlecht", so der Bundestrainer: "Die Argumente sind, dass wir Eins-gegen-eins-Spieler brauchen. Allzu viele Spieler, die vom rechten Flügel auch mal ein Eins gegen eins gewinnen, haben wir nicht." Aber mit Bayerns Lennart Karl zumindest einen, der Sané den Rang ablaufen könnte.
Sané, Nmecha und Co. müssen noch einige Wochen bangen, ob sie es zur WM schaffen oder nicht. Auch Offensivspieler Nadiem Amiri (Fersenverletzung) und Torhüter Marc-André ter Stegen (Oberschenkelverletzung) haben noch einen Funken Hoffnung. "Ich habe schon gesagt, dass ich aus Respekt ihm gegenüber die Tür nicht ganz zumache", sagte Nagelsmann über ter Stegen: "Trotzdem ist die Chance sehr, sehr, sehr gering, weil man die Gesamtkonstellation bei ihm betrachten muss. Er ist ja schon ein Jahr raus quasi und hat superwenig gespielt.

