Nach verlorenem WM-Kampf: "Arthur hat mit Angst geboxt"

Die desolate Vorstellung von Abraham beim WM-Kampf in Las Vegas erzürnt Promoter Sauerland: "Er ist kein Aushängeschild mehr."
| Interview: Matthias Kerber
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Arthur Abraham (r.) verlor am Wochenende seinen WM-Titel in Las Vegas gegen Gilberto Ramirez.
dpa Arthur Abraham (r.) verlor am Wochenende seinen WM-Titel in Las Vegas gegen Gilberto Ramirez.

Las Vegas - In der Nacht von Samstag auf Sonntag kämpfte Arthur Abraham in der Spielerstadt Las Vegas um seinen WM-Titel. Die Titelverteidigung ging schief, der Deutsche wurde geschlagen und ging in allen zwölf Runden unter. Die AZ sprach nach dem Kampf mit Promoter Wilfried Sauerland.

AZ: Herr Sauerland, haben Sie die Demontage Ihres Boxers Arthur Abraham, der bei seinem WM-Kampf in Las Vegas von Herausforderer Giberto Ramirez regelrecht vorgeführt wurde, schon verdaut?

WILFRIED SAUERLAND: Nein, das habe ich nicht. So etwas kann man auch nicht so leicht verdauen, das wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Jeder kann verlieren, das ist nicht das Problem. Was wirklich so weh tut, ist die Art und Weise, wie Arthur verloren hat. Das, was er da geboten hat, war für mich einfach niederschmetternd. Ich bin ja schon sehr lange im Geschäft, aber das war für mich eine der schmerzhaftesten Niederlagen und vor allem Darbietungen, die ich je von einem meiner Boxer erleben musste. Ähnlich vernichtend empfand ich es vielleicht damals, als Axel Schulz 1999 von dem erst aufstrebenden Wladimir Klitschko so klar geschlagen wurde.

Lesen Sie hier: Arthur Abraham enttäuscht beim WM-Kampf in Las Vegas

Was war mit Arthur los? Da war kein Aufbäumen, kein Willen, den Kampf noch drehen zu wollen, zu sehen.

Da war gar nichts zu sehen. Genau das tut ja so weh. Arthur war ein Aushängeschild für den Boxsport in Deutschland, für meinen Boxstall. Aber das muss man jetzt so deutlich sagen, das ist er jetzt nicht mehr. Leider. Wirklich, leider. Arthur hat mit Angst geboxt. Er sucht nicht mehr mit der Konsequenz die Entscheidung, wie er es früher getan hat. Und wenn man ganz ehrlich ist, dann ist das schon in seinen ganzen letzten Kämpfen so gewesen. Man muss nicht drumherum reden, er geht auf das Ende seiner Karriere zu. Wer etwas anderes sagt, hat keine Ahnung.

Er wirkte fast hilflos.

Ja, die Punktrichter haben Abraham nicht eine einzige Runde gegeben. Und das kann man auch wirklich so vertreten. Ramirez hat ausgezeichnet gekämpft. Er ist er 24 Jahre alt und hat das wirklich sehr souverän gemacht. Er hat seinen Stiefel heruntergeboxt – und das ist nicht despektierlich gemeint –, er hat das toll gemacht. Das ging aber auch nur, weil von der anderen Seite aus gar nichts kam. Nichts, was ihn irgendwie in Bedrängnis hätte bringen können. Arthur hat ja vor dem Kampf gesagt, dass er Ramirez ein paar Dinger verpassen will, damit der gleich Respekt vor ihm hat. Das ist nur leider nie passiert.

Abrahams Trainer Ulli Wegner war nach dem Kampf so wütend und enttäuscht, dass er das Ende der Zusammenarbeit angedeutet hat.

Ja, ich habe mit meinen Sohn Kalle telefoniert, der vor Ort war, der hat mir gesagt, wie verstimmt Ulli war. Aber ich halte gar nichts davon, dass Arthur es jetzt mit einem neuen Trainer versucht. Das bringt nichts. Die beiden – Arthur und Ulli – haben zusammen angefangen, sie sollen auch zusammen aufhören.

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Klingt nicht so, als würden Sie noch viel von Arthur in Zukunft erwarten.

Ich bin Ende des Monats in Berlin, dann werden wir uns zusammensetzen und über alles reden. Wir müssen diskutieren, was noch Sinn macht. Ein Kampf gegen Felix Sturm, dessen Karriere sich ja auch dem Ende nähert, wäre sicher ein Fight, der noch mal Sinn machen würde, der in Deutschland noch mal für Aufsehen sorgen könnte. Aber wie gesagt, wir müssen über all das erst einmal reden.

Im Nachhinein war Arthurs Wechsel der Gewichtsklasse vom Mittelgewicht ins Supermittelgewicht wohl der größte Fehler seiner Karriere.

Ja, ich war immer dagegen, denn im Supermittelgewicht ist er körperlich fast allen Gegnern unterlegen. Seine Schlaghärte nötigt bei den etwas schweren Jungs nicht den Respekt ab, den er sich im Mittelgewicht erkämpft hat. Es gibt eben Boxer, die das Gewicht schaffen – und andere, die es eben nicht bringen. Arthur war immer einer, der gerne Mal einen Kuchen isst.

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Seine Leidenschaft für Gummibärchen war auch bekannt.

Und für Eis. Aber so ist er eben. Das ist für einen Profiboxer nicht perfekt, deswegen musste er ins Mittelgewicht. Was sicher nicht die beste Entscheidung war.

Sie saßen am Samstagabend nicht bei Abraham in Las Vegas am Ring, sondern waren beim erfolgreichen WM-Fight von Jack Culcay in Potsdam. Eine Entscheidung für die Zukunft und gegen die Vergangenheit Ihres Boxstalls?

So sieht es aus, so kann man es wohl wirklich sagen.

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