Neureuther im Interview: "Ich bekam 24 Spritzen"

Ski-Ass Felix Neureuther spricht über die beste Saison seines Lebens, die Qualen und Strapazen. Und er verrät seine Pläne nach Olympia. „Ich mag mir eine Auszeit nehmen, um über mich nachzudenken”
| Thomas Becker
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AZ: Herr Neureuther, der Bayerische Rundfunk hat Sie als „Winterstar 2013” ausgezeichnet. Noch ein Pokal am Ende einer sehr erfolgreichen Saison – die bislang beste Ihrer Karriere?


FELIX NEUREUTHER: Definitiv: ja. Allein schon von den Weltcup-Punkten her: Vierter im Gesamt-Weltcup! Und dann natürlich die Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft! Da ist schon eine kleine Lebenslast von mir gefallen, weil ich so oft mit meinem Vater und meiner Mutter verglichen wurde. Auf diesen Erfolgen ausruhen darf man sich trotzdem nicht.


Wie lang ging die Silber-Party am letzten WM-Sonntag in Schladming?


Die ging schon lang, aber ich war ehrlich gesagt so müde, dass ich am liebsten um 20 Uhr ins Bett gegangen wäre.


Keine Energie zum Feiern?


Schwer. Ich wurde gezwungen zu feiern. Es war aber auch schön. Die Schweden und Franzosen und Amis waren auch da bei dieser Party der Österreicher. Das Schöne war, dass auch die dabei waren, die keine Medaille gewonnen, sich aber für die anderen gefreut haben. Für mich war das fast das Schönste an dieser Silbermedaille.


Die Saison begann im Oktober mit Ihrem dritten Bandscheibenvorfall und endete mit einem Spritzen-Festival bei Ihrem Slalom-Sieg vergangene Woche in Lenzerheide.


Lenzerheide war die Härte. Am Tag vor dem Rennen hätte ich nie im Leben gedacht, dass ich an den Start gehen könnte.


Wie viele Spritzen waren es?


24. Acht am Samstagabend vor dem Rennen, acht am Sonntagfrüh vor dem ersten Durchgang und acht zwischen erstem und zweitem Lauf. Da war ein super Arzt dabei. Normal lasse ich ja nur den Müller-Wohlfahrt da hinten spritzen. Die Spritzen gingen zwar nicht in die Tiefe, sondern nur muskulär. Aber das hat der Doc richtig gut gemacht.


Wie geht es Ihnen jetzt?


Ganz gut. Das war nochmal ein Warnschuss zum Schluss, der mir auch eine Aufgabe für den Sommer mitgegeben hat. Jetzt heißt es erst mal: Reha, Reha, Reha.


Was bedeutet das konkret?


Spritzen und Behandlungen, damit die Entzündung wieder rausgeht.


Ohne Spritzen geht gar nichts mehr?


Schwer. Aber es geht. Das ist einfach „part of the game”.


Aber so einen schlimmen Rücken wie Sie hat doch kaum einer Ihrer Kollegen...


Nein. Das war schon heftig. Aber ich hab’s ganz gut überstanden. Jetzt muss ich schauen, dass ich in den nächsten paar Wochen noch die Ski-Tests gut hinter mich bringe. Anfang Mai ist eine Woche Urlaub und dann geht schon wieder das Konditionstraining los: Der gute Skifahrer wird im Sommer gemacht.


Im nächsten Winter stehen die Olympischen Spiele an. Sie haben angekündigt, danach eine Pause einzulegen.


Ich weiß noch nicht, wie lange diese Auszeit sein wird, aber darauf freue ich mich sehr.


Auch, um mal in den maladen Körper hineinzuhören?


Auch in den Kopf! Ich bin dann elf Jahre im Weltcup, habe nie etwas anderes gemacht. Ich mag mir die Auszeit nehmen, um über mich nachzudenken. Das wird für mich nach Sotchi einer der entscheidenden Schritte für mein weiteres Leben sein. Es gibt noch ein Leben nach dem Skisport. Dafür werde ich mir die Zeit nehmen, um mir Gedanken zu machen. Ich finde das einen sehr coolen Plan. Vielleicht versuche ich in dem Jahr nach Sotchi auch mal alle Disziplinen zu fahren. Kann auch passieren.


Was war am Samstagabend im „Aktuellen Sportstudio” eigentlich an der Torwand los? 1:3 gegen Marcel Hirscher...


Falsches Schuhwerk! Null Gefühl! Ich hab’ so fest schießen müssen, dass ich überhaupt da links rauf komme. Und der Hirscher! Der hat so viel Glück in seinem Leben (lacht).

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